• Blockhaus Quirin Schächle 140718
    Blockhaus Quirin Schächle Eschen  (Daniel Ospelt)

Kanadische Blockhaus-Romantik in Eschen

Holz ist sein Element, seine Leidenschaft. Dass er nie in einem kubischen Betonwürfel wohnen würde, war für den Eschner Schreiner Quirin Schächle immer klar. Dass er jedoch einmal ein Blockhaus nach kanadischem Vorbild errichten würde, hätte er noch vor einigen Jahren selbst nicht geglaubt. Denn er suchte nicht danach – das Haus fand ihn.
Eschen.  Mächtig steht es da, stolz und selbstbewusst. Es versprüht ein Flair von Abenteuer und Wildnis und für einen kurzen Moment fühlt man sich bei dessen Anblick in die unberührte Natur Kanadas versetzt – und das mitten in Eschen. Das Blockhaus in der Mangabündt, auf dem Rofenberg, hat einen eigenen Charakter, fast schon eine Persönlichkeit. Ein Eindruck, der sich beim Eintreten bestätigt. Wenn Hausherr Quirin Schächle sanft über die naturgewachsene Struktur der Weisstannenstämme streicht, könnte man meinen, sie flüstern ihm Geheimnisse zu. «Ich habe eine sehr innige Beziehung zu dem Haus», sagt der 32-Jährige. «Jeden einzelnen Stamm habe ich mindestens 17-mal in den Händen gehalten, kenne jede Kerbe, jeden Ast. Da verschmilzt man zu einer Einheit.»
Die riesigen runden Baumstämme, die sich perfekt in die Unebenheiten des jeweils darunter liegenden einschmiegen, versprühen den urchigen Charme eines gemütlichen Chalets – und doch ist die Raumaufteilung modern. Vom unteren Stock mit offenem Wohn-/Kochbereich und Speckstein-Kachelofen wandert der Blick über die Galerie nach oben, wo sich zwei Zimmer und ein Bad befinden. Und ganz oben, im First, sticht ein besonders eindrückliches Exemplar von einem Stamm ins Auge. «Das ist der grösste von allen, die verbaut wurden», sagt Quirin Schächle. «Er ist 17,3 Meter lang und war im Nasszustand 3,4 Tonnen schwer. Wir hatten sogar mit dem Kran Mühe, ihn zu bewegen.» Die Kombination von Traditionsbau mit modernen Elementen ist gelungen und der heimelige Duft des Holzes umhüllt den Besucher mit einem wohligen Gefühl. Hier will man bleiben, sich still in eine Ecke kuscheln und einfach nur den spannenden Geschichten der Bäume lauschen.

Zu sich selbst gefunden
Seit Quirin Schächle denken kann, ist er mit dem Naturprodukt Holz verbunden. Bereits als Kind verbrachte er viel Zeit mit seinen zwei Onkeln, die beide Schreiner waren und ihm die Besonderheiten der verschiedenen Holzarten näherbrachten. Aus Interesse wurde Faszination für dieses Naturprodukt, das sich auf so vielseitige Weise nutzen lässt. «Holz verströmt Wärme und Energie. Jedes Holz hat seine Eigenheiten, keines ist wie das andere. Und nur wenn man sich den Regeln des Holzes beugt, seine Individualität respektiert, kann man aus ihm wunderbare Sachen erschaffen», schwärmt Quirin Schächle. Und so war es für den Eschner klar, dass auch er den Berufsweg des Schreiners einschlagen würde. «Wenige Jahre nach der Lehre habe ich allerdings gemerkt, dass ich meine Kreativität nicht ausleben konnte», so der 32-Jährige. «Es reichte mir nicht mehr, einfach nur Schränke zusammenzubauen und auf Montage zu gehen. Ich wollte mehr.»
Die Unzufriedenheit liess ihn auf Reisen gehen – an die entlegendsten Orte der Welt. 2008 verbrachte er ein ganzes Jahr in Südamerika – was sich zu einer Art Selbstfindungstrip entwickelte. Er fuhr mit dem Motorrad auf den Spuren von Che Guevara und trampte abseits der Touristengebiete durch ländliches Gebiet. Er lernte die Sprache der Menschen kennen, tauchte ein in fremde Kulturen. «Als ich wieder heimkehrte, war ich ein anderer Mensch», fasst Quirin Schächle zusammen. «Ich musste erst weg aus Liechtenstein und Abstand zum Alltag gewinnen, um zu mir selbst zu finden und zu wissen, was ich wirklich wollte.» Und das war in beruflicher Hinsicht der Schritt in die Selbstständigkeit. Fortan wollte er den Schwerpunkt auf das Kunsthandwerk der Schreinerei legen.
Mit seinem Unternehmen brandmal erschafft er seither ganz individuelle Zertifikatsmöbel, wobei er vor allem Holz aus der Region verwendet. «Das ist eine ökologische und ethische Frage», betont der Schreiner. «Wir dürfen die Umwelt nicht ausbeuten. Ausserdem ist es auch für das Holz gut, wenn es keine grossen klimatischen Veränderungen durchleben muss – der Schock nach langen Transporten kann es spröde und brüchig machen.» Holz ist nicht nur ein Material, es ist ein Naturprodukt.

