Fast jeder Sechste gerät an Betrüger – und die Menschen fühlen sich unsicherer
Mit seinen Bankkarten seien betrügerische Zahlungen erfolgt. Er müsse die Bankkarten zerschneiden, die Chips jedoch intakt lassen. Der 72-jährige Mann aus dem Kanton Freiburg tat, was ihm ein angeblicher Bankangestellter auftrug. Ein Kurier holte die Bankkarten ab, und in der Folge bezogen Betrüger im vergangenen April mehrere Tausend Franken von einem Bancomaten. So wie dem Rentner aus dem Kanton Freiburg geht es vielen Menschen in der Schweiz.
15,9 Prozent der Bevölkerung wurden innerhalb eines Jahres Opfer eines Betrugs oder eines Betrugsversuchs. Das ist fast jeder Sechste. Das zeigt die aktuelle Kriminalitätsbefragung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Universität St. Gallen. Frappant ist, dass gegenüber der letzten Kriminalitätsbefragung aus dem Jahr 2022 fast doppelt so viele Menschen an Betrüger gerieten. Die Masche mit den falschen Bankangestellten und Polizisten ist dabei auf dem Vormarsch und führt trotz umfangreicher Präventionsbemühungen immer noch häufig zum Ziel.
Für die repräsentative Studie wurden 2025 13'499 Personen im Alter von 16 bis 80 Jahren befragt. Sie zeigt, dass Menschen in der Schweiz generell öfter Opfer von Straftaten wie zum Beispiel Diebstahl, Einbruch oder Gewalt werden als bei der letzten Befragung. Das passt zur alljährlich publizierten polizeilichen Kriminalitätsstatistik des Bundesamts für Statistik; sie weist in den letzten Jahren einen Anstieg von Straftaten und Geschädigten aus.
Mehr Polizeipräsenz erwünscht
Es überrascht deshalb nicht, dass immer mehr Menschen fürchten, Opfer eines Delikts zu werden, und sich das Sicherheitsgefühl verschlechtert hat. 83,1 Prozent fühlen sich bei Einbruch der Dunkelheit sicher, wenn sie allein in ihrer Wohngegend unterwegs sind. 2022 waren es noch 87,6 Prozent. Passend dazu wünschen sich 37,9 Prozent (2022: 28,9 Prozent) im öffentlichen Raum mehr Polizei. Das Vertrauen in sie bleibt intakt.
Trotz des negativen Trends schlagen die Forschenden nicht Alarm. Die Bevölkerung nehme die Schweiz weiterhin als sicheres Land wahr, wird Nora Markwalder, Professorin für Strafrecht an der Universität St. Gallen, in einer Medienmitteilung zitiert. Sie sagt aber auch: «Die Entwicklung sollten wir ernst nehmen, ohne sie zu dramatisieren.»
Die Gründe für den Kriminalitätsanstieg vermag die Studie nicht mit Sicherheit zu klären. Die Forschenden erwähnen die Zunahme der Kriminaltouristen, die in die Schweiz kommen und Eigentumsdelikte begehen, als einen Faktor.
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