Streit um fehlendes Klopapier in Zügen wird zur Chefsache
In Tschechien ist auf höchster Ebene ein Streit um fehlendes Toilettenpapier in den Zügen insbesondere des Fernverkehrs entbrannt. Parlamentspräsident Tomio Okamura machte das Problem zur Chefsache – nach vielen Briefen von Bürgern, wie er sagte. Es sei eine «völlige Schande», dass auf Zugtoiletten bei der tschechischen Staatsbahn Toilettenpapier fehle, kritisierte der 54-Jährige im öffentlich-rechtlichen Fernsehen CT. Er habe Verkehrsminister Ivan Bednarik um Nachbesserung gebeten.

Parlamentspräsident droht mit Konsequenzen
Okamura drohte an, dass der derzeitige Zustand für den Bahnchef Michal Krapinec Konsequenzen haben werde. Der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses ist Gründer der ultrarechten Partei Freiheit und direkte Demokratie – auf Tschechisch SPD abgekürzt. Seine Sorgen um das Wohl der Fahrgäste stiessen indes auch auf Kritik. Manche meinten, es gebe wichtigere Probleme zu lösen. «Ohne diese Information wären wir nicht ausgekommen», merkte etwa die oppositionelle Demokratische Bürgerpartei (ODS) ironisch an.

Drei Millionen Klopapierrollen pro Jahr
Ein Sprecher der tschechischen Staatsbahn Ceske drahy (CD) verneinte, dass es eine gestiegene Zahl an Fahrgastbeschwerden zu diesem Aspekt gebe. Jährlich verbrauche der Konzern rund drei Millionen Toilettenpapier-Rollen. Es gebe kein systematisches Problem. Man könne aber nicht ausschliessen, dass die Hygieneartikel trotz regelmässiger Kontrollen in den Zügen vereinzelt aufgebraucht seien. Man entschuldige sich bei den Fahrgästen für die entstandenen Unannehmlichkeiten.
Tschechien verfügt über eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa. Es hat eine Streckenlänge von insgesamt rund 9344 Kilometern und mehr als 2500 Bahnhöfen und Haltepunkte, die vom Infrastrukturunternehmen Sprava Zeleznic (SZ) betrieben werden. Neben der Staatsbahn Ceske drahy fahren inzwischen auch immer mehr private Anbieter durch den EU-Mitgliedstaat, darunter Firmen wie Arriva, Regiojet und Leo Express. (dpa)
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