Rekord-Demo: Zehntausende protestieren in Mallorca gegen «Tourismus-Tsunami»
Der Unmut über den Massentourismus hat auf Mallorca einen neuen Höhepunkt erreicht. «Tourists go home» und «Mallorca no se vende» («Mallorca steht nicht zum Verkauf») skandierten Zehntausende bei der bislang grössten Protestkundgebung dieser Art auf der spanischen Mittelmeerinsel.

Die Polizei bezifferte die Zahl der Demonstranten auf 25'000, die Organisatoren sprachen von 70'000 Teilnehmern. «Mallorca schreit: Es reicht!», titelte das «Mallorca Magazin», die «Mallorca Zeitung» sprach von einem «denkwürdigen» Protest.
Die Plattform «Menys Turisme, Més Vida» («Weniger Tourismus, mehr Leben»), hinter der rund hundert Organisationen stehen, hatte unter dem Motto «Mallorca am Limit» bereits das dritte Jahr in Folge zur Demonstration aufgerufen.
Forderungen nach weniger Tourismus
Die Demonstranten verlangen eine Begrenzung der Besucherzahlen und mehr bezahlbaren Wohnraum. Viele trugen selbst gebastelte Plakate mit Aufschriften wie «Mallorca overbooked» oder «Der Tourismus-Tsunami ist unser Untergang».
Der Zeitpunkt der Kundgebung, kurz vor dem Höhepunkt der Ferienzeit und rund ein Jahr vor den Regionalwahlen auf den Balearen, sei bewusst gewählt worden, erklärten die Organisatoren.
Die Teilnehmer versammelten sich zunächst auf der Plaza de España in Palma und zogen anschliessend zur Kathedrale. Viele Urlauber beobachteten den Protest und filmten mit ihren Handys. Anders als bei früheren Demonstrationen in Barcelona oder Madrid blieb es zunächst friedlich.
Rangeleien nach friedlichem Protest
Erst nach dem Ende der Kundgebung kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei. Nach Medienberichten wurden mehrere Menschen verletzt. Die Beamten setzten Schlagstöcke ein. Regionalpräsidentin Marga Prohens bezeichnete die Szenen als bedauerlich, machte jedoch die linke Zentralregierung in Madrid mitverantwortlich.

Besucherrekorde trotz wachsender Kritik
Die Proteste stehen im Kontrast zu den anhaltend steigenden Touristenzahlen. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Balearen mit mehr als 19 Millionen Besuchern einen Rekord. Allein Mallorca empfing 13,2 Millionen Gäste aus dem Ausland – bei weniger als einer Million Einwohnern.
Die ausländischen Touristen gaben nach amtlichen Angaben mehr als 21 Milliarden Euro aus. Der Tourismus erwirtschaftet mehr als 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Mallorcas.
Wohnungsnot und steigende Lebenshaltungskosten
Viele Mallorquiner bestreiten nicht die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus. Sie kritisieren jedoch, dass immer mehr Wohnungen als Ferienunterkünfte genutzt werden und die Mieten für Einheimische kaum noch bezahlbar seien.

Hinzu kommen Klagen über Staus, Lärm, Umweltbelastungen und die Verdrängung traditioneller Geschäfte durch Souvenirläden, Eisdielen oder Tattoostudios. Nach Angaben der Organisatoren können sich viele Menschen mit normalem Einkommen das Leben auf der Insel kaum noch leisten.
Politik unter Druck
Die Regionalregierung zeigt Verständnis für die Unzufriedenheit. Vize-Regierungschef Antoni Costa räumte ein, dass mehr Massnahmen nötig gewesen wären. Eine Verringerung der Touristenzahlen lehnt die Regierung jedoch mit Verweis auf mögliche Jobverluste ab.
Mit Blick auf die Regionalwahlen im kommenden Jahr dürfte der Druck auf die Politik weiter steigen. Die Organisatoren warnen, die Geduld der Bevölkerung sei zunehmend erschöpft. (dpa)
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