Neuer Banksy, mitten in London – funktioniert seine Kunst nach der Enttarnung noch?
Banksy macht weiter. Mitten im Herzen der britischen Hauptstadt ist erneut überraschend ein Werk des anonymen Street-Art-Künstlers Banksy aufgetaucht – und diesmal lässt es kaum Zweifel an seiner Urheberschaft. Eine überlebensgrosse Statue, deutlich mit seinem Namen gekennzeichnet, wurde in der Nähe des Waterloo Place installiert.
Am Donnerstag veröffentlichte der Künstler ein Video, das die nächtliche Aufstellung dokumentiert. Es ist das erste Werk Banksys seit der mutmasslichen Enthüllung seiner wahren Identität.
Die Skulptur zeigt einen Mann, der scheinbar blindlings von einem Sockel in die Tiefe schreitet. In den Händen hält er eine grosse Fahne, die ihm ins Gesicht weht und ihm die Sicht nimmt. Die Szene wirkt bewusst dramatisch inszeniert – eine Metapher, die viele Beobachter als Kritik an blindem Nationalismus interpretieren. Die Figur scheint wortwörtlich «geblendet» zu sein und bewegt sich unbeirrt auf den Abgrund zu.
Passanten versammelten sich bereits am Morgen rund um die Installation, fotografierten das Werk und diskutierten über seine mögliche Bedeutung. Wie so oft bei Banksy entfaltet sich die Wirkung aber nicht nur vor Ort, sondern vor allem auch digital.
Auf Instagram trendete das Werk schon innert weniger Stunden. Hundertausende Menschen haben auf den Beitrag mit «Gefällt mir» reagiert. Damit dürfte die mediale Wirksamkeit auch für den britischen Kunststar zufriedenstellend sein. Auch wenn das Phantomhafte an ihm nicht mehr wie zuvor ziehen dürfte, begeistert er seine Fans und rund 14 Millionen Follower noch immer mit überraschenden Installationen.
Gemischte Reaktionen auf die Skulptur
Unter dem vom Künstler selbst veröffentlichten Beitrag sammeln sich auch tausende Kommentare. «Geblendet vom Nationalismus läuft er in den Abgrund», schreibt ein Nutzer. Andere nennen das Werk schlicht «brillant». Im Video selbst kommt auch ein zufällig befragter Mann zu Wort – ihm gefällt die Statue allerdings überhaupt nicht.
Die künstlerische Aussage sorgt für Diskussionen und Interpretationen, die Fans sind aber begeistert. Auch jetzt, wo Banksys Identität offenbar gelüftet ist. Seit Jahren verdichten sich Hinweise darauf, dass hinter dem Pseudonym der aus Bristol stammende Künstler Robin Gunningham steckt.
Ungeachtet dessen zeigt sich: Die Mischung aus Geheimnis, politischer Botschaft und überraschender Inszenierung funktioniert. Und der Name Gunningham findet sich unter den meistbeachteten Kommentaren nicht. Hingegen schreibt ein Nutzer: «Die Legende ist zurück».
Banksy gelingt es also auch jetzt noch, gleichzeitig den öffentlichen Raum und die sozialen Medien zu dominieren – und unter seinen weltweiten Fans eine Debatte anzustossen. (pd/pam)
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