Alphaville werden aus Musikfestival geschmissen – die Toten Hosen schlagen zurück
Die deutsche Musikwelt tobt. Mit Hits wie «Forever Young» oder «Big in Japan» wurden Alphaville internationale Chartsstürmer – doch beim «Glücksgefühle»-Festival dürfen sie nicht auf der Bühne stehen.
«Liebe Freunde, wir haben uns sehr auf unseren Auftritt gefreut. Heute hat uns der Veranstalter das Konzert jedoch abgesagt. Und dies mit einer Begründung, die uns einigermassen fassungslos gemacht hat», schreibt Sänger Marian Gold auf Instagram. Was war passiert?
Keine Bühne für Politik
Die Band hatte zuvor bei einem anderen Festival klargemacht, was sie von der AfD und rechtsradikalen Tendenzen in der Gesellschaft hält. Das wollte der «Glücksgefühle»-Veranstalter auf seiner Bühne nicht. Darauf wollten sich Alphaville nicht einlassen und wurden prompt ausgeladen.
Online kritisiert die Band das als «Maulkorberlass». Gold schreibt: «Das eine derartige Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit nun auf einem der grössten Popfestivals Deutschlands angekommen zu sein scheint, empfinden wir als absolut untragbar und erschütternd.»

Gegenüber «Bild» wehrte sich der Veranstalter, es gehe «ausdrücklich nicht um die politische Haltung» der Band: «Das Glücksgefühle-Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äusserung geht. Unsere Bühne soll der Musik gehören, nicht politischen Auseinandersetzungen.»
Fans und Stars: «Jetzt erst recht»
Auf Social Media tobt nun ein Shitstorm. Fans stellen sich hinter Alphaville, manche fordern von anderen Bands, ihren Auftritt aus Solidarität abzusagen oder sich jetzt erst recht politisch zu äussern.
Culcha Candela haben bereits reagiert. «Wir sagen bei jedem Konzert, was wir von der AfD halten. Dieses Mal werden wir es noch lauter tun», verspricht Sänger Mateo auf Instagram.
Der grösste Rückhalt kommt von den Toten Hosen. Kaum veröffentlichten Alphaville am Mittwoch, was passiert war, reagierten Campino und Co. noch am selben Abend.
Bei ihrem Konzert in Münster – der Gründungsstadt von Alphaville – sagte er: «Wir finden es extrem fragwürdig und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD oder Trump äussert, jemand, der stabil ist für die Demokratie. Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.»
«Wir sind Leute, die sich freuen, Menschen mitzubringen, die sich politisch äussern und stabil sind», meinte er – und holte überraschend Marian Gold auf die Bühne. «Sie sind so viel Millionen Mal grösser als dieses beschissene Piss-Festival», sagte Campino, und unter dem Jubel von 25 000 Fans sangen er und Gold zusammen «Forever Young».
Darf Musik noch Meinung haben?
Was der Eklat nun für das «Glücksgefühle»-Festival heisst, bleibt abzuwarten. Die Veranstalter stehen unter Druck – zu ihnen gehört auch Fussball-Weltmeister Lukas Podolski. Doch bisher hat er sich nicht geäussert.
Der Fall erinnert an jenen vom vergangenen Juli. Damals wurde Sänger Danger Dan aus der ZDF-Satiresendung «Die Anstalt» ausgeladen. Dort sollte er eigentlich mit seinem Song «Keine Angst» auftreten, in dem es um den Kampf gegen Nazis und Faschismus geht.

Doch das ZDF interpretierte das «unzweifelhaft» als «Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand, der in ‹freundliche Grüsse› an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet».
Das Team von «Die Anstalt» hat die Absage als mutlos kritisiert und sich davon distanziert. Die Frage bleibt, ob sich Musiker zu Politik äussern sollen oder ihre Werke nicht mehr politisch sein dürfen.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben








Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.