• Unter Präsident Matthias Hüppi hat sich beim FC St. Gallen einige verändert
    Unter Präsident Matthias Hüppi hat sich beim FC St. Gallen einige verändert  (KEYSTONE/BENJAMIN MANSER)

Hüppi: "Sind weiter im Veränderungsprozess"

Beim FC St. Gallen bleibt im letzten Jahr nach der Amtsübernahme von Matthias Hüppi als Präsident kaum ein Stein auf dem andern.
Fussball. 

Der Verein nahm zahlreiche personelle Wechsel auf und neben dem Platz vor. Zurückgewonnen wurde das Vertrauen der Anhänger und Investoren, geblieben ist die Unsicherheit über die sportliche Zukunft.

Als Matthias Hüppi, der Neffe von Alt Bundesrat Kurt Furgler und dem ehemaligen TV-Sportchef Martin Furgler, im Januar 2018 nach 38 Jahren beim Schweizer Fernsehen seine Moderations- und Sportreportertätigkeit gegen den Job des FCSG-Präsidenten umtauschte, rang der älteste Fussballklub des europäischen Festlandes um seine Existenz. Mit seiner Leidenschaft, seiner Euphorie und seinem grün-weissen Herz ist es dem bald 61-jährigen Stadt-St.Galler gelungen, Vertrauen zurückzugewinnen und für Harmonie und Zusammenhalt im Staff und in der Organisation zu sorgen.

Mit Platz 6 nach der Vorrunde und dem frühzeitigen Ausscheiden im Cup-Achtelfinal gegen Sion hat St. Gallen sportlich nicht die erwarteten Ziele erreicht.

Matthias Hüppi: "Wir sind generell auf einem guten Weg, aber keinesfalls am Ziel und vor Rückschlägen nicht gefeit. Der FC St. Gallen zeigt unter der neuen sportlichen Leitung von Cheftrainer Peter Zeidler und Sportchef Alain Sutter modernen, attraktiven Offensivfussball und sorgt für Unterhaltung. Leider fehlt die Stabilität, die bislang eine sportlich bessere Ausbeute verhinderte."

Aufwand und Ertrag waren oft nicht im Einklang. Bei Ballverlust wurde häufig die Abwehr überrannt. Es zeigten sich defensive Mängel, Unordnung und mangelnde Automatismen. Das führte zu vielen Gegentoren.

"Peter Zeidler hat der Mannschaft ein neues System verpasst, das in Fleisch und Blut übergehen muss. Das braucht Geduld und Zeit. Alle Spieler müssen da mitziehen, mitlaufen, mitdenken. Der neue attraktive Spielstil mit hohem Pressing und schnellem Umschaltspiel fordert die Spieler sehr. Deshalb wurden und werden auch solche verpflichtet, die erschwinglich sind und diese Vorgaben umsetzen können."

Das sind vor allem Leihspieler und unbekannte Ausländer aus unteren Ligen.

"Alain Sutter hatte die Aufgabe, die Ausgaben für die erste Mannschaft auf die laufende Saison um eine Million Franken zu verringern. Da können keine bekannten Akteure aus grossen Ligen und Talente verpflichtet werden, denen Grossklubs nachjagen. Wir haben aber auf den Ausfall von Cédric Itten reagiert und mit Simone Rapp einen bestandenen Schweizer Stürmer, der zu uns passt, bis Sommer engagiert. Wir fördern auch eigene Talente. Deren vier aus unserer Nachwuchsakademie waren im Trainingslager in Spanien. Wenn sie aber noch nicht soweit sind, brauchen wir ausländische Spieler mit Entwicklungsfähigkeiten und Potenzial."

Aus der Akademie schaffen aber wenige den Sprung.

"Wir haben auch im Nachwuchsbereich alles überprüft und gemeinsam neue Leute auf Schlüsselpositionen eingesetzt. Ich möchte aber die Vergangenheit nun ruhen lassen, lebe in der Gegenwart und schaue in die Zukunft. Und die scheint mit unserem neuen Schwung verheissungsvoll."

Letztlich entscheiden aber nicht nur Attraktivität und Unterhaltung, sondern Punkte.

"Dessen sind wir uns bewusst. Aber bei uns geht es nicht nur um Geld und Punkte. Wir wollen jungen Menschen weiter helfen, Fussballer entwickeln und fördern. Wenn es uns gelingt, jährlich zwei, drei Spieler ins erweiterte Kader zu bringen, greift unsere Ausbildungsstrategie. Die Quote derjenigen eigenen, jungen Spieler, die den Sprung zum Profi schaffen, ist aber gering - auch bei anderen Schweizer Klubs. Wir sind und bleiben ein Ausbildungsklub und wollen ein Verein sein, der in der gesamten Ostschweiz unverkennbar ist und bewegt."

Und der aber jedes Jahr sportlich wieder von vorne beginnen muss?

"Wir müssen eine gute und gesunde Mischung finden von willigen Spielern mit Spirit, die mit Stolz unser Trikot tragen. Darunter verstehe ich Routiniers, eigene junge Leute und auswärtige Akteure, die besser sind als eigene und die uns weiterbringen."

Viele routinierte Spieler werden den FCSG spätestens Ende Saison verlassen müssen.

"Wir wägten gezielt ab, wer uns in Zukunft weiter bringen kann. Wir kommunizieren frühzeitig und fair und entscheiden uns nicht erst Ende April. Wir lassen nicht alle Routiniers ziehen und wissen um ihre Wichtigkeit, Integrität und Vorbildfunktion. Mit dem erfahrenen Milan Vilotic haben wir bis zum Sommer verlängert und auch Alain Wiss, der sich in Spanien die Kreuzbänder riss, lassen wir nicht fallen."

Haben Sie den beruflichen Wechsel noch nie bereut? Jetzt sind Sie ja vor allem im Hintergrund tätig.

"Ich habe meinen Entschluss noch keine Sekunde bereut. Die neue Aufgabe ist spannend, fordernd und faszinierend. Ich bin mit meinem grün-weissen Herz für unseren FCSG stets unterwegs, bin für offene Kommunikation und Transparenz und versuche, Hürden zu überspringen. Ich stehe aber auch hin, wenn es meiner Person bedarf. Für den Sport sind Sutter und Zeidler zuständig, denen ich total vertraue. Ich bringe allerdings auch meine Meinung ein, da wir gemeinsam die Verantwortung tragen. Im FC St. Gallen gibt es keine Grüppchen mehr, sondern eine einzige, grün-weisse Familie."

Mit Zielen und Ansprüchen?

"Selbstverständlich. Wir wollen das in uns gesetzte Vertrauen mit Taten rechtfertigen und die Finanzen im Gleichgewicht halten. Wir haben ein tolles Stadion, treue Fans und Sponsoren, die an uns glauben. St. Gallen ist zuschauermässig nach einem Aufschwung wieder die Nummer 3 hinter Basel und Bern. Wir steuern einer guten Zukunft entgegen, wenn man uns vertraut. Und natürlich träume auch ich von baldigen Europacup-Tagen, obwohl ich weiss, dass die Unterschiede diese Saison hinter Meister YB sehr gering sind." (sda)

30. Jan 2019 / 08:07
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