Israel und Iran feuern Raketen aufeinander: 5 Fragen und Antworten zur Eskalation in Nahost
Was ist am Montag passiert?
Der amerikanische Präsident verkündete am Montag, dass Israel und der Iran einen «sofortigen Waffenstillstand» anstrebten – und die am Wochenende wiederaufgeflammten Kämpfe einstellen wollten. Der israelische Ministerpräsident sagte anschliessend, auf Wunsch von Donald Trump, eine bereits geplante neue Angriffswelle gegen den Iran ab.
Zuvor hatten um sechs Uhr am Montagmorgen die Sirenen in Tel Aviv geheult. Raketenalarm in Zentral- und Südisrael, sowie dem südlichen Westjordanland. Kurz darauf die Entwarnung: Eine von der iranisch unterstützten Huthi-Miliz im Jemen auf Israel abgefeuerte Rakete wurde nach israelischen Medienberichten abgefangen. Verletzt wurde niemand.
Auch um Jerusalem tönten wenig später die Sirenen, mehrere aus dem Iran abgefeuerte Raketen wurden ebenfalls abgefangen. Am späten Sonntagabend hatte Iran bereits mehrere ballistische Raketen auf Nordisrael abgefeuert, der erste solche Angriff seit zwei Monaten.
Warum sind die Kämpfe in Nahost wiederaufgeflammt?
Am Sonntagnachmittag hatte das israelische Militär in Dahiyeh angegriffen, also in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut. Laut der libanesischen Nachrichtenagentur National News Agency wurden dabei zwei Menschen getötet, mehrere verletzt. Dem israelischen Medium «Haaretz» zu Folge galt der Angriff Wohnungen und Kommandozentralen der Hisbollah.

Der letzte Angriff Israels in Dahiyeh ereignete sich Ende Mai. Auf Bitten der USA, die derzeit mit Iran um eine Verlängerung der Waffenruhe und ein Ende des Konflikts verhandeln, hatte Israel seitdem von Angriffen dort abgesehen – auch wenn der Beschuss Israels im Südlibanon unvermindert anhielt. Auch die Angriffe der Hisbollah in Nordisrael gingen weiter.
Nach dem jüngsten Angriff in Dahiyeh hatte Teheran Vergeltungsschläge angekündigt und Israel gewarnt, «den Himmel zu beobachten» für eine «entscheidende, schmerzhafte Antwort». In der Nacht auf Montag war es dann so weit.
Wie reagiert Trump?
Bereits nach der ersten Welle von Raketen gen Israel hatte Trump bekanntgeben, er wolle Premierminister Benjamin Netanyahu anweisen, nicht zurückzuschlagen. Das könne nämlich die anhaltenden Verhandlungen mit dem Iran gefährden, deren Abschluss «sehr nahe» sei. «Jeder von ihnen hatte seinen Spass. Israel hatte seinen Angriff und der Iran hatte seinen Angriff. Wir brauchen keinen weiteren», so der US-Präsident. An diese Anweisung aber hielt sich Netanyahu nicht.
Im Iran wurden Explosionen in Teheran, Isfahan und Tabriz gemeldet. Getroffen wurden wohl Raketenabschussstellen sowie eine petrochemische Fabrik. In Saudi-Arabien ertönte ebenfalls der Raketenalarm – kurz darauf Entwarnung, genauere Informationen gibt es bislang nicht.
Welche Folgen wird diese Runde der Eskalation für die Verhandlung haben?
Auf Telegram witzelt ein Nutzer: Israel habe den Iron Dome, Iran den Donald Dome. Die iranische Führung scheint sich bewusst zu sein, dass sich Druck seitens der USA derzeit kaum gegen sie selbst richtet – abseits der anhaltenden und teilweise funktionierenden Blockade von mit dem Iran verbundenen Schiffen in der Strasse von Hormus.Stattdessen richtete sich die jüngste Warnung des US-Präsidenten an Israel. Das hat einen gewissen Symbolcharakter, und wurde in Jerusalem und Washington mit grosser Besorgnis registriert. Aber: Laut dem saudi-arabischen Medium «Al-Hadath» hatte Israel wohl Washington bezüglich seiner Angriffspläne in Südbeirut informiert. Und: Normalerweise hält sich Netanyahu an die Weisungen aus Washington.

Der US-Präsident will, so die Meinung vieler Analysten, verzweifelt einen Deal. Einen Grund dafür zeigt die jüngste Eskalation: Die Preise für Rohöl stiegen sofort nach den Angriffen um über drei Prozent. An dem bereits geöffneten asiatischen Börsen, etwa in Japan und Korea, sanken die Aktienindizes. Die wirtschaftlichen Folgen des Ende Februar mit Angriffen von USA und Israel im Iran begonnenen Krieges sind weltweit spürbar.
Wie soll ein Deal zwischen den USA und dem Iran zu Stande kommen?
Das ist völlig unklar. Zwar ist die ökonomische Situation im Iran dramatisch – doch für die Hardliner, die derzeit am Ruder sind, ist das kein Grund für einen Deal mit den USA. Auch wenn dieser die Aufhebung oder Lockerung von Sanktionen beinhalten würde. Ein Nachgeben Irans bezüglich seines Raketen- und Atomprogramms, sowie bei den unterstützten Milizen etwa im Libanon und Jemen, ist nicht zu bemerken.
Irans Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf hatte vor etwa einer Woche auf X erklärt: «Wir erzwingen Zugeständnisse nicht durch Dialog, sondern mit Raketen», «wir handeln erst, wenn die Gegenseite gehandelt hat», und «der Gewinner eines jeden Abkommens ist derjenige, der am Tag danach besser für den Krieg gerüstet ist». Mohsen Rezaei, führender militärischer Berater im Iran, erklärte wiederum jüngst: «Die Verhandlungen sind in einer Sackgasse». Trumps Ankündigung vom Montag, derzeit seien die «endgültigen Verhandlungen» über einen Deal im Gange, scheint kaum realistisch.
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