• Der Fürst als Unternehmer
    Fürst Hans-Adam II. im Spiegelsaal des Stadtpalais Liechtenstein  (Keystone)

«Man muss natürlich auch Glück haben»

«Mir ist mehr gelungen, als ich mir damals realistischerweise erwarten durfte», sagt Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein auf die Frage, was ihm durch den Kopf gehe, wenn er nun als siebzigjähriger Manager auf die Entwicklung der fürstlichen Unternehmen zurückblickt. Er habe als Unternehmer sehr viel Glück gehabt. Inzwischen hat der Landesfürst die Verwaltung des fürstlichen Vermögens auf seine Söhne übertragen. Er ist sehr froh, dass es alle drei Söhne sehr gut machen. So konzentriert sich das liechtensteinische Staatsoberhaupt nur mehr auf wenige Projekte.
Vaduz. 

Durchlaucht, im «Vaterland»-Interview zu Ihrem 25-Jahre-Thronjubiläum, das Sie am 13. November 2014 feiern konnten, haben Sie erklärt, dass Sie vom Typus her weniger der Landesvater, sondern der Manager seien, der gerne Probleme löst, und das möglichst schnell. Wenn Sie nun als siebzigjähriger Manager auf die Entwicklung der fürstlichen Unternehmen zurückblicken, was geht Ihnen dann durch den Kopf?

Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein: Dass ich sehr viel Glück gehabt habe. Das muss man auch als Unternehmer haben. Mir ist mehr gelungen, als ich mir damals realistischerweise erwarten durfte.

Fürst Hans-Adam II. als Unternehmer

Hauptsitz der LGT in Vaduz

Ihr Vater hat Sie im Jahre 1970 mit der Reorganisation der Verwaltung des Vermögens des Fürstenhauses betraut. In welchem Zustand haben Sie die fürstlichen Unternehmen übernommen?
Wir waren kurz vor dem Zusammenbruch. Unsere österreichischen Betriebe waren überschuldet, aber auch unsere Bank war de facto überschuldet. Es ist mir dann Gott sei Dank in relativ kurzer Zeit gelungen, zuerst die Bank zu reorganisieren und dann in einem nächsten Schritt den Rest des Vermögens.

Inwieweit hat Ihnen Ihr betriebs- und volkswirtschaftliches Studium an der Hochschule St. Gallen, das Sie 1969 mit dem Lizentiat abgeschlossen haben, bei der Reorganisation der fürstlichen Betriebe geholfen?
Das war ganz entscheidend. Ich verdanke es auch meinem Vater, der mich dazu gedrängt hat. Ich wollte lieber etwas anderes studieren. Diese Kombination von Wirtschaft und Recht, die es in St. Gallen gab, hat mir sowohl bei der Reorganisation des Vermögens als auch später in meinem Amt als Staatsoberhaupt geholfen. Als mein Vater mich als Gymnasiast gefragt hat, was ich studieren möchte, habe ich ihm gesagt: entweder Physik oder Archäologie. Daraufhin hat mir mein Vater gesagt: «Nein, Hans-Adam, das können wir uns nicht leisten. Du musst Wirtschaft und Recht studieren. Wirtschaft, um das Vermögen zu reor­ganisieren und neu aufzubauen. Und Recht, um die Aufgaben des Staatsoberhauptes übernehmen zu können.» Er hat schon damals angedeutet, dass er sich eines Tages vom Amt des Staatsoberhauptes zurückziehen und mir dieses übergeben möchte. Also habe ich Wirtschaft und Recht in St. Gallen studiert.

Der Unternehmer Fürst Hans-Adam II.

Fürst Hans-Adam II spricht im Interview mit Günther Fritz über die fürstlichen Unternehmen.

Wenn Sie Ihre Managerjahre Revue passieren lassen, welche persönliche Entwicklung als Chef eines so grossen Imperiums konnten Sie bei sich selber feststellen? Inwieweit haben sich die Führungsmethoden seit den 70er-Jahren geändert?
Es gibt immer wieder bestimmte Modeerscheinungen, aber auch Grundlagen, die man nicht verändern sollte. Dazu zähle ich zum Beispiel ein sehr gutes Rechnungswesen, das einem erlaubt festzustellen, ob man überhaupt Geld verdient und wie man die Aktiven und die Passiven bewertet. Weiter muss man sich immer wieder mit der Frage auseinandersetzen, ob die Produkte, die man herstellt, seien es Industrieprodukte oder Dienstleistungen, auch noch in Zukunft einen Markt haben. Wenn man sieht, dass das nicht der Fall ist, sollte man rechtzeitig mit Neuentwicklungen beginnen. Das sind solche Grundprinzipien, die es auch in Zukunft zu befolgen gilt. Ein kluges Marketing ist heute allerdings noch wichtiger als in der Vergangenheit.