Eine Idee wird Wirklichkeit
Der Bauplatz neben dem Haus seiner Eltern war für Quirin Schächle bestimmt – aber erzwingen wollte er den Bau eines eigenen Hauses nie. «Mein Lebensmotto lautet: Ich lasse das Leben auf mich zukommen, das Glück mich finden», betont er. Und es hat ihn gefunden – in Form einer kleinen Idee, die wie ein Baum immer grösser wuchs. «Ich war bereits mehrmals in Kanada auf Reisen, lebte dort in Blockhäusern und half einem Bekannten auch schon beim Ausbau eines Hauses», erzählt er. «Ich liebte von Beginn an die erholsame und inspirierende Atmosphäre dieser Gebäude. Das Klima in einem Blockhaus ist extrem angenehm, der Wärmeaustausch zwischen Innenraum und Umgebung ideal. Die grosse Oberfläche der Stämme wirkt isolierend und regulierend zugleich. Im Winter ist es warm, im Sommer kühl.» So begann sich der Schreiner über die Raffinessen dieser Bauart zu informieren, setzte sich intensiv mit der Materie auseinander und besuchte sogar spezifische Weiterbildungskurse. «Irgendwann stand es fest: Auf der Mangabündt sollte ein Blockhaus entstehen – mein Blockhaus.»
Familie und Freunde liessen sich schnell von Quirins Begeisterung anste-cken, und auch der Architekt war mit Thomas Schafhauser schnell gefunden, obwohl auch er sich erst in die Kunst des Blockhaus-Baus einlesen musste. Seine Aufgabe war es, das Untergeschoss aus Beton mit dem Holzbau verschmelzen zu lassen und die Installationen zu koordinieren, während sich Quirin Schächle selbst gemeinsam mit dem St. Galler Blockhaus-Spezialisten Peter Angehrn um die bautechnischen und statischen Fragen kümmerte. «Ich wusste genau, wie das Haus aussehen sollte», so der Bauherr. «Mir war klar, dass ich kein kubisches, steriles Haus wollte, sondern dass es runde, weiche Formen aufweisen und Wärme ausstrahlen sollte.» Besser hätte er diese Vorstellungen nicht umsetzen können.

Mit viel Arbeit und Geduld
Stressen liess er sich bei seinem Projekt nicht – das ginge gegen die Natur des Eschners. Ein ganzes Jahr lang beschäftigten sich er und die Fachexperten nur mit der Planung, bis alle Feinheiten bis ins kleinste Detail stimmten. Dann ging es im Dezember 2012 an das Fällen von 114 Weisstannen aus dem Nendler Wald. «Dass es Liechtensteiner Holz sein sollte, war von Beginn an klar», betont Quirin Schächle. «Es gibt so viele Möglichkeiten, mit den eigenen Ressourcen etwas zu erschaffen. Und die Weisstanne bietet sich für den Blockhaus-Bau sehr gut an, da sie gross, gerade und hoch wächst und nicht harzt.» So hatten sie zu fünft die vom Förster bestimmten, geeigneten Bäume im Nendler Waldstück gefällt und sie zum sogenannten Abbundplatz transportieren lassen, wo sie dann in Handarbeit entrindet wurden – was allein schon 660 Stunden in Anspruch nahm. Vier Monate dauerte die Abbundarbeit insgesamt, vom Aussägen bis hin zum Positionieren der Stämme. «Es ist eine sehr komplexe Baukunst, die viel Wissen und Erfahrung erfordert», weiss Quirin Schächle. Ausserdem muss einkalkuliert werden, dass sich das Haus in den ersten drei Jahren noch rund fünf bis sieben  Prozent senkt – was auf diverse bautechnische Aspekte Auswirkungen hat. «Was mich sehr freut ist die Tatsache, dass wir keinen einzigen Stamm verschnitten haben», so der Bauherr. «Die Zusammenarbeit war eine wahre Freude. Jeder wusste, was er zu tun hatte und wir arbeiteten in aller Ruhe und Gelassenheit. Wir wurden eins mit Werkzeug und Baumaterial.»
Nachdem das Blockhaus 2013 fertig abgebunden war, wurde es wieder in seine Einzelteile zerlegt und an den Aufrichtplatz in die Mangabündt transportiert, wo es neu aufgebaut wurde – mit Schafwolle als Isolationsmaterial. Die Heizung: eine Luftwärmepumpe, die zusätzlich mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage gespiesen wird. Das perfekte Gesamtkonzept. Es wäre ein grosser beruflicher Wunsch von Quirin Schächle, noch einmal ein Blockhaus in Liechtenstein realisieren zu dürfen. «Das Wissen habe ich mir angeeignet und ich könnte Kunden auch die entsprechenden Fachleute empfehlen. Wir haben sehr gute Handwerker hier. Ich hoffe, mit meinem Haus auch das Herz anderer Menschen für diese Baukunst öffnen zu können.»

Bald ist es vollendet
Einzug ist auf Ende Jahr geplant. Bis dahin investiert der Schreiner weiterhin jede freie Minute in die Perfektionierung seines Reiches – so wie er schon die letzten Jahre getan hat: «Ich habe so viel Zeit in dieses Haus investiert, praktisch jedes Wochenende auf dem Bau gearbeitet. Das kann man mit keinem Geld aufwerten. Ganz ehrlich, ich würde es nicht verkaufen, selbst wenn mir jemand 100 Millionen dafür bieten würde. Es ist ein Teil von mir geworden.»
Quirin Schächle ist stolz auf sein Werk. Und auch wenn Liebe ein grosses Wort ist und er selbst es nie in
Bezug auf ein Objekt in den Mund nähme – Liebe hat verschiedene Facetten. Und wer erlebt, wie der Eschner von seinem Haus spricht, wie er sich in ihm bewegt und wie er die Baumstämme berührt, weiss: Nur dieses eine Wort kann die Symbiose erfassen, die hier zwischen einem Menschen und den ihn umgebenden Baumstämmen entstanden ist.
02. Sep 2014 / 08:30
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