• Die Eishockey-WM in der Schweiz mit Geschäftsführer Gian Gilli ist definitiv abgesagt
    Die Eishockey-WM in der Schweiz mit Geschäftsführer Gian Gilli ist definitiv abgesagt  (KEYSTONE/LAURENT GILLIERON)

Heim-WM definitiv abgesagt

Knapp sieben Wochen vor dem geplanten Beginn entscheidet der internationale Verband: Die Eishockey-WM kann in Zürich und Lausanne wegen der Coronavirus-Pandemie nicht stattfinden.
Eishockey. 

Das aus 13 Funktionären bestehende Führungsgremium (Council) der International Ice Hockey Federation bestätigte am Samstag die WM-Absage. Unter den gegebenen Umständen könne das Turnier nicht stattfinden. Die IIHF führte letzte Woche Telefonkonferenzen mit allen Partnern - so auch am Dienstagnachmittag mit den Schweizer Organisatoren - und erhoffte sich Klarheit bis Ende Woche. Weil der Bundesrat am Freitag den "Shutdown" (noch) nicht verlängerte, wurde der internationale Verband nun von sich aus aktiv.

"Das ist eine brutale Realität für die Eishockey-Familie, die wir jedoch akzeptieren müssen", sagte der Freiburger René Fasel, der Präsident der IIHF. "Die Coronavirus-Krise ist ein globales Problem, das die Politik und das Gesundheitssystem an den Anschlag treibt. Wir als Verband müssen alles tun, um die Behörden im Kampf gegen das Virus zu unterstützen. Wir müssen alle dagegen kämpfen. Der Sport ist im Moment höchstens zweitrangig."

In der Schweiz ist die Enttäuschung gross - aber auch das Verständnis dafür, dass es keinen anderen gangbaren Weg gab. Gian Gilli (62), dem CEO des Schweizer WM-Organisationskomitees, blieb nichts anderes übrig, als den Entscheid der IIHF zu akzeptieren: "Natürlich sind wir traurig und bitter enttäuscht. Wir haben vier Jahre lang auf die WM hingearbeitet und wären bereit gewesen. Gut ist, dass wir nach Wochen der Unsicherheit endlich wissen, woran wir sind."

Auch Nationalcoach Patrick Fischer kann alle gemachten Pläne nun ad acta legen. "Aber wir befinden uns in einer aussergewöhnlichen Situation, die aussergewöhnliche Massnahmen erfordert. Das Wichtigste im Moment ist, dass jeder seine Verantwortung im Sinn der Gesundheit unserer Bevölkerung wahrnimmt."

Die samstägliche Absage der WM stellte gewiss für niemanden mehr eine Überraschung dar. Alle anderen WM-Turniere (Frauen, U18, B-WM und untere Divisionen) hatte der internationale Verband schon vorher abgesagt. Die IIHF generiert mit der alljährlich stattfindenden WM jene Einnahmen, von denen der Verband seine Verwaltung finanziert. Für den Fall einer WM-Absage ist der Verband über eine Summe von bis zu 60 Millionen Franken gut versichert. Aber was bedeutet die Absage für das Schweizer OK? Gian Gilli: "Das kann ich heute noch nicht abschätzen. Sicher ist, dass wir in den nächsten Wochen mit allen Partnern und mit den Versicherungen zusammen sitzen müssen."

Lobbyieren muss die Schweiz ausserdem mit den internationalen Verbänden, ob sie das WM-Turnier im Frühling 2021 nachholen darf. Das ist das neue Ziel, auf das Nationalmannschafts-Direktor Lars Weibel nun hinarbeitet. Für René Fasel, den scheidenden IIHF-Präsidenten, wäre es nur logisch, wenn die bis 2025 bereits vergebenen Turniere alle um ein Jahr zurückweichen würden.

Nach Zürich und Lausanne hätte die Eishockey-WM 2021 in Riga und Minsk, 2022 in Tampere und Helsinki, 2023 in St. Petersburg, 2024 in Prag und Ostrava sowie 2025 in Dänemark und Schweden stattfinden sollen. Alle Organisatoren verfügen über unterschriebene Verträge. Dem Vernehmen nach sträubt sich primär der schwedische Verband gegen eine Verschiebung von 2025 auf 2026. Der nächste IIHF-Kongress wird darüber entscheiden, ob alles um ein Jahr nach hinten geschoben wird. Aber auch dieser Kongress, der vom 21. bis 23. Mai in Zürich hätte stattfinden sollen, wurde vorerst auf unbestimmte Zeit verschoben. (sda)

21. Mär 2020 / 15:18
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