«Ich mag den Pessimismus nicht mehr hören»: Unternehmerinnen kritisieren den Abgesang auf den Journalismus
«Das ständige Schlechtreden des Journalismus ist kontraproduktiv», sagt Anna Wanner. «Wir können uns als Branche auch einmal positiv darstellen», ergänzt Susanne Lebrument.
Die beiden Journalistinnen verbindet nicht nur die Überzeugung, dass Journalismus trotz künstlicher Intelligenz und wirtschaftlichem Druck eine Zukunft hat. Sie gestalten diese Zukunft als Miteigentümerinnen von Familienunternehmen aktiv mit.
Anna Wanner ist Verwaltungsrätin und Präsidentin des publizistischen Ausschusses von CH Media, die auch diese Zeitung herausgibt. Ende 2025 hat sie das Unternehmen mit ihren Brüdern Michael und Florian von ihrem Vater Peter Wanner übernommen. Bei Susanne Lebrument erfolgte der Generationenwechsel bereits 2018. Als Tochter des Verlegers zog sie in den Verwaltungsrat von Somedia ein. Heute ist sie Vizepräsidentin des Bündner Medienkonzerns, der Titel wie die «Südostschweiz» herausgibt.
Am Swiss Media Forum in Luzern sprachen die beiden Frauen darüber, warum sie das Familienerbe weiterführen. Ihr Weg sei nicht vorgezeichnet gewesen, betonte die langjährige Bundeshausjournalistin Anna Wanner. «In Diskussionen innerhalb der Familie habe ich jedoch gemerkt, dass mich gewisse Entscheide nicht kaltlassen und ich mehr mitreden will.» Angetrieben von der Überzeugung, dass Qualitätsjournalismus für die direkte Demokratie unerlässlich ist.
Die Herausforderungen der Branche verkennt Wanner nicht. Sie wehrt sich aber dagegen, von vorneherein negativ an die Sache heranzugehen. Das gilt auch für das Thema künstliche Intelligenz. Hier sei die Regionalität eine Chance. «Lokaljournalismus ist ein Knochenjob und kann nicht mit KI ersetzt werden.»
Wenn sich die Geschichte wiederholt
Für Diskussionen sorgte die Prognose von Ringier-CEO Marc Walder. Vor einem Monat sagte er in einem Zeitungsinterview, digital würden in der Schweiz nur die «NZZ», der «Blick» und «20 Minuten» überleben. Wanner hält wenig von solchen Prophezeiungen. «Ich mag den Pessimismus nicht mehr hören», sagte sie vor Vertretern aus Medien, Wirtschaft und Gesellschaft. «Wer will in den Zeitungen noch werben, wer will sie noch kaufen, wer will noch für sie arbeiten, wenn der CEO sagt, es gibt sie in fünf Jahren gar nicht mehr?»

Auch Lebrument widerspricht der Untergangsstimmung. «Jedes Unternehmertum ist eine Herausforderung», betonte sie. Sie kenne auch ausserhalb der Medienbranche keinen Patron, der sage: «Es ist locker und easy bei uns.» Sie engagiert sich bei Somedia, weil sie das Familienunternehmen als wichtige Stimme für den Kanton Graubünden erhalten will.
Dass Somedia stets in den Händen ihrer Familie bleibt, findet die Bündnerin allerdings zweitrangig. Entscheidend sei das Wohl des Unternehmens. Darum übt sie in der Berufswahl auch keinen Druck auf ihre zwei Kinder aus, die 16- und 18-jährig sind. «Sie haben mir beide gesagt, sie wollen nie so enden wie ich: Ich arbeite zu viel und sei zu viel weg», erzählt Lebrument und lacht. «Das Gleiche habe ich früher meinem Vater auch gesagt.»
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