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Eine Schweizerin weiterhin vermisst: Diplomat in Nepal schildert Lage vor Ort

Er ist die Nummer zwei der Schweizer Botschaft in Nepal: Matthias Meier spricht im Interview über die Lage nach der verheerenden Flutwelle, betroffene Landsleute und die Hilfe des Bundes.
Matthias Meier erlebt die Lage vor Ort in Nepal mit. (Bild: Bilder: Keystone/zVg)

Sie sind stellvertretender Leiter der Schweizer Botschaft in Nepal und in der Hauptstadt Kathmandu stationiert. Wie erleben Sie die Stimmung nach der Flutkatastrophe?

Matthias Meier: Die Betroffenheit ist sehr gross. Man spricht auf der Strasse darüber, in den sozialen Medien, und natürlich auch unter unseren nepalesischen Kolleginnen und Kollegen. Nepal hat in den vergangenen Jahren immer wieder schwere Katastrophen erlebt. Nach dem schweren Erdbeben 2023 sind es nun die Überschwemmungen. Die Menschen sind bemerkenswert resilient. Das Ausmass dieser Flut überwältigt sie dennoch.

Haben Sie neue Informationen vom Ort des Geschehens?

Bereits über 300 Todesopfer sind bestätigt. Wir müssen leider davon ausgehen, dass diese Zahl noch deutlich steigen wird. Die Rettungsaktionen laufen, doch der Zugang zum Katastrophengebiet ist schwierig. Rund 20 Helikopter der nepalesischen Armee sind im Einsatz. Wir stehen in Kontakt mit Helfern vor Ort, aber die Telekommunikation ist instabil und fällt immer wieder aus. Ganze Teile von Dörfern wurden innerhalb von Sekunden von den Fluten erfasst.

Am Donnerstag galt zunächst eine Schweizerin als vermisst. Gemäss den nepalesischen Behörden wurde sie inzwischen gerettet. War die Schweizer Botschaft involviert?

Korrekt ist, dass heute zwei Schweizer Staatsangehörige aus dem Krisengebiet evakuiert werden konnten. Beide sind jetzt in Kathmandu, und wir stehen mit ihnen in Kontakt. Gemäss unseren Informationen geht es ihnen den Umständen entsprechend gut. Wir wissen allerdings von einer Schweizer Staatsangehörigen, die weiterhin vermisst wird. Wir stehen diesbezüglich in engem Kontakt mit den lokalen Behörden.

Können Sie genauere Angaben zu den beiden geretteten Personen machen?

Ich kann lediglich bestätigen, dass es sich um zwei Touristen handelte, die sich in der Region aufgehalten hatten. Durch das Gebiet führt eine bekannte Trekkingroute. Die Botschaft wurde sofort aktiv und setzte sich mit den lokalen Behörden, Tourismusorganisationen und Reiseveranstaltern in Verbindung. Die Evakuierung konnte schliesslich durch den Reiseveranstalter organisiert werden und wurde von der Botschaft eng begleitet.

Die Schweiz stellt eine Million US-Dollar für humanitäre Soforthilfe bereit. Wofür wird das Geld konkret eingesetzt?

Das Geld fliesst über UNO-Organisationen und dient unter anderem der Versorgung mit sauberem Trinkwasser und Nahrungsmitteln sowie für Notunterkünfte, medizinische Hilfe und psychologische Betreuung. Eine Entsendung von Rettungsteams aus der Schweiz ist nicht vorgesehen. Die Soforthilfe ergänzt die bereits laufende langfristige Unterstützung. Nepal ist ein Schwerpunktland der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Seit letztem Jahr besteht eine technische Zusammenarbeit im Bereich des Katastrophenmanagements, an der unter anderem die Universitäten von Genf und Zürich beteiligt sind. Die Schweiz hilft mit, dass sich Nepal in Zukunft besser gegen Naturgefahren schützen kann, etwa mit Fachwissen zu Frühwarnsystemen.

 
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