«Wir haben zu wenig genau hingeschaut»: Krankenkassenprämien steigen um 5 Prozent
14:59 Uhr
Dienstag, 29. September
So sieht die Situation in den Kantonen aus
Der Anstieg der mittleren Krankenkassenprämie fällt je nach Kanton unterschiedlich stark aus. Am happigsten fällt er im Kanton Jura aus: Hier steigen die Prämien um 6,6 Prozent oder 28.40 Franken pro Monat. Am besten kommen die Versicherten im Kanton Glarus weg, wo die mittlere Prämie um 3,0 Prozent beziehungsweise 10.70 Franken pro Monat ansteigt.
Die Höhe der individuellen Prämie hängt von Alter, Geschlecht, Wohnort sowie dem gewählten Versicherungsmodell ab (Höhe der Franchise und des Selbstbehalts, HMO- oder Hausarztmodell etc.).
14:39 Uhr
Dienstag, 29. September
Die Medienkonferenz ist zu Ende
Die letzte Frage geht wieder an Baume-Schneider: Ob sie sich bewusst sei, dass die 412 Franken pro Monat, welche die mittlere Prämie im Jahr 2027 beträgt, für viele Leute sehr viel Geld sei. Die Antwort der Bundesrätin: «Das ist mir sehr bewusst. Das ist viel Geld.»
Sie schliesst mit einem Appell an alle Akteure im Gesundheitswesen, gemeinsam noch mehr Anstrengungen zu unternehmen, um das Kostenwachstum zu bremsen.
Damit ist die Pressekonferenz zu Ende.
Bereits haben zahlreiche Parteien mit Medienmitteilungen auf den erneuten Prämienanstieg reagiert und Vorstösse angekündigt. Dass diese eine Trendumkehr bringen, darf bezweifelt werden.

14:35 Uhr
Dienstag, 29. September
Medikamentenrabatte: «Wir müssen mehr tun»
Im August kritisierte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem Bericht das Bundesamt für Gesundheit scharf. Das BAG hatte es versäumt ausreichend zu kontrollieren, dass Ärzte und Apotheken Rabatte für Medikamente an die Patientinnen und Patienten weitergeben.
Darauf angesprochen sagte Bundesrätin Baume-Schneider, das Gesetz sei ganz klar: «Die Patientinnen und Patienten müssen davon profitieren.» BAG-Direktorin Anne Lévy räumte ein: «Wir haben hier zu wenig genau hingeschaut. Wir müssen mehr tun.»
14:28 Uhr
Dienstag, 29. September
Wo beginnt die Eigenverantwortung?
Ein Teil des Kostenwachstums geht auf das gestiegene Bedürfnis der Versicherten nach Behandlungen zurück, sagte Baume-Schneider. Eine Journalistin will wissen, inwiefern der Bund auch an die Bevölkerung appelliere, auf unnötige Behandlungen zu verzichten.
Die Antwort übernimmt BAG-Direktorin Anne Lévy. Natürlich sei es wichtig, dass man gesund lebe und auf unnötige Behandlungen verzichte. Aber nebst der Eigenverantwortung der Versicherten stünden auch die Leistungserbringer in der Verantwortung, keine unnötigen Behandlungen zu verschreiben respektive durchzuführen.
Gesundheitsministerin Baume-Schneider teilt diese Ansicht: «Die Bevölkerung muss sich bewusst sein, dass die Inanspruchnahme von Leistungen immer Kostenfolgen hat, aber auch die Leistungserbringer stehen in der Verantwortung.»

