«Du bist ein ehrloser Verräter»: Irans Hardliner laufen Sturm gegen den Trump-Deal
Als «Verräter» und «Kompromissler» haben Hunderte Iraner am Wochenende den iranischen Aussenminister Abbas Araghchi beschimpft. Die Demonstration fand in Schimiran, einem Nobelvorort im Norden Teherans, statt – und sie war bei weitem nicht die einzige: Bereits seit Wochen gehen in der Islamischen Republik Anhänger der «Pajdari»-Bewegung landesweit gegen ein Abkommen mit den USA auf die Strasse.
Die sogenannte «Stabilitätsfront» versteht sich als Hüterin der «wahren Werte» der islamischen Revolution.
Ihr Anführer ist Saeed Dschalili, ein ultrakonservativer Hardliner, der bei den iranischen Präsidentschaftswahlen 2024 mit 13 Millionen Stimmen den zweiten Platz belegte. Als die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in eine entscheidende Phase traten, verstärkte seine «Stabilitätsfront» ihre Bemühungen, einen möglichen Deal mit Washington zu torpedieren. Doch auch innerhalb des Parlaments wird ein Abkommen mit den USA höchst kontrovers diskutiert.
«Warum sollten wir uns gegenüber den USA überhaupt verpflichten, keine Atomwaffe zu bauen?», kritisierte der Abgeordnete Ebrahim Rezai. Sein Amtskollege Abolfazl Aboutorabi beschuldigte Donald Trump, «unser Land mit einem Lutscher täuschen zu wollen». Gemeint war ein vorgeschlagener Wiederaufbaufonds über 300 Milliarden Dollar ohne verbindliche Garantien.
Auch mögliche «Servicegebühren» für die Passage durch die Strasse von Hormus werden verworfen. Angesichts der umfangreichen Schäden, die dem Iran zugefügt worden seien, seien «solche Zahlungen geradezu lächerlich», erboste sich Hossein Schariatmadari, Chefredaktor der erzkonservativen Tageszeitung «Kayhan».
Im Iran beginnt der Trauermonat
Selbst wenn in den kommenden Stunden oder Tagen das «Memorandum of Understanding» (MOU) zur Beendigung des Krieges unterzeichnet werden sollte, dürfte der Widerstand der iranischen Hardliner nicht nachlassen. Der am Montag beginnende islamische Trauermonat Muharram bietet geradezu ideale Voraussetzungen, um die Opposition gegen «einen Kompromiss mit dem grossen Satan» – wie die USA im Iran seit der Revolution von 1979 genannt werden – weiter zu verstärken.
Im Mittelpunkt der vierzigtägigen Trauerperiode steht der Tod des Prophetenenkels Hussein in der Schlacht von Kerbala (680 n. Chr.). Da seine Geschichte vom aufopferungsvollen Widerstand gegen Tyrannei handelt, wird sie sowohl von der iranischen Staatsführung als auch von der Opposition für ihre Zwecke instrumentalisiert. Das Regime nutzt die tiefen religiösen Emotionen der schiitischen Bevölkerung gezielt, um die eigene Macht zu festigen und ideologische Botschaften zu verbreiten.
Allerdings lässt sich das tief in der iranischen DNA verankerte «Kerbala-Narrativ» auch gegen die amtierenden Machthaber wenden. Das gilt sowohl für die vom Regime brutal verfolgten Gegner der Islamischen Republik als auch für jene Hardliner innerhalb des Systems, die nun gegen ein Abkommen mit den USA auf die Barrikaden gehen. Sicher ist: Der Iran steht in den kommenden Wochen und Monaten vor einer schweren Zerreissprobe.
Die Klauseln eines möglichen Abkommens mit den USA, analysiert der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze auf X, würden die hochgesteckten Erwartungen der Hardliner keinesfalls erfüllen. Doch auch die Reformer um Aussenminister Araghchi, die sich von einem Vertrag mit den USA einen wirtschaftlichen Aufschwung erhoffen, dürften am Ende enttäuscht werden. Die dafür notwendige Freigabe iranischer Vermögenswerte in den USA und anderen Staaten werde für eine spürbare Erholung der Wirtschaft kaum ausreichen, sagen Experten voraus.
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