• Hansi Flick könnte für die Bayern sogar zu einer längerfristigen Lösung werden
    Hansi Flick könnte für die Bayern sogar zu einer längerfristigen Lösung werden  (KEYSTONE/EPA/PHILIPP GUELLAND)

Ein besonderer deutscher Clásico

Ist der Liga-Gipfel gegen Dortmund schon der Final von Hansi Flick? Bayerns Interimscoach spricht einzig vom Sieg. So oder so werden die 90 Minuten die Bayern in der Trainerfrage voranbringen.
Fussball. 

Hansi Flick ahnte, was kommt. Aber locken liess sich der Interimscoach vor dem grossen Zukunftsspiel des FC Bayern München gegen Borussia Dortmund nicht. Der Verlauf und auch der Ausgang des deutschen Clásico am Samstag um 18.30 Uhr wird die Trainerfrage beim Meister weiter forcieren. Und darum blockte Flick alle Reporterfragen ab.

"Das Spiel gegen Dortmund ist die Ziellinie. Da wollen wir durchgehen mit einem Sieg. Das ist das, was mich antreibt, das ist das, was die Spieler antreibt", sagte Flick. "Was danach kommt, wird ausgeblendet.

Alles bis auf eine schwere Niederlage würde den Münchner Bossen Zeit verschaffen und den Handlungsdruck in der Länderspielpause verringern. Und eine längere Zeit mit Flick ermöglichen. Aber für das Gigantentreffen Bayern gegen Dortmund sind verlässliche Voraussagen unmöglich, wie der Clásico-Experte Mats Hummels vor seiner Rückkehr im BVB-Trikot nach München weiss: "Unsere Duelle sind immer etwas Spezielles. Und es ist nie vorhersehbar, was passiert."

Flick wagte immerhin die Vorhersage eines intensiven Abends: "Die Bundesliga ist Männerfussball. Es wird ein Spiel auf hohem Niveau." Der 54-Jährige nahm damit einen Satz auf, mit dem der Dortmunder Sportdirektor Michael Zorc die eigenen Spieler nach der miserablen Bilanz von fünf Niederlagen mit 3:22 Toren in den letzten fünf Ligaspielen in München anstachelte: "Wir müssen Männerfussball spielen! Wir müssen Kerle sein!"

Beide Titelanwärter dürfen nicht verlieren, wenn sie den Anschluss an Leader Borussia Mönchengladbach halten wollen. Es sei, gleich unter welchen Vorzeichen, "das Spiel der Saison", sagte Bayern-Spieler Leon Goretzka. Dass die Formkurve für Dortmund sprechen könnte, wischt Captain Manuel Neuer einfach beiseite: "Es ist immer ein Duell auf Augenhöhe, egal, wo wer in der Bundesliga steht, wer gerade die Nase vorn hat, wie die Lage der Liga ist. Es ist der deutsche Klassiker, und der hat seine eigenen Gesetze."

Und mit Flick einen neuen Hauptdarsteller. Legt der 54-Jährige nach dem gelungenen Debüt gegen Olympiakos Piräus (2:0) gegen den BVB erfolgreich nach, könnte aus dem Zwei-Spiele-Coach ein Übergangschef bis zur Winterpause oder sogar bis zum Saisonende werden. Diese Variante würde den Münchner Bossen die Möglichkeit geben, in Ruhe an einer Lösung mit dem geschätzten Erik ten Hag zu arbeiten, der Ajax Amsterdam kurzfristig nicht verlassen will.

Am Samstag heisst das Trainerduell Flick gegen Lucien Favre. Vom Waadtländer Tüftler wird erwartet, dass er den Lauf der jüngsten, emotionalen Erfolge aufnimmt und damit mutiger handelt als beim letzten 0:5-Untergang in München. "Wir haben keine Angst vor Bayern", versicherte Favre, dem aber die angeschlagenen Offensiv-Asse Marco Reus und Jadon Sancho fehlen könnten.

Hummels weiss, was der Borussia letzten Frühling gefehlt hatte: Mut. Schon im Kabinengang hätten sie damals "das Gefühl" gehabt zu gewinnen, sagte der Ex-Münchner. "Da hat der BVB nicht dagegengehalten." Zuletzt tat das die Dortmunder Mannschaft beim Cupsieg gegen Mönchengladbach und beim furiosen 3:2 in der Champions gegen Inter Mailand, als jeweils mit grosser Moral und offensiver Wucht Rückstände in Erfolge verwandelt werden konnten. "Wir müssen auch in München mutig auftreten", sagte Offensivspieler Julian Brandt.

Wer wird das höhere Risiko eingehen? Flicks wichtigste Sofortmassnahmen lauten Stabilität und harte Arbeit. Künstler-Fussball mit feinen Technikern wie Philippe Coutinho und Thiago scheint auch gegen den BVB nicht verlangt zu sein. "Es hat uns sehr gut getan, dass wir uns auf die Defensive konzentriert haben", sagte Flick rückblickend auf das zähe Spiel gegen Olympiakos Piräus . Er erwähnte am Freitag die Laufleistungen von Joshua Kimmich (13,6 Kilometer) und Thomas Müller, der über zwölf Kilometer gerannt war. "Man ist in München jahrelang verwöhnt worden mit schönem Fussball", sagte Flick. Jetzt gehe es um Resultate.

Flicks offensive Trumpfkarte heisst Robert Lewandowski. Er hat in jeder der ersten zehn Runden getroffen. Und gegen seinen früheren Klub trifft der Pole besonders gern: zehnmal in den letzten fünf Duellen. (sda)

09. Nov 2019 / 05:00
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