Israels Armee nimmt wichtige Festung im Libanon ein – Experte spricht von «Wendepunkt»
Israel rückt immer weiter in den Libanon vor. Während die libanesische Hisbollah Israel wieder beschoss, nahm die israelische Armee im Südlibanon die strategisch wichtige Kreuzritterfestung Beaufort ein. Soldaten hissten dort die israelische Flagge.
Es ist das erste Mal seit 26 Jahren, dass israelische Soldaten die Festung erreichen. Israels Armee war im Jahr 2000 nach einer rund 20 Jahre langen Besatzungszeit aus dem Gebiet abgezogen. In dieser Zeit hatten israelische Truppen die Festung als Militärbasis genutzt. «Wir sind vereint, entschlossen und stärker denn je zurückgekehrt», sagte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu in einer Videobotschaft.
Mit der Ausweitung der israelischen Bodenoffensive wächst im Libanon die Sorge vor einer erneuten dauerhaften Besetzung des Südens.
Nach Ansicht eines Experten sichert sich Israel mit seinem militärischen Vorrücken tief in den Libanon eine bessere Verhandlungsposition bei geplanten Gesprächen in Washington. «Wir befinden uns an einem Wendepunkt», sagte der in Beirut ansässige Fachmann für Geopolitik, Joe Macaron, am Sonntag.
Frankreichs Regierung forderte eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats. «Nichts kann die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon und eine immer tiefere Besetzung libanesischen Territoriums rechtfertigen», sagte Aussenminister Jean-Noël Barrot dem Sender BFMTV.
Die Soldaten sollen bleiben
Das israelische Militär warf der libanesischen Hisbollah-Miliz vor, in der Gegend Einrichtungen zu haben und von dort aus auch Angriffe ausgeführt zu haben. Israel geht in dem Gebiet nach eigenen Angaben etwa gegen Raketenabschussrampen der vom Iran unterstützten Schiitenorganisation vor. Ein Armeesprecher bezeichnete die Festung als «Symbol der Arroganz» der Hisbollah.
Netanyahu sprach von einer «dramatischen Wende» in Israels Vorgehen. «Wir haben die Barriere der Angst durchbrochen», erklärte er. Israel habe «Sicherheitszonen» jenseits seiner Grenzen eingerichtet, um die Bevölkerung zu schützen. Er kündigte zudem die Kontrolle über weitere Gebiete an, die zuvor unter der dem Einfluss der Hisbollah gestanden hätten.
Verteidigungsminister Israel Katz schrieb auf der Plattform X: «Dies ist eine klare Botschaft an unsere Feinde: Wer die Bürger Israels bedroht, wird seine strategischen Positionen eine nach der anderen verlieren.» Laut israelischen Medien kündigte Katz an, dass Israels Soldaten dort bleiben würden. Die Festung sei Teil der sogenannten Sicherheitszone Israels im Libanon, die die libanesische Führung wiederum als Besetzung libanesischen Bodens bezeichnet.
Die Kreuzritterfestung Beaufort wurde im 12. Jahrhundert errichtet und liegt knapp nördlich des Flusses Litani, hinter den sich die Hisbollah laut einer Vereinbarung zurückziehen sollte. Von dem in 700 Meter Höhe gelegenen Bau in der Nähe eines nordöstlichen Ausläufers der israelischen Grenze hat man einen guten Überblick über die Umgebung. Der Bergrücken würde über Jahrhunderte genutzt, um die Gegend militärisch zu kontrollieren.
Ein israelischer Militärsprecher forderte am Sonntag einen Grossteil der Einwohner im Südlibanon dazu auf, sich in das Gebiet nördlich des Sahrani-Flusses - etwa 40 Kilometer nördlich der israelischen Grenze - zu begeben. Eine solch umfassende Fluchtaufforderung hatte es zuletzt kurz vor Beginn der Mitte April verkündeten Waffenruhe gegeben. Israels Armee begründete den Fluchtaufruf mit den Angriffen der Hisbollah auf Israel. Am Vormittag meldete Israels Armee schliesslich neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah im Südlibanon, darunter in der Küstenstadt Tyrus.
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