14:24 Uhr
Dienstag, 29. September
Das KVG in den Abfalleimer werfen?
Ein Westschweizer Journalist will von Baume-Schneider wissen, ob es angesichts des ungebremsten Kostenwachstums nicht besser wäre, «das Krankenversicherungsgesetz (KVG) in den Mülleimer zu werfen».
Davon will Bundesrätin Baume-Schneider nichts wissen. Natürlich gebe es Fehlentwicklungen und Fehlanreize. «Der Markt ist ausreichend attraktiv, dass Akteure auf eine Art und Weise im Gesundheitswesen versuchen, Geld zu verdienen, die nicht akzeptabel ist für eine Sozialversicherung», sagt Baume-Schneider.
Die steigenden Prämien würden die Versicherten verunsichern, aber ebenso würde ein radikaler Bruch mit dem KVG für Unsicherheit sorgen.
14:19 Uhr
Dienstag, 29. September
Was sind die Gründe für den Anstieg?
Nun beginnt die Fragerunde. Eine Journalistin will wissen, was die Haupttreiber für die steigenden Kosten seien. Bundesrätin Baume-Schneider verweist auf eine im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit erstellte Studie. Diese besagt, dass nicht die Kosten pro Versichertem, sondern die Kosten pro kranker Person gestiegen sind. Das heisst im Falle einer Erkrankung werden mehr und teurere Behandlungen abgerechnet.
BAG-Direktorin Anne Lévy ergänzt, dass das einerseits mit den zusätzlichen medizinischen Möglichkeiten zur Behandlung von Krankheiten, andererseits mit dem grösseren Bedürfnis von Patienten nach Behandlungen zu tun habe. Die Studie der ZHAW habe zudem ermittelt, dass nur rund 20 Prozent des Kostenwachstums auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen sind, die restlichen 80 Prozent auf zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten.

14:11 Uhr
Dienstag, 29. September
Hoffnung auf die EFAS- und Prämienverbilliungs-Reformen
Zumindest eine Abschwächung des Kostenwachstums verspricht sich Baume-Schneider von der Umsetzung der «Einheitlichen Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen» (EFAS), welche die Bevölkerung im Herbst 2024 angenommen hat. Diese wird im Jahr 2028 wirksam und verschiebt die Kosten für die Prämienzahlenden hin zu den Kantonen und somit zu einer Finanzierung über Steuereinnahmen.
Für jene Einkommensklassen, die unter den hohen Prämien besonders leiden, sollen die Änderungen bei den Prämienverbilligungen, die den Kantonen gewisse Mindestleistungen vorschreiben, Linderung bringen. Diese wurden als Gegenvorschlag zur SP-Prämien-Entlastungsinitiative beschlossen.
Bis Ende 2029 müssen alle Kantone ein Sozialziel vorlegen. Dieses nennt eine Obergrenze für den Anteil der Krankenkassenprämien am Haushaltseinkommen, erläutert BAG-Chefin Anne Lévy. Liegen sie darüber, müssen Bund und Kantone mit Prämienverbilligungen einspringen.
Doch angesichts der Alterung der Bevölkerung und der medizinisch-technischen Innovationen bleibe das Kostenwachstum eine Herausforderung: «Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen am gleichen Strick ziehen», so Gesundheitsministerin Baume-Schneider.

14:07 Uhr
Dienstag, 29. September
Nachholbedarf bei den ambulanten Tarifen
Im Blick behalten will Gesundheitsministerin Baume-Schneider auch das neue Tarifsystem im ambulanten Bereich (Tardoc), das in diesem Jahr eingeführt worden ist.
Dort gebe es Fehlanreize, die von den Tarifpartnern erkannt worden seien. Zum Teil würden Leistungsanbieter Patienten zweimal zur selben Behandlung aufbieten, weil es sich finanziell mehr lohne, als diese Behandlung in einem Termin durchzuführen. Der Bundesrat werde den Tarif für das nächste Jahr nur dann bewilligen, wenn er seine Ziele, etwa die Stärkung der Grundversorgung, erreiche.
14:01 Uhr
Dienstag, 29. September
Angehörigenpflege als Problem
In der Schweiz geniesse jede und jeder einen Zugang zu einer hervorragenden Gesundheitsversorgung, sagt Baume-Schneider. Doch diese gute Gesundheitsversorgung habe einen Preis. Die Kosten dafür und somit die Krankenkassenprämien stiegen seit Jahren an.
Die Anzahl der Behandlungen würde ansteigen und führe zu höheren Kosten. Ein Teil dieser Ausweitung sei politisch gewollt und sei positiv, solange diese Behandlungen einen echten Mehrwert bringen würden.
So gebe es zum Beispiel für Menschen mit psychischen Leiden einen besseren Zugang zu Behandlungen: «Das ist wichtig, wertvoll und erwünscht.» Doch teilweise führten die Leistungserweiterungen im Grundkatalog zu unerwünschten Nebenwirkungen.
Im Bereich der Angehörigenpflege gebe es Firmen, die unstatthafte Gewinne auf Kosten der Versicherten erzielen würden. Das wolle sie gemeinsam mit dem Parlament angehen.

