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«Hurrikan mit Schnee»: Wintersturm setzt Nordosten der USA zu

Es fällt so viel Schnee wie vielerorts seit Jahrzehnten nicht, zeitweise kommt es sogar zu Gewittern, was bei einem Wintersturm sehr ungewöhnlich ist. Hunderttausende Haushalte sind ohne Strom, Städte rufen den Notstand aus.
Vor der Grand Central Station wird fleissig Schnee geräumt. (Bild: EPA)

Der heftigste Wintersturm seit zehn Jahren hat entlang der US-Ostküste riesige Mengen Schnee niedergehen lassen. In Providence im Bundestaat Rhode Island fiel bis Montagmittag so viel Schnee wie noch nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen (83,3 Zentimeter) und es schneite immer noch weiter, wie der nationale Wetterdienst in Boston mitteilte.

Mehr als 60 Zentimeter Schnee wurden auch aus unterschiedlichen Orten in New York und New Jersey gemeldet. Wetterexperten stuften den Blizzard als sogenannten «Bombenzyklon» ein. Es sei wie ein «Hurrikan mit Schnee», sagte der Meteorologe Ryan Maue.

Ein Sturm wird zu einem «Bombenzyklon», wenn der Luftdruck im Sturmsystem binnen 24 Stunden rasant abfällt. Begleitet wurde der oft nasse und schwere Schnee von Wintergewittern mit Blitzen, was ein eher ungewöhnliches Phänomen für einen Wintersturm ist. In einigen Gegenden liess der Schneefall am Nachmittag wieder nach, weil der Sturm nach Norden weiterzog. Der nationale Wetterdienst warnte aber, dass ein neuer Sturm in einigen Tagen noch mehr Schnee bringen könnte.

Tausende Flüge gestrichen

Millionen Menschen sassen aufgrund von Fahrverboten und Blizzardwarnungen zu Hause fest. Der öffentliche Nahverkehr wurde in einigen Gegenden vollständig eingestellt. Mehr als 5.600 Flüge von und in die USA wurden am Montag gestrichen, wie die Flugverfolgungswebsite FlightAware meldete. Der Nationale Wetterdienst bezeichnete Reisen am Montag als «nahezu unmöglich».

In New York City spazierten viele über die Strassen, die normalerweise durch den Morgenverkehr blockiert waren. «Wir haben heute Morgen mitten auf der Strasse in der Rushhour auf dem Times Square getanzt», sagte Touristin Adele Bawden, die gemeinsam mit Karen Smith aus Grossbritannien angereist war. «Wir haben einfach getanzt und konnten kaum glauben, dass wir das tun konnten.»

Blizzard-Warnungen erstreckten sich von Maryland bis Maine. Der Wetterdienst warnte vor sogenannten Whiteouts durch die starken Böen. Bei diesem Wetterphänomen verschwindet durch Schneefall oder Nebel der Horizont, was zu Desorientierung führen kann.

Der Sturm verursachte Stromausfälle, die am Montagmittag an der Ostküste der USA mehr als 500'000 Haushalte betrafen, wie das Portal PowerOutage.us mitteilte. In New York, Philadelphia und anderen Städten sowie in mehreren Bundesstaaten von Delaware bis Massachusetts wurde vorsorglich der Notstand ausgerufen.

«Macht es euch gemütlich»

New York und Boston sagten den Schulunterricht für Montag ab, während Philadelphia auf Online-Unterricht umschaltete. Der New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani erklärte, die Kinder der Metropole hätten jetzt eine wichtige Aufgabe: «Macht es euch gemütlich.»

Sehenswürdigkeiten und Kultureinrichtungen blieben am Montag geschlossen, vom Museum of Modern Art in New York bis zum Nationalfriedhof Arlington in der Hauptstadt Washington. Broadway-Shows fielen schon am Sonntagabend aus.

Unterdessen versuchten Helfer, obdachlose New Yorker von der Strasse zu holen und sie in Notunterkünfte und Wärmestuben zu bringen. Zusätzlich zu ihren Räumdiensten rekrutierten die New Yorker Behörden Freiwillige zum Schneeschaufeln. Einige begannen bereits am Sonntagabend mit der Arbeit, wie Mamdani erklärte.

Räumarbeiten rund um die Uhr

Der Unternehmer John Berlingieri verwarf seine Pläne für einen Familienurlaub in Puerto Rico. Stattdessen bereitete er seine Firma, den Räumdienst Berrington Snow Management, auf eine möglicherweise gewaltige Aufgabe vor: die Schneeräumung von unzähligen Quadratmetern Asphalt rund um Einkaufszentren und Gewerbegebiete auf Long Island.

Die Mitarbeiter luden bereits in den vergangenen Tagen die Akkus der 40 Radlader des Unternehmens auf und tauschten die Scheibenwischer an den Schneeräumfahrzeugen aus. «Ich rechne mit mindestens einer Woche Arbeit rund um die Uhr», sagte Berlingieri. «Wir werden 24 bis 36 Stunden am Stück arbeiten, ein paar Stunden schlafen und dann wieder von vorne anfangen.» (dpa)

Artikel: http://www.vaterland.li/international/blizzard-new-york-und-teile-der-usa-versinken-im-schneechaos-art-710450

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