Paul-Grüninger-Strasse in Israel eingeweiht
Grüninger habe während des Zweiten Weltkriegs hunderte von Juden illegal die Einreise in die Schweiz ermöglicht, sagte Schneider-Ammann in seiner Rede zur Enthüllung des Strassenschilds in der viertgrössten Stadt Israels. Diese Menschen wurden damit vor dem Tod in den Gaskammern der Nazis gerettet.
"Die restriktive Flüchtlingspolitik der Schweiz, vor allem in den Jahren 1938 und 1942, ist sehr wahrscheinlich der dunkelste Moment unserer Geschichte", sagte der Bundesrat am letzten Tag seiner dreitägigen Nahostreise.
Grüninger nahm hunderte von Juden und andere Flüchtlinge trotz schweizerischer Grenzsperre in St. Gallen auf. Um sie zu schützen, missachtete er Weisungen des Bundes und Gesetze. 1939 entliess die St. Galler Regierung den Polizeikommandanten fristlos.
1940 wurde er wegen Verletzung der Amtspflichten und Urkundenfälschung verurteilt. Er wurde verfemt und später vergessen. Bis zu seinem Tod im Jahre 1972 lebte Grüninger in Armut.
Grüninger gegen den Strom
"Grüninger hat die helfende Hand ausgestreckt und entschieden, er könne nicht untätig sein, während wenige Kilometer entfernt Menschen seine Hilfe benötigten", sagte Schneider-Ammann: "Er entschied sich gegen den Strom, gegen den Zeitgeist und gegen etablierte Regeln und Prozeduren."
Grüninger habe entschieden, dass ethische Werte wichtiger seien als seine Pflicht als Polizeikommandant. Er habe Menschlichkeit über seine Karriere, seinen sozialen Status oder seine persönliche Gesundheit gestellt, sagte Schneider-Ammann: "Paul Grüninger stellte moralischen Mut über Apathie, Eigennutz und Bequemlichkeit."
Sein Beispiel bleibe eine Quelle riesiger Inspiration heutzutage, da die Welt unaufhörlich Unterdrückung, Krieg, massive Grausamkeiten und Verletzungen der Menschenrechte erlebe, sagte der Schweizer Bundesrat: "Jene, die Ungehorsam wagen, wenn sie mit Verbrechen und Ungerechtigkeit konfrontiert sind, retten Leben."
Strassenschild enthüllt
In Gedenken an Grüningers Wirken enthüllten Schneider-Ammann und der Bürgermeister von Rischon Lezion, Dov Zur, das Strassenschild mit Grüningers Namen. Auch Jacques Picard, Professor für moderne jüdische Geschichte und Kulturen in Basel und Mitglied des Stiftungsrats der Paul-Grüninger-Stiftung, war an der Zeremonie zugegen. In der Schweiz gibt es drei Orte, die Grüningers Namen tragen.
Schneider-Ammann sagte: "Heute können wir uns vor den gerechten Individuen verneigen, die persönliche Risiken eingingen, um Leben zu retten. Paul Grüninger war einer von ihnen."
Bürgermeister Dov Zur sagte, es sei wichtig, sich an den Mut und die Tapferkeit Grüningers zu erinnern - gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus und rechte Parteien auf dem Vormarsch seien. In diesen Zeiten des Zweifels sei Paul Grüninger ein scheinendes Licht, sagt Zur.
Schweiz muss Verantwortung tragen
"Die Schweiz kann nicht und darf nicht ihre Verantwortung leugnen", sagte Schneider-Ammann. 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1995 hatte sich die Schweiz entschuldigt. Der damalige Bundespräsident Kaspar Villiger hatte in einer aufsehenerregenden Erklärung gesagt: "Wir können uns nur in Schweigen vor jenen verneigen, die wir in Leiden, Gefangenschaft und Tod geschickt haben."
1993 rehabilitierte die St. Galler Regierung Grüninger politisch, und 1994 veröffentlichte der Schweizer Bundesrat eine Ehrenerklärung für den Polizeikommandanten und Flüchtlingsretter. 1995 wurde Grüninger auch vom Bezirksgericht St. Gallen in einer Wiederaufnahme des Prozesses freigesprochen und juristisch rehabilitiert.
1998 stimmte der Grosse Rat des Kantons St. Gallen einer materiellen Wiedergutmachung zu und entschädigte die Nachkommen Grüningers für die durch die fristlose Entlassung entstandenen Einbussen. (sda)
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