• Am Freitag kommt es in Wimbledon zur Neuauflage des epischen Finals von 2008 zwischen Rafael Nadal und Roger Federer
    Am Freitag kommt es in Wimbledon zur Neuauflage des epischen Finals von 2008 zwischen Rafael Nadal und Roger Federer  (KEYSTONE/AP/ANJA NIEDRINGHAUS)

Das nächste Kapitel des Tennis-Klassikers

Die Wimbledon-Halbfinals der Männer stehen im Zeichen des 40. Aufeinandertreffens von Roger Federer und Rafael Nadal. SRF-Experte Heinz Günthardt sieht Federer leicht im Vorteil.
Tennis. 

Als "königlichen Kampf" kündigte die englische Zeitung "The Guardian" das vierte Wimbledon-Duell zwischen Roger Federer und Rafael Nadal an. Elf Jahre oder 4023 Tage nach dem epischen Fünfsatz-Krimi im Final 2008 treten die beiden wieder einmal auf dem Centre Court des All England Club gegeneinander an. Es ist ihr 14. Aufeinandertreffen an einem Grand-Slam-Turnier, nur drei davon konnte Federer gewinnen. Sechs seiner zehn Niederlagen kassierte er allerdings in Paris auf Sand.

Obwohl die Statistik gegen Federer spricht, liegen die Vorteile aus Sicht von Fedcup-Captain und SRF-Experte Heinz Günthardt auf Seiten des Baselbieters: "Das Spiel von Federer passt zu Rasen, dasjenige von Nadal nicht. Er muss sein Spiel anpassen." Im bisherigen Turnierverlauf gelang dies Nadal ausgezeichnet, gab er in den ersten fünf Partien doch nur einen Satz ab. "Mühe hatte Nadal gegen Kyrgios und Querrey, zwei gute Aufschläger, weil er beim Return bei ersten Aufschlägen weit hinten steht, damit das Feld öffnet und viele Asse kassiert", so Günthardt.

Federers Weg zum Erfolg gegen seinen grössten Rivalen führt über den Aufschlag, der im Lauf des Turniers immer besser funktioniert hat. "Gegen Nishikori spielte Roger seine beste Partie seit langem", sagte Günthardt. "Er hat abgesehen von den ersten zehn Minuten, die nicht so gelaufen sind wie erwartet, irrsinnig gut serviert." Zudem habe er gut retourniert und auch die Rückhand hätte viel besser funktioniert als zuletzt. "Er hat gezeigt, dass er den Backhand-Return, den er gegen Nadal braucht, drauf hat. Das stimmt mich optimistisch."

Dass die klare Dreisatz-Niederlage vor fünf Wochen im Halbfinal in Paris einen Einfluss auf die Partie am Freitag haben wird, glaubt Günthardt nicht. "Gegen Rafa auf Sand zu spielen, ist eine andere Welt." Vor elf Jahren sei dies anders gewesen. "Damals hatte Nadal Roger im Final in Paris regelrecht 'verprügelt'." Auch Federer bekannte später, dass die klarste Niederlage seiner Karriere gegen Nadal, bei der er nur vier Games gewann, Wirkung gezeigt hatte.

Diesmal sind die Voraussetzungen anders. "Auf schnellen Unterlagen hat Federer zuletzt immer dominiert", so Günthardt. Seit seinem Comeback im Januar 2017 entschied der 37-jährigen Baselbieter alle vier Hartplatz-Duelle gegen seinen fünf Jahre jüngeren Widersacher für sich. "Federer hat in diesen Partien immer sehr gut serviert und retourniert und jeweils bestimmt, wo es langgeht", so Günthardt. Deswegen sei klar, wie er am Freitag spielen werde.

Djokovic klarer Favorit gegen Bautista Agut

Im ersten Halbfinal zwischen Titelverteidiger und Weltnummer 1 Novak Djokovic und dem spanischen Halbfinal-Debütanten Robert Bautista Agut (ATP 22) sind die Rollen klar verteilt. "Wie Djokovic im Viertelfinal gegen Goffin einen Gang hoch geschaltet hat, war sehr beeindruckend", sagt Günthardt, der einstige Junioren-Sieger von Wimbledon. "Wenn er diese Form konserviert, ist er im Final."

Hoffnung schöpft der Aussenseiter aus Spanien, der sich in der Form seines Lebens befindet, aus den letzten beiden Partien gegen den Serben, die Bautista Agut in Doha und Miami in drei Sätzen gewonnen hat. Mit einem derart erfolgreichen Abschneiden in Wimbledon hatte der Spanier, der erst einen Satz abgegeben hat, nicht gerechnet. Für Freitag hatte er ursprünglich seinen Polterabend in Ibiza geplant, stattdessen spielt er nun mit 31 Jahren den ersten Grand-Slam-Halbfinal seiner Karriere. (sda)

12. Jul 2019 / 06:30
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