Kaum im Amt, schon weg: Das sind die unbeliebtesten Jobs im Bundesrat
Gerade einmal ein Jahr hielt es Elisabeth Baume-Schneider im Justiz- und Polizeidepartement aus. Bei der ersten Gelegenheit – dem Rücktritt von Parteikollege Alain Berset – ergriff die SP-Bundesrätin die Flucht und wechselte ins Innendepartement. Allein ist sie damit nicht: Auch ihre Vorgängerin Karin-Keller-Sutter verliess das Departement so schnell sie konnte – selbst wenn sie darauf vier Jahre warten musste. Bei Keller-Sutters Vorgängerin, Eveline Widmer-Schlumpf, waren es drei Jahre, bis sie «erlöst» wurde.
Das ist kein Wunder: Das Justizdepartement gehört zu den unbeliebtesten Departementen. Meist hat man es mit sehr trockener Materie zu tun. Vor allem aber ist dort die Migration angesiedelt, ein schwieriges Dossier, mit dem sich so schnell kein Blumentopf gewinnen lässt. Zudem ist man ständigen Attacken der grössten Partei im Land, der SVP, ausgesetzt. Auch der aktuelle Amtsinhaber Beat Jans dürfte versucht sein, dem früher oder später zu entfliehen.
Das Verteidigungsdepartement ist unbeliebt
Genauso unbeliebt ist das Verteidigungsdepartement VBS. Bis zum Angriff Russlands auf die Ukraine galt es als klares «B-Departement» oder «Departement zum Davonlaufen»: Als dessen Vorsteher hat man normalerweise wenig Gestaltungsspielraum, kann kaum eigene politische Schwerpunkte setzen, weshalb oft die Neugewählten dort landen. Mit dem Ukraine-Krieg wurde das Departement zwar politisch wichtiger. Doch ein Grundproblem bleibt: Es ist anfällig für Pannen und Skandale, weil es sehr technisch ist und stets um viel Geld geht.
Guy Parmelin wechselte jedenfalls bei der zweiten Gelegenheit nach drei Jahren ins Wirtschaftsdepartement, und nun sagt man auch Martin Pfister nach rund eineinhalb Jahren Wechselgelüste nach.
Neu ist das Phänomen Schnellwechsler allerdings nicht. Seit dem Jahr 2000 gehörten insgesamt 26 Personen dem Bundesrat an. Davon haben zehn während ihrer Amtszeit das Departement gewechselt. So schnell wie Elisabeth Baume-Schneider war allerdings niemand.
Zumindest in neuerer Zeit. In den 1980er- und 1990er-Jahren blieben viele Bundesräte ausgesprochen lange im selben Departement. In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es dagegen einige bemerkenswerte Wechsel.

Ein Beispiel: 1968 hielt es der ein Jahr zuvor gewählte Tessiner Nello Celio (FDP) nicht länger in seinem Departement aus. Als «Neuer» hatte er das Militärdepartement (heute VBS) erhalten, wo ihm jedoch der «Umgang mit der Generalität nicht besonders behagte», wie die NZZ einst schrieb. Celio war dermassen populär, dass er einen Verbleib in der Landesregierung vom Wechsel ins Finanzdepartement abhängig machen konnte – und sich durchsetzte.
Der Bundesrat, der gleich zweimal wechselte

Besonders unstet war Friedrich Traugott Wahlen (BGB, heute SVP). Der Berner wurde im Dezember 1958 in den Bundesrat gewählt. Dort übernahm er im Januar 1959 das Justiz- und Polizeidepartement, wechselte aber schon ein Jahr später ins Volkswirtschaftsdepartement und nochmals ein Jahr später ins Eidgenössische Politische Departement (heute Aussendepartement EDA).
Durch beide Wechsel konnte Wahlen seine Kompetenzen besser einbringen: im Volkswirtschaftsdepartement, weil er im Zweiten Weltkrieg die Anbauschlacht zur Ernährungssicherung entwarf und umsetzte. Und als Aussenminister aufgrund seiner internationalen Erfahrung und Sprachkenntnisse: Wahlen hatte vor seiner Wahl in die Landesregierung 17 Jahre lang als Spitzendiplomat der Welternährungsorganisation in Rom und Washington gelebt. Beide Wechsel waren nachvollziehbar – aber heute würde man ihm sie kaum mehr gestatten.
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