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Israelischer Historiker: «Wahlsieg der AfD hat mir eine schlaflose Nacht bereitet»

Moshe Zimmermann warnt vor dem Aufstieg der Partei und bezweifelt deren angebliche Israel-Freundschaft.
Wahlparty der AfD Sachsen-Anhalt in Magdeburg. (Bild: Matthias Schrader)

Wie blicken Sie auf den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt?

Moshe Zimmermann: Wenn Rechtspopulisten und Rassisten so viel Unterstützung erhalten, muss das beunruhigen. Der Wahlerfolg der AfD hat mir eine schlaflose Nacht bereitet. Als Historiker erinnert mich das an die Landtagswahl in Lippe vom 15. Januar 1933, bei der die Nationalsozialisten fast 40 Prozent erreichten. Das hatte eine enorme Signalwirkung; 15 Tage später wurde Hitler Reichskanzler. Ich behaupte nicht, dass sich die Geschichte wiederholt. Aber die Richtung ist klar: Rechtsextreme Kräfte gewinnen in Deutschland und in ganz Europa an Zustimmung. Der Kontinent wird nationalistischer, extremistischer und rassistischer.

Die AfD gibt sich ausgesprochen israelfreundlich. Gleichzeitig stellen führende Vertreter die deutsche Erinnerungskultur infrage. Wie passt das zusammen?

Die AfD unterstützt Israel im Bundestag bei fast jeder Gelegenheit. Doch schon nach wenigen Sekunden wird deutlich, weshalb: Es geht nicht um Sympathie für Juden oder um eine besondere Verbundenheit mit dem jüdischen Staat. Israel dient der AfD als Partner in einer gemeinsamen Front gegen den Islam, gegen Muslime und gegen vermeintlich Fremde. Weil sich auch die heutige israelische Regierung eindeutig rechts positioniert und gegen Araber und Muslime mobilisiert, fällt der AfD die Identifikation mit ihr leicht. Die Israel-Freundschaft der AfD ist vor allem Ausdruck einer antimuslimischen und fremdenfeindlichen Politik.

Wie sollte Israel mit der AfD umgehen?

Die Brandmauer muss bestehen bleiben. Doch sie ist bereits brüchig: Vertreter des Likud und der Siedlerbewegung unterhalten Kontakte zur AfD, Beatrix von Storch reist immer wieder nach Israel. Traditionell hielt vor allem das israelische Aussenministerium Distanz zur AfD, doch auch dort wie auch im Diaspora-Ministerium wächst die Toleranz gegenüber rechtsradikalen Kräften, auch weltweit.   Ich befürchte, dass die Brandmauer nun vollständig eingerissen wird. Das wäre ein Verrat am Selbstverständnis Israels als jüdischer und demokratischer Staat.

 
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