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Alphaville werden aus Musikfestival geschmissen – die Toten Hosen schlagen zurück

Alphaville sollten beim «Glücksgefühle»-Festival für Stimmung sorgen, stattdessen sorgt ihr Rauswurf für einen Shitstorm. Die Toten Hosen reagieren. Aber: Wie politisch darf Musik sein?
Alphaville-Sänger Marian Gold hat sich in der Vergangenheit gegen US-Präsident Donald Trump und die AfD geäussert und will nicht, dass die Partei die Songs der Band nutzen darf. (Bild: Jens Kalaene)
Das Statement der Band. (Bild: Instagram)
Danger Dan im August am zweiten Festival «Jamel rockt den Förster», das 2007 zum ersten Mal stattfand, um auf die starke Neonazi-Szene aufmerksam zu machen. (Bild: Bernd Wüstneck)

Die deutsche Musikwelt tobt. Mit Hits wie «Forever Young» oder «Big in Japan» wurden Alphaville internationale Chartsstürmer – doch beim «Glücksgefühle»-Festival dürfen sie nicht auf der Bühne stehen.

«Liebe Freunde, wir haben uns sehr auf unseren Auftritt gefreut. Heute hat uns der Veranstalter das Konzert jedoch abgesagt. Und dies mit einer Begründung, die uns einigermassen fassungslos gemacht hat», schreibt Sänger Marian Gold auf Instagram. Was war passiert?

Keine Bühne für Politik

Die Band hatte zuvor bei einem anderen Festival klargemacht, was sie von der AfD und rechtsradikalen Tendenzen in der Gesellschaft hält. Das wollte der «Glücksgefühle»-Veranstalter auf seiner Bühne nicht. Darauf wollten sich Alphaville nicht einlassen und wurden prompt ausgeladen.

Online kritisiert die Band das als «Maulkorberlass». Gold schreibt: «Das eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der grössten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.»

Das Statement der Band. (Bild: Instagram)

Gegenüber «Bild» wehrte sich der Veranstalter, es gehe «ausdrücklich nicht um die politische Haltung» der Band: «Das Glücksgefühle-Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äusserung geht. Unsere Bühne soll der Musik gehören, nicht politischen Auseinandersetzungen.»

Fans und Stars: «Jetzt erst recht»

Auf Social Media tobt nun ein Shitstorm. Fans stellen sich hinter Alphaville, manche fordern von anderen Bands, ihren Auftritt aus Solidarität abzusagen oder sich jetzt erst recht politisch zu äussern.

Culcha Candela haben bereits reagiert. «Wir sagen bei jedem Konzert, was wir von der AfD halten. Dieses Mal werden wir es noch lauter tun», verspricht Sänger Mateo auf Instagram.

Der grösste Rückhalt kommt von den Toten Hosen. Kaum veröffentlichten Alphaville am Mittwoch, was passiert war, reagierten Campino und Co. noch am selben Abend.

Bei ihrem Konzert in Münster – der Gründungsstadt von Alphaville – sagte er: «Wir finden es extrem fragwürdig und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD oder Trump äussert, jemand, der stabil ist für die Demokratie. Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.»

«Wir sind Leute, die sich freuen, Menschen mitzubringen, die sich politisch äussern und stabil sind», meinte er – und holte überraschend Marian Gold auf die Bühne. «Sie sind so viel Millionen Mal grösser als dieses beschissene Piss-Festival», sagte Campino, und unter dem Jubel von 25 000 Fans sangen er und Gold zusammen «Forever Young».

Darf Musik noch Meinung haben?

Was der Eklat nun für das «Glücksgefühle»-Festival heisst, bleibt abzuwarten. Die Veranstalter stehen unter Druck – zu ihnen gehört auch Fussball-Weltmeister Lukas Podolski. Doch bisher hat er sich nicht geäussert.

Der Fall erinnert an jenen vom vergangenen Juli. Damals wurde Sänger Danger Dan aus der ZDF-Satiresendung «Die Anstalt» ausgeladen. Dort sollte er eigentlich mit seinem Song «Keine Angst» auftreten, in dem es um den Kampf gegen Nazis und Faschismus geht.

Danger Dan im August am zweiten Festival «Jamel rockt den Förster», das 2007 zum ersten Mal stattfand, um auf die starke Neonazi-Szene aufmerksam zu machen. (Bild: Bernd Wüstneck)

Doch das ZDF interpretierte das «unzweifelhaft» als «Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand, der in ‹freundliche Grüsse› an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet».

Das Team von «Die Anstalt» hat die Absage als mutlos kritisiert und sich davon distanziert. Die Frage bleibt, ob sich Musiker zu Politik äussern sollen oder ihre Werke nicht mehr politisch sein dürfen.

 
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