Die Übernahme der Centrum Bank durch die VP Bank hat gezeigt, dass im Zuge des Transformationsprozesses eine Konsolidierung des Finanzplatzes Liechtenstein erfolgt. Die LGT gilt heute als führende liechtensteinische Bank. Welches sind die Meilensteine, die vonseiten des Fürstenhauses seit 1970 gesetzt worden sind und welche die Basis zum heutigen Erfolg der Fürstenbank gelegt haben, die von der Rating-Agentur Moody’s mit A1 und von Standard & Poor’s mit A+ bewertet wird?
Als ich 1970 mit der Reorganisation der Bank begonnen hatte, stand für mich die Analyse, auf welche Geschäftsbereiche man sich konzentrieren soll, im Vordergrund. Neben der Ausstattung mit genügend Kapital haben wir uns auf gewisse Bereiche beschränkt, wo wir uns gute Chancen gegenüber der Konkurrenz ausgerechnet haben. Die anderen Bereiche haben wir dann langsam abgebaut und die Internationalisierung der Bank vorangetrieben. Bereits in den 70er- und 80er-Jahren war abzusehen, dass das Bankgeheimnis nicht auf Dauer Bestand haben wird. Liechtenstein als Steueroase wurde schon damals vom Ausland, vor allem von Deutschland, angegriffen. Selbst in der Schweiz galten wir als «Loch im Osten». Wir mussten uns einfach überlegen, wo wir einen Wettbewerbsvorteil herausholen können. Die Internationalisierung der Bank hat sich bei der LGT auf jeden Fall als Erfolg herausgestellt. Das erfüllt mich mit Freude und Stolz. Aus der damaligen Sicht war das sicher ein eher noch ungewöhnlicher Ansatz, der sich aber letztlich bewährt hat.

Fürst Hans-Adam II. als Unternehmer

Der Herkulessaal im Gartenpalais Liechtenstein in Wien

Aufsehen erregt hat in der Geschichte der LGT insbesondere ein Vorfall im Jahre 1989. Damals haben Sie sich von Ihrem Finanzberater und Präsidenten des Verwaltungsrates der Bank in Liechtenstein (BIL), dem Schweden Christian Norgren, über Nacht getrennt. Unter welchen Umständen haben Sie diesen Entscheid damals getroffen?
Als mein Vater mir gesagt hatte, dass er mir die Staatsgeschäfte übergeben möchte, war für mich klar, dass ich nicht mehr exekutiv in der Bank tätig sein kann. Das hätte zu Interessenskonflikten geführt. Deshalb musste ein Nachfolger gefunden werden. Der Stiftungsrat und die Familie haben entschieden, dass Herr Norgren der richtige Mann für die Bank wäre. Ich habe damals dem Herrn Norgren ans Herz gelegt, aufzupassen, dass keine Insidergeschäfte über unsere Bank laufen. Denn ich wusste schon damals, dass Banken, die in solche Geschäfte involviert sind, mit erheblichen Konsequenzen zu rechnen hatten. Herr Norgren hat sein Insidergeschäft dann zwar nicht über unsere Bank, aber über eine andere Bank abgewickelt. Nur durch Zufall bin ich ihm auf die Schliche gekommen und habe ihn mit Zustimmung des Stiftungsrates sofort entlassen. Für mich war das ein grosser Vertrauensbruch.

Vor welchem Hintergrund hat sich die LGT Anfang 2009 vom Treuhandbereich getrennt und wie hat sich dies auf die Reputation der Bank ausgewirkt?
Es war keine Kernaufgabe der Bank. Ausserdem standen wir in Konkurrenz zu Kunden, die im Treuhandbereich tätig sind.

Weshalb hat sich die LGT aus Deutschland zurück­gezogen?
Als die LGT die BHF-Bank in Deutschland kaufen wollte, hätte die deutsche Bankenaufsicht Bafin nur dann die dazu nötige Genehmigung gegeben, wenn die LGT sich de facto bereit erklärt hätte, Treuhänder nicht mehr als Kunden zu akzeptieren. Eine solche Auflage war für die LGT inakzeptabel. Ohne die Möglichkeit, andere Privatbanken in Deutschland akquirieren zu können, wurde es aber auch sinnlos, in diesem sowieso sehr schwierigen Markt weiterhin mit einer eigenen lokalen Bank tätig zu sein. (güf)

 

Das ganze Interview lesen Sie im «Vaterlandmagazin» zu Ehren des 70. Geburtstages des Landesfürsten

11. Feb 2015 / 11:11
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