• Nationaltrainer Vladimir Petkovic und Stephan Lichtsteiner (rechts) stehen den Medien vor dem Spiel gegen den WM-Halbfinalisten England Rede und Antwort
    Nationaltrainer Vladimir Petkovic und Stephan Lichtsteiner (rechts) stehen den Medien vor dem Spiel gegen den WM-Halbfinalisten England Rede und Antwort  (KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS)

Der nächste Schritt zur Normalität

Im Auswärtsduell mit dem WM-Vierten England in Leicester erhalten die Schweizer die nächste Chance zur Beruhigung der Nationalmannschafts-Lage.
Fussball. 

Die Botschaft ist angekommen, das spektakuläre 6:0 gegen Island liess keine Wünsche offen. Besser und lustvoller spielten die Schweizer lange nicht mehr. Granit Xhaka jedenfalls, der stolze und starke Captain im Herzen des Mittelfelds, konnte sich "nicht daran erinnern, wann wir zum letzten Mal so aufgetreten sind".

Vladimir Petkovic hätte angesichts der medialen Zweifel und erheblichen Unruhen wegen der monatelangen Erschütterungen inner- und ausserhalb der Verbandszentrale nichts Besseres passieren können als diese Antwort seiner offensichtlich unbekümmerten Protagonisten. Ihm ist es gelungen, unter erschwerten Bedingungen sofort wieder eine Bindung zum Teamkern aufzubauen.

Wie lange die vielversprechende Momentaufnahme anhält, bleibt im weiteren Verlauf der Herbstserie zu klären. Noch verläuft die von Petkovic angeregte sanfte Umbauphase plangemäss, momentan halten sich alle Beteiligten an das SFV-Drehbuch. Wie wenig allerdings im Social-Media-Zeitalter zum totalen Kontrollverlust genügt, verdeutlichten die Missverständnisse, Pannen und öffentlichen Abrechnungen im Nachgang zur letzten WM.

"Wir haben mal einen Anfang gemacht - mehr nicht. Jetzt geht es darum, das Bild zu bestätigen", wirft Petkovic in die Runde. Der Schweizer Trainer verhält sich nach den jüngsten Erfahrungen vorzugsweise defensiv. Aber er weiss natürlich auch, dass in der Mannschaft extrem viel Knowhow steckt. Die ersten elf kommen im Test in Leicester womöglich im Schnitt auf über 50 Länderspiele.

Die gesamthaft über 600 Millionen Euro tiefer taxierte Schweizer Mannschaft hat auf dem Papier im Vergleich zur U24-Auswahl der Engländer mehr internationale Herausforderungen vorzuweisen. Und das imposante Comeback im direkten Anschluss an die Querelen lässt vermuten, dass die Schweizer im mentalen Sektor eben doch belastbarer sind, als ihnen gemeinhin zugestanden wird.

Ihre moderaten Wortmeldungen sind zumindest ein Indiz für ihren ansprechenden Umgang mit aussergewöhnlichen Momenten. Keiner kam auf die Idee, der Gala in der Nachbetrachtung einen unverhältnismässigen Stellenwert einzuräumen. Eine realistische Haltung wird auch nötig sein, um den "vehementen Versöhnungsantrag" (NZZ) zu bekräftigen. Der erste SFV-Sieg auf englischem Boden in der 113-jährigen Länderspielgeschichte würde die Rückkehr zur Normalität weiter beschleunigen.

Süffisante Zeilen

Coaches sprechen oft von Entwicklungsperioden, von Abschnitten -nicht nur jene unter Druck, sondern auch die erfolgreichen. Englands Trainer Gareth Southgate, ein Mann mit Format und erstklassigen Umgangsformen, steckt mit seiner Equipe mitten in einem dynamischen Prozess. Inspiriert vom kräftigen Leistungsschub im Juniorenbereich dehnte er den britischen Aufschwung bis in den WM-Halbfinal aus und setzte dem jahrelangen Stillstand der Three Lions ein Ende.

Im Gegensatz zur international in der letzten Dekade stabilen Schweizer Auswahl schafften die Engländer im russischen Sommer den bemerkenswertesten Exploit seit 1990. Mit einem vergleichsweise unbekannten Ensemble von Talenten aus der bestdotierten Liga weltweit profitierte Southgates Team von guten Auftritten und einem günstigen Turnier-Tableau.

Garantiert sind weitere Fortschritte trotz vielversprechender personeller Basis und einem inzwischen wieder ausgezeichneten Draht zum Publikum indes nicht. In einem längeren "Sky"-Interview schätzte Southgate die Lage durchaus kritisch ein: "Es fehlt noch ein Stück zur Spitze. Wir müssen immer jedes Detail richtig lösen. Das sollten wir so schnell nicht vergessen."

Wie rasch der Schulterschluss mit der Öffentlichkeit nachlässt und die gute Atmosphäre kippen kann, verdeutlicht beispielsweise der "Guardian", der süffisant die längste Negativserie seit 1988 in das Bewusstsein seiner Leser rückte - das Out gegen Kroatien (1:2 n.V.), die 0:2-Niederlage gegen Belgien im Spiel um Platz 4, der Fehlstart zur Nations League im Wembley gegen Spanien (1:2). (sda)

11. Sep 2018 / 06:27
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