Zögerte Kolumbiens Präsident bei der Erdbebenhilfe?
Chile, El Salvador, Mexiko, Argentinien, Brasilien, China, Spanien, die USA und auch internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen haben nach dem schweren Erdbeben vom Montag in Kolumbien schnelle und umfangreiche Hilfe angeboten: Geld, Bergungsteams, logistische und humanitäre Hilfe. Über die Antwort Kolumbiens herrschte zunächst Unklarheit.
Als Erster und mit grösstem Nachdruck machte der chinesische Botschafter in Bogotá, Zhu Jingyang, auf die Desorganisation in der neuen Regierung aufmerksam. Präsident Abelardo de la Espriella, ein rechter Unternehmer ohne vorgängige Regierungserfahrung, ist erst seit vergangener Woche im Amt. «Wir erwarten von der kolumbianischen Regierung, dass sie umgehend den Namen des zuständigen Beamten und dessen Verbindungsmann zur Koordinierung der internationalen Hilfe für die Erdbebenopfer bekannt gibt», klagte der chinesische Diplomat am Dienstag in einer Nachricht in den sozialen Netzwerken.
Auch der salvadorianische Präsident Nayib Bukele, ein ideologischer Verbündeter de la Espriellas, zeigte sich verwundert: «Wir wurden darüber informiert, dass kolumbianische Rettungsteams, Ärzte und andere Einsatzkräfte bereits vor Ort sind und die Lage bewältigen, sodass sie derzeit kein zusätzliches Personal benötigen», schrieb Bukele in den sozialen Netzwerken. «Die Regierung hat lediglich um Hilfsgüter für die vom Erdbeben betroffenen Familien gebeten», erklärte er und fügte hinzu, dass El Salvador daher nur 100 Tonnen humanitärer Hilfe entsenden werde. Auch die Vereinten Nationen erklärten, zunächst kein offizielles Hilfsgesuch erhalten zu haben.
Die ersten 72 Stunden sind entscheidend
Erst nach massiver Kritik aus der Bevölkerung und dem Druck seiner Berater lenkte der Staatschef am Dienstag Medien zufolge teilweise ein und akzeptierte Hilfskräfte und Ausrüstung von den politisch eng befreundeten Staaten USA und Argentinien.
Die Vereinigten Staaten stellen demnach Hilfe in Höhe von 15,5 Millionen Dollar bereit für Notunterkünfte, Lebensmittel, Schutzmassnahmen und die Begutachtung der durch das Erdbeben verursachten Schäden. Das Katastrophenhilfeteam (Dart) sollte noch am Mittwoch eintreffen, um Hilfs- und Bergungsmassnahmen sowie die Einsätze und die allgemeine Koordination der Hilfsmassnahmen zu unterstützen.

Später teilte das kolumbianische Aussenministerium mit, die internationale Gemeinschaft um Unterstützung gebeten zu haben. Auch sei auf Anweisung des Präsidenten eine Koordinationsstelle eingerichtet worden. Die soll die Hilfsangebote internationaler Organisationen bündeln. Aktuell bereitet sich Kolumbien laut der spanischen Nachrichtenagentur EFE auf internationale Hilfe aus den USA, Mexiko, Ecuador, El Salvador und Peru vor.
Die ersten 72 Stunden nach einem Beben sind die entscheidenden, um noch die grösstmögliche Zahl Verschütteter lebend zu retten. Diese Frist läuft am Donnerstagmorgen (Ortszeit) ab. Und die kolumbianischen Rettungsteams sind weit davon entfernt, an allen kritischen Orten nach Überlebenden suchen zu können.
Nach dem Erdbeben vom Montagmorgen der Stärke 7,4 werden noch mehr als 2000 Menschen vermisst. Über 200 Menschen kamen infolge der Erdstösse ums Leben (Stand Mittwoch), mehrere Hundert wurden verletzt. Tausende Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Das Epizentrum des Erdbebens vom Mittwoch lag an der Pazifikküste im Westen Kolumbiens im Departement Chocó. Besonders betroffen sind aktuell die Städte Pereira und Manizales in der Kaffeezone sowie die drittgrösste Stadt des Landes, Cali.
Katastrophenschutzbehörde noch nicht neu besetzt
De la Espriella definiert Länder wie China als politische Gegner, lehnt sich hingegen eng an die USA an. Aber auch zu den Linksregierungen in Mexiko und Brasilien möchte er nach Möglichkeit weder Beziehungen knüpfen noch Hilfe akzeptieren müssen. Nicht mal die linksautoritären Regierungen in Venezuela und Kuba waren in Katastrophensituationen so strikt wie der neue kolumbianische Machthaber. Caracas und Havanna haben jeweils Hilfe von verbündeten Staaten oder internationalen Organisationen akzeptiert.
Erschwerend kommt hinzu, dass de la Espriella eine geordnete Amtsübergabe mit dem scheidenden linken Staatschef Gustavo Petro boykottierte und bereits vorher erklärte, er werde den Staatsapparat drastisch verkleinern. Folglich ist noch keine der jetzt entscheidenden Zivil- und Katastrophenschutzbehörden neu besetzt. Der Staatschef kennt die Strukturen nicht und misstraut den Behörden, weil deren Leiter noch von Petro berufen wurden. Die Rechnung dieses Verhaltens zahlen die Menschen unter den Trümmern, die darauf hoffen, noch gerettet zu werden.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.