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Bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege könnten sich auch finanziell lohnen

Der Pflegeverband hat einen Kostenrechner entwickelt. Dieser soll nicht nur zeigen, was Massnahmen in der Pflege kosten, sondern vor allem auch, was sie sparen.
Die Arbeit im Spital ist für viele Pflegende mit hoher psychischer und physischer Belastung verbunden. (Bild: Sandra Ardizzone)
Der Pflegeverband SBK hat einen Kostenrechner erstellt, um den Politikern bei der Arbeit zu helfen. (Bild: Screenshot)
Gute Arbeitsbedingungen zahlen sich aus: Personalsuche und Einarbeiten ist aufwendig. (Bild: Keystone)

Der Herbst, in dem die Pflegenden den «Notstand» ausriefen, liegt fünf Jahre zurück. Der zweite Corona-Winter stand kurz bevor und auch die Abstimmung über die Pflegeinitiative. Die Bevölkerung anerkannte die Not und stimmte mit 61 Prozent der Initiative zu, welche die Arbeitsbedingungen von Pflegenden in Spitälern und Heimen verbessern wollte.

Unterdessen ist der erste Teil der Initiative umgesetzt: Rund eine Milliarde Franken stecken Bund und Kantone in die Ausbildung von Pflegefachleuten. In einem zweiten Teil sollen die Arbeitsbedingungen in Heimen und Spitälern verbessert werden, um die vielen Abgänge und Pensenreduktionen zu verhindern. Der Pflegeverband nannte stets die hohe psychische und physische Belastung der Pflegenden als Grund dafür.

Die Situation hat sich aus Sicht des Personals nicht verbessert. Die Rede ist nach wie vor von «Notstand», auch mit Verweis auf den aktuellsten Versorgungsbericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums: Mit 40 Jahren arbeitet nur noch die Hälfte der ausgebildeten Pflegefachpersonen in einem Spital, einem Pflegeheim oder in der Spitex. Neben der Arbeitslast machen kurzfristige Einsätze sowie Nacht- und Wochenendschichten dem Personal zu schaffen.

Fluktuation führt zu hohen Kosten

Trotzdem tut sich das Parlament mit Eingriffen ins Arbeitsrecht schwer und die Spitäler wehren sich gegen teure Auflagen. Das führte dazu, dass der Nationalrat im Frühling viele Verbesserungen gekürzt oder ganz gestrichen hat. Der Bundesrat sah Massnahmen im Umfang von 1,3 bis 2 Milliarden Franken vor. Der Nationalrat reduzierte das Paket auf 670 Millionen Franken.

Die Betroffenen monieren seither, die Initiative werde nicht umgesetzt. Vor allem sei die einseitige Betrachtung der Massnahmen problematisch, sagt Sophie Ley, Präsidentin des Pflegedachverbands Alliance Care. Denn Nichtstun sei auch teuer. «Jede vakante Stelle in der Pflege kostet gemäss Schätzungen sechs bis neun Monatslöhne», sagt Ley.

Schweizweit habe die hohe Fluktuation 2023 Kosten von 2 bis 3 Milliarden Franken verursacht. Das müsse in die Rechnung miteinbezogen werden. Jede Neubesetzung binde Zeit für Rekrutierung und Einarbeitung, gleichzeitig fehlten erfahrene und eingespielte Mitarbeitende. «Wenn wir die Fluktuationsrate nur um 10 Prozent senken, sparen wir bereits 200 bis 300 Millionen Franken», rechnet Ley vor.

Kostenrechner als Stütze für politische Entscheide

Doch welche Massnahmen führen tatsächlich zum Ziel? Um den Gesundheitspolitikern im Parlament die Arbeit zu erleichtern, hat der Pflegeverband einen interaktiven Kostenrechner gebaut. Er soll zeigen, was bessere Arbeitsbedingungen kosten – aber auch, was sie sparen.

Der Pflegeverband SBK hat einen Kostenrechner erstellt, um den Politikern bei der Arbeit zu helfen. (Bild: Screenshot)

Soll beispielsweise die Umkleidezeit als bezahlte Arbeitszeit gelten, lässt sich der Regler bei diesem Punkt umschalten. Kostenpunkt: 150 Millionen Franken pro Jahr. Oder: Soll die wöchentliche Normalarbeitszeit von heute 42 auf 40 Stunden reduziert werden, kostet das 640 Millionen Franken zusätzlich. Wer den Regler auf 38 Stunden pro Woche schiebt, erhält den entsprechenden Betrag: 1280 Millionen Franken. Die Zahlen im Kostenrechner stützen sich auf Angaben des Bundesamts für Gesundheit.

Gleich daneben stehen die geschätzten Einsparungen. Der Regler reagiert nicht direkt auf gewählte Massnahmen, weil sich die Fluktuation nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren lässt. Die Darstellung macht dennoch klar, dass bereits eine Reduktion der Fluktuationsrate von 23,9 auf 21,5 Prozent – was 10 Prozent oder 5080 Stellen entspricht – Einsparungen von bis zu 305 Millionen Franken bewirken könnten. Der Kostenrechner gibt an: Das deckt bis zu 45 Prozent der Mehrkosten, welche der Nationalrat für bessere Arbeitsbedingungen ausgeben will.

Gute Arbeitsbedingungen zahlen sich aus: Personalsuche und Einarbeiten ist aufwendig. (Bild: Keystone)

Der Kostenrechner ist auch eine Spielerei und bildet nicht alle Realitäten einer Pflegefachperson ab. Trotzdem ist der Ansatz hilfreich, weil die höheren Lohnkosten ins Verhältnis zu Einsparungen gesetzt werden. Für Ley ist das entscheidend: «Der Rechner zeigt schwarz auf weiss, dass sich bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege zu einem erheblichen Teil selbst finanzieren.»

Ob die Entscheidungshilfe gut ankommt und sich der Regler wieder mehr Richtung Bundesrat verschiebt, zeigt sich in Kürze – wenn die Gesundheitskommission des Ständerats ihre Variante zur Umsetzung der Pflegeinitiative präsentiert.

 
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