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Der Rhein trocknet aus – doch jetzt zeichnet sich die Wende beim Wetter ab

Flüsse trocknen aus, die Schifffahrt wird eingeschränkt, die Hitze lässt die Schweiz schwitzen. Immerhin: Die derzeitige Hitzewelle dürfte die letzte in diesem Sommer sein.
von Linda Leuenberger
Der Pegelstand, der hier in Kaub gemessen wird, gilt als Referenzwert für die Rheinschifffahrt. In der Mitte steht die Zollburg auf einer ausgetrockneten Sandbank. (Bild: Bild. Keystone / Michael Probst)
Ein Containerschiff fährt am 6. August mit geringer Ladung bei Niedrigwasser an Düsseldorf vorbei. (Bild: Keystone / Oliver Berg)

Der Rhein trocknet aus: Kommt die Schifffahrt zum Erliegen?

Es könnte sein. Der Pegel des Rheins ist an mehreren Messpunkten auf ein Rekordtief gesunken. Nun schlagen Schifffahrtsverbände in Deutschland und der Schweiz Alarm: An der entscheidenden Engpassstelle im deutschen Kaub zwischen Koblenz und Mainz könnte der Pegel gegen Ende Woche so tief sinken, dass Schiffe nicht mehr passieren können. Der Rhein wäre damit zweigeteilt – und eine der wichtigsten Verkehrsadern Europas gekappt.

Momentan liegt der Pegel in Kaub bei 14 Zentimetern. Die Fahrrinne für Schiffe ist hier auch unter normalen Umständen herausfordernd zu passieren, weil der Rhein hier vergleichsweise flach ist. Im Verlauf der Woche soll der Pegel unter zehn Zentimeter fallen. Das sind neue Dimensionen: Der bisherige Tiefstand stammt aus dem Hitzejahr 2018 und lag noch deutlich höher bei 25 Zentimetern.

Der Pegelstand, der hier in Kaub gemessen wird, gilt als Referenzwert für die Rheinschifffahrt. In der Mitte steht die Zollburg auf einer ausgetrockneten Sandbank. (Bild: Bild. Keystone / Michael Probst)

Was bedeutet das für die Schweiz?

Der Rhein verbindet die Schweiz mit dem Meer und internationalen Märkten. Rund zehn Prozent der importierten Güter kommen über diesen Wasserweg ins Land. Besonders relevant sind hierzulande die Nordseehäfen Antwerpen und Rotterdam. Von da gelangen Waren auf direktem Weg nach Basel. Wenn das nicht mehr möglich ist, müssen die Güter in Köln auf andere Verkehrsmittel umgeladen werden, zum Beispiel auf Züge oder Lastwagen. Der Hafen in Basel würde an Bedeutung verlieren.

«Das stellt nicht nur die Wirtschaft vor Herausforderungen, sondern gefährdet auch die Versorgungssicherheit der Schweiz», schrieben die Handelskammer beider Basel und der Schweizerische Schiffahrts- und Hafenverband schon vergangene Woche in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie fordern die Zentralkommission für Rheinschiffahrt ZKR auf, Strategien zu entwickeln, um die Verkehrsachse zu sichern und die Rheinschifffahrt auch in künftigen Niedrigwasserphasen zu gewährleisten. Die Schweiz präsidiert momentan die ZKR.

Ein Containerschiff fährt am 6. August mit geringer Ladung bei Niedrigwasser an Düsseldorf vorbei. (Bild: Keystone / Oliver Berg)

Droht ein Engpass an lebenswichtigen Gütern?

Derzeit nicht. Die Versorgung der Schweiz mit lebenswichtigen Gütern ist laut dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL gewährleistet. Dazu gehören etwa Benzin, Getreide oder Dünger. Momentan plant das BWL keine Massnahmen.

Allerdings können die Schiffe auf dem Rhein schon jetzt nur mit deutlich weniger Ladung oder gar nicht mehr verkehren, schreibt das BWL. Das schränke den Import lebenswichtiger Güter in die Schweiz erheblich ein. Engpässe könnten bis zu einem gewissen Grad etwa via Schiene, Strasse oder Pipeline kompensiert werden.

Klar ist: Das Umladen von Gütern auf andere Verkehrsmittel wäre aufwendig und teuer. Die Kosten für Grundnahrungsmittel wie Brot oder Futter könnten steigen, berichtet SRF.

Wie steht es um die Schweizer Flüsse und Seen?

