­
­
­
­

Milei stellt London ein Ultimatum: Falkland-Streit flammt neu auf

Ein milliardenschweres Ölprojekt sorgt für neue Spannungen zwischen Argentinien und Grossbritannien. Buenos Aires setzt dabei auf juristische und diplomatische Mittel.
Für die Falklandinseln ist das Projekt wirtschaftlich bedeutsam, da Öleinnahmen die bisher stark von der Fischerei geprägte Wirtschaft diversifizieren könnten. (Bild: EPA)
Javier Milei droht Grossbritannien im Falkland-Streit mit dem Internationalen Seegerichtshof. (Bild: Getty)
Auch an der Fussball-WM flammte der Streit beim Spiel zwischen England und Argentinien wieder auf. (Bild: AP)
Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting betont, Grossbritannien sei in der Lage, die Falklandinseln zu verteidigen. (Bild: EPA)

Die argentinische Regierung hat Grossbritannien eine Frist von zwei Wochen gesetzt, um die aktuellen Ölförderungspläne nahe der Falklandinseln einzustellen. Andernfalls werde das südamerikanische Land den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg anrufen, erklärte Argentiniens Staatspräsident Javier Milei in einer auf der Plattform X veröffentlichten Mitteilung.

Javier Milei droht Grossbritannien im Falkland-Streit mit dem Internationalen Seegerichtshof. (Bild: Getty)

Argentinien hat nach Angaben der Regierung bereits Schritte zur Einleitung eines Schiedsverfahrens gegen Grossbritannien nach dem UN-Seerechtsübereinkommen unternommen. Sollte London der Forderung innerhalb der gesetzten Frist nicht nachkommen, will Buenos Aires beim Internationalen Seegerichtshof vorläufige Massnahmen beantragen, um die Arbeiten an dem Ölprojekt auszusetzen.

Anlass für Mileis Vorgehen ist das Projekt «Sea Lion», das eine Offshore-Erdölförderung rund 220 Kilometer nördlich der Inselgruppe zum Ziel hat. Entwickelt wird das Ölfeld von der israelischen Navitas Petroleum und der britischen Rockhopper Exploration. Die Förderung soll nach derzeitiger Planung Anfang 2028 beginnen.

Milei sieht in einer einseitigen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Falklandinseln unter britischer Lizenzvergabe einen Verstoss gegen UN-Resolutionen und das Völkerrecht. Argentinien werde nicht tatenlos zusehen, sondern seine Hoheitsrechte entschlossen verteidigen, so Milei. Die Regierung in Buenos Aires argumentiert, die geplante Förderung drohe Argentiniens beanspruchte Souveränitätsrechte irreparabel zu beeinträchtigen.

Auch an der Fussball-WM flammte der Streit beim Spiel zwischen England und Argentinien wieder auf. (Bild: AP)

Argentinien geht zudem gegen Unternehmen und Personen vor, die an der Erschliessung der Rohstoffvorkommen rund um die Inseln beteiligt sind. Bereits Anfang September leitete die Regierung entsprechende Verfahren gegen Dutzende Unternehmen und Personen ein.

Des Weiteren kündigte Argentinien rechtliche Schritte gegen das Unternehmen Thales UK Limited an, das laut der Regierung in Buenos Aires zwischen dem südchilenischen Punta Arenas und den Falklandinseln «illegale Flüge» durchführe. Diese erfolgten durch ein Flugzeug mit britischer Registrierung und ohne Genehmigung der argentinischen Behörden.

London gibt sich kämpferisch

Die Erklärung Mileis erfolgte vor dem Hintergrund jüngster Äusserungen des britischen Verteidigungsministers Wes Streeting. «Wir sind nicht mehr im Jahr 1982. Die Argentinier sind nicht in der Lage, die Falklandinseln einzunehmen. Wir hingegen sind in der Lage, sie zu verteidigen», sagte der Minister in einem Interview der britischen Tageszeitung «The Sun».

Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting betont, Grossbritannien sei in der Lage, die Falklandinseln zu verteidigen. (Bild: EPA)

Grossbritannien weist den argentinischen Souveränitätsanspruch zurück und beruft sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Inselbewohner. Bei einem Referendum im Jahr 2013 sprach sich eine überwältigende Mehrheit dafür aus, dass die Falklandinseln ihren Status als britisches Überseegebiet behalten.

Die Inseln, die in Argentinien Malvinas genannt werden, stehen seit 1833 unter britischer Kontrolle. Argentinien begründet seinen Anspruch unter anderem mit der Rechtsnachfolge des früheren spanischen Kolonialreiches.

1982 kam es zu einer militärischen Auseinandersetzung mit Hunderten Toten um die kleine Inselgruppe im Südatlantik. Argentinische Truppen besetzten die Inseln, wurden jedoch nach rund zehn Wochen von britischen Streitkräften zurückgedrängt. (dpa)

 
Lädt

Schlagwort zu Meine Themen

Zum Hinzufügen bitte einloggen:

Anmelden

Schlagwort zu Meine Themen

Hinzufügen

Sie haben bereits 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

Entfernen

Um «Meine Themen» nutzen zu können, stimmen Sie der Datenspeicherung hierfür zu.

Kommentare
Keine Kommentare

    Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben

Kommentare hinzufügen

Ähnliche Artikel

Brasilien stuft diplomatische Beziehungen zu Argentinien herab

Der Streit zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften Südamerikas eskaliert. Nun hat Brasilien die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland herabgestuft. Vorausgegangen waren neue Beleidigungen.
05.08.2026
Abo

Wie es zum Debakel der Luftabwehr kam – und welche Verantwortung Guy Parmelin trägt

Der Bundespräsident brach 2016 als Verteidigungsminister die bodengestützte Luftverteidigung mit Hilfe der SVP ab. Zehn Jahre später hat die Schweiz noch immer keine moderne Luftabwehr.
29.07.2026

«Der Tiger» tritt an: Kolumbiens neuer Präsident de la Espriella übernimmt Amt

Nach vier Jahren unter einem linken Präsidenten rückt Kolumbien wieder nach rechts. Der neue Staatschef Abelardo de la Espriella will vor allem bei der Sicherheit einen harten Kurs einschlagen.
08.08.2026

Wettbewerb

2x2 Tickets für «Simon & Jan - Heisse Luft» zu gewinnen
Simon & Jan - Heisse Luft

Umfrage der Woche

Hitzeschutz: Welche Massnahme sollte in Liechtenstein höchste Priorität haben?
­
­