14:00 Uhr
Dienstag, 29. September
Nun spricht Gesundheitsministerin Baume-Schneider
SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider wird der Öffentlichkeit einmal mehr einen Anstieg der Krankenkassenprämien erklären. Neben ihr auf dem Podium sitzt Anne Lévy, Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG).

13:47 Uhr
Dienstag, 29. September
Prämien steigen um durchschnittlich 5 Prozent
Auch im nächsten Jahr steigen die Krankenkassenprämien an. Wie der Bundesrat mitteilt, beträgt die mittlere Krankenkassenprämie im Jahr 2027 412 Franken pro Monat.
Das entspricht einem Anstieg von 5,0 Prozent oder 19.70 Franken pro Monat.
Auf das ganze Jahr betrachtet, kostet die mittlere Krankenkassenprämie somit knapp 5000 Franken pro Jahr.
Die steigenden Krankenkassenprämien sind eine direkte Folge der weiterhin wachsenden Kosten in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP). Im vergangenen Jahr betrug das Kostenwachstum 5,3 Prozent, was über dem durchschnittlichen Kostenwachstum seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahr 1996 liegt.
Für das laufende Jahr 2026 ist die Kostenentwicklung gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) schwieriger vorauszusagen, da es aufgrund der Umstellung auf das neue Tarifsystem im ambulanten Bereich (Tardoc) zu Rechnungsverzögerungen kommt. Dennoch gebe es aktuell keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Anstiegs», hält der Bund fest.
Zu den Treibern des Kostenwachstums und somit des Prämienanstiegs gehören die Alterung der Bevölkerung und die medizinischen Innovationen. Pro erkrankter Person steigen die Kosten an, was auf die gestiegene Anzahl von Behandlungen zurückzuführen sei.
Die Krankenkassenprämien seien für viele Versicherte eine spürbare Belastung, hält der Bundesrat fest.

Anstieg erwartet – Baume-Schneider informiert um 14 Uhr
Die Krankenkasse frisst Jahr für Jahr einen grösseren Teil des Budgets. Auch 2027 dürften die Prämien wieder steigen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rechnet für 2027 mit einem Anstieg von bis zu fünf Prozent – mit kantonal grossen Unterschieden.
Wie happig der Aufschlag tatsächlich wird, wird heute Nachmittag bekannt. An einer Medienkonferenz um 14 Uhr wird Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider die definitiven Zahlen verkünden.
Im vergangenen Jahr sind die Prämien im Schnitt um 4,4 Prozent gestiegen. Etwas weniger stark als in den Vorjahren – und trotzdem für viele schmerzhaft: Für eine erwachsene Person ab 26 Jahren bedeutete dies Mehrkosten von 18.50 Franken pro Monat. Die mittlere monatliche Prämie beträgt mittlerweile 465 Franken – was über 5500 Franken im Jahr entspricht.

Das Prämienwachstum spiegelt die Entwicklung der Gesundheitskosten. 2025 sind die Kosten der obligatorischen Krankenversicherung um 5,3 Prozent gestiegen. Im Schnitt verursachte eine Person in diesem Zeitraum Kosten von knapp 5000 Franken. Besonders stark stiegen die Kosten für Spitexleistungen, Psychotherapie und Psychologie.
Aktuelle Zahlen der Versicherer zeigen, dass die Gesundheitskosten im ersten Halbjahr 2026 etwas gesunken sind. Der Grund dafür ist allerdings nicht, dass die Menschen tatsächlich weniger zur Ärztin oder zum Arzt gehen. Vielmehr gibt es einen Abrechnungsstau bei den Spitälern wegen IT‑Problemen. Hintergrund ist die Einführung neuer ambulanter Tarife und Pauschalen.
Was die Entwicklung der Gesundheitskosten betrifft, befinden sich Kassen und Bund darum aktuell zu einem gewissen Grad im Blindflug. Das macht das Festlegen der künftigen Prämien schwierig.
Verfolgen Sie die Medienkonferenz ab 14 Uhr im Stream und Ticker.
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Krankenkassenprämien
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