Migros vor Mega-Umbau, steigende Flugpreise und Lindt-Patron unter Druck
Der orangen Riesen steht etwas Riesiges bevor. Anfang nächster Woche präsentieren Migros-Präsidentin Ursula Nold und Konzernchef Mario Irminger ihren Plan, die zehn Regionalgenossenschaften, den Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) und die Supermarkt AG zu einer Einheitsgenossenschaft zusammenzuführen. Laut «SonntagsZeitung» soll damit die komplizierte Führungsstruktur verschwinden, die die Migros seit Jahrzehnten lähmt. Die Migros-Supermarkt AG bleibt als wichtigste operative Tochtergesellschaft bestehen. Sie soll künftig in sechs Regionen organisiert werden, deren Grenzen sich nach der Logistik statt nach den bisherigen Genossenschaften richten. Deren jetztigen Führungsstrukturen werden aufgelöst.

Das Einsparpotenzial wird auf jährlich 300 bis 400 Millionen Franken geschätzt. Besonders die Verwaltungen und Führungsstäbe der Regionen wären betroffen. Rund 3000 Stellen könnten wegen der Fusion wegfallen. Vorbild ist Coop, der seine Regionalgenossenschaften bereits 2001 zusammenlegte und es dieses Jahr wohl schafft, die Migros zu überholen.Entscheidend wird nun die Zustimmung der Migros-Genossenschafter: In jeder Regionalgenossenschaft braucht es eine Zweidrittelmehrheit.
Toter in Tuggen SZ: Blood-and-Honour-Mitglied in U-Haft
Bei einer Auseinandersetzung nach einem Konzert im Kanton Schwyz wurde in der Nacht auf letzten Sonntag ein junger Deutscher getötet. Jetzt zeigen Recherchen von «SonntagsBlick»: Der verhaftete Tatverdächtige aus der Schweiz ist langjähriges Mitglied des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks Blood and Honour. Immer mehr Hinweise sprechen dafür, dass der Verstorbene das erste öffentlich bekannte Todesopfer von rechtsextremer Gewalt in der Schweiz seit Jahrzehnten ist.
Der Verhaftete war Teil einer Gruppe von Rechtsextremen, die an der Afterparty im Tuggener Ausgehlokal Bandits mit Hitlergrüssen und Rempeleien provozierte. Bei einer anschliessenden Schlägerei wurde das Opfer mutmasslich mit einem gezielten Faustschlag getötet. Das Schwyzer Zwangsmassnahmengericht ordnete laut SonntagsBlick Untersuchungshaft für den Verdächtigen an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung. Das heisst: Der Mann steht im Verdacht, den 27-jährigen Deutschen absichtlich oder zumindest wissentlich und willentlich getötet zu haben.
Bund straft Ärzte ohne Grenzen mit Zahlungsstopp
Der Bund hat wegen des Missbrauchsskandals bei Ärzte ohne Grenzen in Tschad die letzte Tranche seines Kernbeitrags für 2026 vorläufig ausgesetzt. Es geht um 1,25 Millionen Franken. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat bei einer internen Prüfung festgestellt, dass das Hilfswerk seine vertragliche Pflicht zur umfassenden und zeitnahen Meldung von Missbrauchsvorfällen nicht erfüllt hat. Das zeigt eine am Sonntag veröffentlichte Recherche der «NZZ am Sonntag», die sich unter anderem auf interne Deza-E-Mails und Protokolle des Aussendepartements EDA stützt. Die Deza ist eine wichtige Geldgeberin für die Hilfsarbeit von Ärzte ohne Grenzen in Tschad, wo sich die Missbrauchsfälle ereigneten.
Nach einer anfänglichen Meldung, die noch von sehr wenigen Betroffenen ausging, schloss die Deza im August 2025 den internen Compliance-Fall dazu ab, ohne über die insgesamt 59 Vorwürfe und 18 Entlassungen bei Ärzte ohne Grenzen informiert zu sein. Noch im Februar 2026 lobte sie Ärzte ohne Grenzen als vorbildlich für deren Transparenz. Erst nach Medienberichten wurde das Verfahren diesen Sommer wieder eröffnet. Ärzte ohne Grenzen räumt in der «NZZ am Sonntag» ein, das volle Ausmass gegenüber dem Bund nicht früh genug offengelegt zu haben.
Bei der Deza sitzt das Misstrauen nun tief. Sie prüft neben dem Zahlungsstopp weitere Massnahmen gegen das renommierte Hilfswerk und will ab 2027 alle Verträge für Schweizer NGO im Hinblick auf die Missbrauchsthematik neu aufsetzen. Gleichzeitig zeugen die internen E-Mails auch von einem Kontrollversagen auf Seiten des Bundes und einem eigentlichen Blindflug der Deza.
Wegen hoher Ölpreise: Fliegen wird erheblich teurer
Viele Airlines haben sich abgesichert. Konkret: Sie haben sich mit Treibstoff-Verkäufern weit im Voraus auf einen Preis geeinigt, der deutlich unter dem jetzigen Marktpreis liegt. Das ist ihr Glück, denn seit dem Beginn des Irankriegs im Frühling hat sich der Preis für Kerosin etwa verdoppelt. Die Kostenexplosion beim Treibstoff hat dank dieses finanziellen Sicherheitsnetzes nicht im gleichen Verhältnis auf die Ticketpreise durchgeschlagen.

Das ändert sich laut «SonntagsZeitung» aber demnächst. Bei vielen Fluggesellschaften laufen die Absicherungen in den kommenden Monaten aus. Die Folge: Billettpreise könnten um bis 20 Prozent steigen. Ryanair-Chef Michael O’Leary sagt es so: «In den nächsten 12 Monaten werden Sie in Europa den stärksten Anstieg der Flugpreise in der Geschichte erleben.» Die Lufthansa-Gruppe, zu der die Swiss gehört, gibt keine Zahlen zu ihren Absicherungen bekannt.
Lindt-Patron Ernst Tanner räumt Fehler ein – sieht die Schuld aber bei anderen
Der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli steckt in der Krise: Nach massiven Preiserhöhungen verlor die Schokolade aus Kilchberg an Beliebtheit, der Börsenwert sank um 40 Prozent. Diese Woche musste der CEO Adalbert Lechner nach 33 Jahren im Konzern überraschend gehen. Jetzt äussert sich erstmals der Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner zu den Turbulenzen: «Es tut mir weh, unsere Produkte im Ausverkauf zu sehen», sagt der Firmenpatron im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Um Kunden zurückzugewinnen, komme man im Moment aber nicht um Aktionen herum. Tanner gesteht ein, dass bei der Preisgestaltung Fehler gemacht wurden: «Für einige Konsumenten wurden unsere Produkte in den vergangenen Monaten offensichtlich zu teuer.» Von einem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident will Tanner aber trotzdem nichts wissen. «Ich bin überzeugt, dass ich einen wesentlichen Beitrag leisten kann, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen», sagt der 80-Jährige. Die Preis-Fehleinschätzung liege beim Management vor Ort, da jeder Länderchef das Geschäft eigenverantwortlich leite. (has)
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