Snapchat-Gangster rauben Schweizer Hotels aus – und werden live per Video gecoacht
Seit Monaten häufen sich in der Schweiz Einbrüche in Autogaragen und Waffengeschäfte. Die Täter: Junge Franzosen aus der Banlieue, die in den sozialen Medien angeheuert werden und Verbrechen auf Bestellung begehen. Nun zeigt sich: Auch Hotels geraten ins Visier solcher krimineller Netzwerke.
Anfang dieser Woche verurteilte das Kriminalgericht in Vevey drei Männer aus Lyon zu Gefängnisstrafen von sechs, viereinhalb und dreieinhalb Jahren. Wie die Waadtländer Tageszeitung «24heures» aus dem Gerichtssaal berichtete, gestanden die knapp über 20-Jährigen die Taten. Sie überfielen zwischen Ende 2023 und April 2025 neun Hotels in den Kantonen Waadt, Bern, Wallis und Neuenburg. Betroffen waren unter anderem Drei- und Viersternehotels in Gstaad. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Mehrere tausend Franken erbeutet
Überführt wurden die drei Franzosen durch DNA-Spuren und Überwachungskameras. In der Anklageschrift beschreibt die Staatsanwaltschaft, dass die Bande stets in der Nacht zuschlug, wenn nur noch ein Angestellter im Hotel die Stellung hielt. Ein Mitglied klingelte unverhüllt an der Tür, sodass der Rezeptionist Einlass gewährte. Das ermöglichte es seinen vermummten Komplizen, ins Gebäude zu gelangen.
Gemeinsam überwältigten sie den Angestellten und verlangten die Codes für den Hoteltresor. Mal bedrohten sie ihre Opfer mit Pfefferspray, mal fesselten sie sie mit Klebeband an einen Stuhl, mal wendeten sie Gewalt an. Die gestohlenen Beträge beliefen sich teils auf mehr als 4000 Franken.
Der Fall ist auch deshalb von Interesse, weil er aufzeigt, wie detailliert die jungen Handlanger aus Frankreich angeleitet werden – bis hin zur Videokonferenz während des Überfalls.
Die drei verurteilten Männer handelten den Ermittlungen zufolge im Auftrag zweier Franzosen. Einer von ihnen konnte bislang nicht identifiziert werden. Der andere ist bald 30 Jahre alt und derzeit in Frankreich inhaftiert. Die beiden rekrutierten junge Männer über Snapchat oder über weitere Personen aus ihrem Netzwerk.
Über 360 Handlanger identifiziert
Die Überfälle wurden sorgfältig vorbereitet. Zunächst liessen die Auftraggeber mehrere Hotels auskundschaften. Danach wählten sie die Handlanger für die entsprechende «Mission» aus und fügten diese einer Snapchat-Gruppe hinzu. Darin gaben sie Anweisungen durch: von der Adresse des Hotels über die Uhrzeit des Überfalls bis hin zu Informationen über die spezifische Lage vor Ort.
Für einen Überfall auf ein Hotel in Martigny erhielten die drei Franzosen beispielsweise ein Foto des Gebäudes. Darauf war jene Tür eingekreist, durch die sie ins Hotel gelangen sollten. Laut Staatsanwaltschaft verfolgten die Auftraggeber die Überfälle live mit, wobei sie per Telefon oder per Videokonferenz mit ihren Handlangern in Kontakt blieben und ihnen in Echtzeit Anweisungen gaben. Die Liveübertragung scheint den kriminellen Auftraggebern also dazu gedient zu haben, die korrekte Ausführung des Auftrags zu überwachen.
Dass junge Franzosen ihre Einbrüche filmen, ist auch von den Angriffen auf Waffengeschäfte und Autogaragen bekannt. In diesen Fällen gab das Bundesamt für Polizei (Fedpol) an, dass die Hintermänner dies häufig von den Jugendlichen verlangen. Sie nutzten die Aufnahmen als Propagandamaterial und als Druckmittel, um die jungen Männer zu weiteren Straftaten zu bewegen.
Fedpol leitet mit der Kantonspolizei Zürich eine Taskforce, um solche kriminellen Netzwerke zu bekämpfen. In den letzten eineinhalb Jahren wurden mindestens 360 Handlanger identifiziert, die über soziale Medien für Verbrechen in der Schweiz angeheuert wurden.
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