Nebst dem Rhein befinden sich auch die Pegel aller anderen Schweizer Flüsse und Seen auf historischen Tiefs. Bemerkenswert ist insbesondere der Vergleich zu den Daten aus 2018, dem bisher wärmsten Jahr der Schweiz seit Messbeginn. Hitze, Trockenheit und Wasserpegel lieferten schon damals neue Rekordwerte, welche das Jahr 2026 nun nochmals über- beziehungsweise unterbietet.

An der Aare sind wegen des tiefen Pegels Sprünge ins Wasser gefährlicher als sonst. Wie Plattform J berichtet, patrouilliert die Kantonspolizei Bern nun vermehrt entlang des Flusses und mahnt zur Vorsicht. Im Thurgau führt die Thur so wenig Wasser, dass vier Kraftwerke den Betrieb einstellen mussten.

Am Bodensee fahren die Schiffe nur noch nach dem Niedrigwasser-Fahrplan, weil gewisse Strecken nicht befahrbar sind. Am Ufer hat sich das Wasser so weit zurückgezogen, dass einige Boote auf Sandbänken liegen. Auf dem Zürichsee hat die Schifffahrtsgesellschaft der Bootsbetrieb eingeschränkt - einige Rundfahrten hat sie mittlerweile ganz gestrichen.

Regnet es nächste Woche endlich wieder?

Es sieht ganz danach aus! In der aktuellen Woche wird es vereinzelt in den Alpen gewittern, ansonsten bleibt die Schweiz trocken. Umso besser also, deutet momentan alles darauf hin, dass der Trend nächste Woche kehrt.

Der Meteorologe Klaus Marquardt von Meteonews spricht von einer Trogwetterlage, die kommen könnte. Das ist ein Gebiet mit tiefem Luftdruck, das die Temperaturen drosselt und für Niederschlag sorgt. Das Wetter dürfte zudem wieder wechselhafter werden. Vorstellbar wären also intensive, kurze Gewitter, die von Sonnenschein abgelöst werden.

Trifft der Best Case ein, dürfte es in der Schweiz kommende Woche jeden Tag regnen. Leider nicht grossflächig, sondern regional unterschiedlich, mal gewitterts hier, mal schüttets da. Aber immerhin.

«Wenn es die Woche hindurch überall ein bisschen regnet, haben gegen Ende der Woche alle Regionen etwas davon abgekriegt», sagt Marquardt. Insbesondere im Jura- und dem Voralpengebiet dürfte es nass werden.«Wir wollen aber nicht zu viel versprechen. Es ist noch etwas früh für die Prognose.»

Und es wäre eine Illusion, zu glauben, dass der Regen die Pegel der Schweizer Gewässer in den Normalzustand zurückbringt. Marquardt: «Dafür müsste es wohl einen ganzen Monat immer wieder grossflächig regnen.»

Ist das die letzte Hitzewelle des Jahres?

Wahrscheinlich schon. «Das Hochsommerfinale ist jetzt», sagt der Meteorologe Klaus Marquardt von Meteonews über die aktuelle Woche, die nochmals gehörig heiss ist. Danach kühlt es ab. Obwohl «kühlen» wohl das falsche Wort ist: Mit um die 25 Grad bleibt es auch nächste Woche sommerlich. Marquardt hält es zudem für möglich, dass die Temperaturen selbst im September noch die 30-Grad-Marke knacken.

Aber: Der Hitzewellen-Sommer dürfte diese Woche seinen Höhepunkt erreichen. Schlimmer wird es nicht mehr. Schon nur, weil die Tage und damit die Dauer des Sonnenscheins kürzer werden. Im Spätsommer braucht die Sonne länger, um auf 30 Grad zu heizen – und wenn sie es schafft, geht sie bald schon wieder unter.

Was macht der Hitzesommer mit der Gesundheit?

Während der Hitzeperiode zwischen Mitte Juni und Mitte Juli wurde in der Schweiz teilweise eine Übersterblichkeit registriert. Insgesamt starben 400 Personen mehr als erwartet. Betroffen sind ausschliesslich Senioren. Dieser Wert übertrifft jenen aus dem Hitzesommer 2015. Damals starben 384 Senioren mehr, als statistisch erwartbar gewesen wären. Bei den aktuellen Zahlen gibt es gewisse Unsicherheiten: Die Meldungen über Todesfälle treffen oftmals mit Verspätung bei den Statistikern des Bundes ein.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/schweiz/hitzewelle-in-der-schweiz-letzte-heisse-phase-dieses-sommers-art-750740

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