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US-Generalstabschef widerspricht Trump: Kein leichter Sieg im Iran möglich

US-Generalstabschef Dan Caine hat laut Medienberichten Donald Trump vor den Risiken eines Militäreinsatzes im Iran gewarnt. Dem US-Präsidenten passt das offensichtlich gar nicht.
von Bojan Stula
Voller Widersprüche: Generalstabschef Dan Caine und Präsident Donald Trump während einer Medienkonferenz im Januar in Mar-a-Lago. (Bild: Alex Brandon/AP)

Die Spannungen zwischen Washington und Teheran nehmen erneut zu – und mit ihnen die Frage, wie ernst es Donald Trump mit einem möglichen Militärschlag gegen den Iran ist. Während der US-Präsident öffentlich Entschlossenheit demonstriert und von einem «leicht zu gewinnenden» Krieg spricht, zeichnen Medienberichte aus Washington ein deutlich differenzierteres Bild der internen Beratungen.

Auslöser der jüngsten Debatte sind Berichte mehrerer US-Medien, wonach Generalstabschef Dan Caine den Präsidenten in internen Sitzungen vor erheblichen Risiken eines Militäreinsatzes gewarnt habe. Laut der «Washington Post» sieht Caine unter anderem Engpässe bei wichtigen Waffensystemen sowie eine «erhebliche Gefahr» für beteiligte US-Soldaten.

Die amerikanischen Waffenbestände seien durch die massive Unterstützung Israels im Gaza-Krieg und der Ukraine bereits geschrumpft. Auch das «Wall Street Journal» berichtete über Warnungen aus dem Verteidigungsministerium vor möglichen Verlusten und einer generellen Überlastung der US-Streitkräfte.

Die «New York Times» bestätigt diese Darstellung und präzisiert, Caine habe intern betont, dass selbst ein begrenzter Schlag mit einem «potenziell hohen Risiko amerikanischer Opfer» verbunden wäre und die Waffenarsenale weiter belasten würde. Zudem seien Operationen gegen Iran «weitaus schwieriger» als frühere Einsätze, etwa die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Trump: «Ich bin derjenige, der die Entscheidung trifft»

Trump reagierte auf die Berichte scharf. Auf seiner Plattform Truth Social sprach er von «Fake News»-Medien, die behaupteten, Caine sei gegen einen Krieg mit Iran. Das sei «zu 100 Prozent falsch». Vielmehr sei es «seine Meinung, dass es etwas sein wird, das leicht zu gewinnen ist», falls eine militärische Entscheidung falle, schrieb Trump. Caine «will wie wir alle keinen Krieg», wisse aber «nur eines: wie man gewinnt».

Gleichzeitig liess der US-Präsident in seinem Post keinen Zweifel über die Kommandokette: «Ich bin derjenige, der die Entscheidung trifft», schrieb Trump weiter. Er bevorzuge zwar einen Deal, doch falls keiner zustande komme, «wird es ein sehr schlechter Tag für dieses Land».

Die Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und internen Einschätzungen ist offensichtlich. Nach Informationen der «New York Times» präsentierte Caine dem Präsidenten in Sitzungen – unter anderem im Situation Room des Weissen Hauses – verschiedene militärische Optionen und deren Risiken, ohne sich politisch festzulegen. Genau darin liegt die heikle Balance für den obersten Militärberater: Optionen aufzeigen, ohne selbst Politik zu machen.

Inhaltlich reichen die diskutierten Szenarien laut «Wall Street Journal» und «New York Times» von begrenzten Luftschlägen gegen Atomanlagen, Stützpunkte der Revolutionsgarden und Einrichtungen des Raketenprogramms bis hin zu einer deutlich grösseren Operation, die langfristig sogar auf einen Sturz der Führung in Teheran abzielen könnte. Die «New York Times» berichtete, Trump habe Beratern gesagt, sollte Diplomatie oder ein erster gezielter Schlag das Mullah-Regime nicht zum Einlenken bewegen, ziehe er in den kommenden Monaten auch einen weitreichenderen Angriff in Betracht.

Gleichzeitig laufen die diplomatischen Bemühungen weiter. Für Donnerstag ist in Genf eine weitere Gesprächsrunde zwischen Vertretern der USA und Irans geplant. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi zeigte sich gegenüber CBS News zuversichtlich, man könne «einen tragfähigen Text ausarbeiten und rasch zu einer Einigung kommen». Auch innerhalb der US-Regierung gibt es laut dem US-Portal Axios Stimmen – darunter Sondergesandter Steve Witkoff und Jared Kushner –, die Trump drängen, der Diplomatie Vorrang zu geben.

So bleibt die Lage widersprüchlich: Hinter verschlossenen Türen warnen Militärs vor Risiken, öffentlich spricht der Präsident von einem raschen Sieg. Ob es bei martialischer Rhetorik bleibt oder ob Washington tatsächlich zur Eskalation greift, dürfte sich schon in den nächsten Tagen entscheiden – möglicherweise in einem Verhandlungsraum in Genf.

Artikel: http://www.vaterland.li/international/iran-us-generalstabschef-widerspricht-trump-art-710712

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