Städte, Wasser, Gletscher: Ein Rekordsommer mit Folgen
Dieser Sommer bricht Rekorde und toppt auch den Hitzesommer 2003: 43 Hitzetage in Bern, 54 Hitztage in Basel, über 60 Hitztage in Locarno und Visp. Das ist die bisherige Bilanz. Regen fiel kaum. Der menschengemachte Klimawandel ist da, da sind sich viele einig.

Die Städte spüren die Folgen dieses Klimawandels besonders hart. Hanspeter Hilfiker (FDP), Präsident des Schweizer Städteverbandes, fordert im Interview mit «SonntagsBlick» deshalb jetzt einen nationalen Aktionsplan: «Die Anpassung an den Klimawandel ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.» Diese könne nur im Verbund mit Bund und Kantonen bewältigt werden.
Hilfiker fordert unter anderem mehr Befugnisse bei der Entsiegelung der Böden und finanzielle Unterstützung. Zudem sei ein koordiniertes Vorgehen für alle Städte wichtig. Es brauche einen nationalen Kraftakt. Dem Vorschlag von Umweltminister Albert Rösti, primär auf Klimaanlagen zu setzen, erteilt Hilfiker eine Absage. Diese könnten nur ein «kleiner Puzzlestein in einem grossen Katalog von Massnahmen sein, die nötig sind, um unsere Städte in der Hitze lebenswert zu erhalten.»
Städte sind auf Klimawandel nicht vorbereitet – obschon es Lösungen gäbe
Besonders die Städte werden vom Klimawandel überrollt. «Ich bin überrascht, dass alle so überrascht sind», sagt der Klimaforscher Edouard Davin von der Universität Bern zu «SonntagsBlick». Seit Jahren warnen Klimaforschende vor den Folgen des Klimawandels – und arbeiten an Lösungen, um unsere Städte an die neue Realität anzupassen. Helle Fassaden, Begrünung und das Schwammstadt-Prinzip sind erprobte Ansätze. In der Schweizer Politik sind diese Lösungen bisher nur Fachpolitikern bekannt. Vor allem die Bundespolitik verliert sich lieber in politischen Grabenkämpfen. Auf städtischer Ebene ist man weiter: «Wir prüfen den Ausbau von Fernkälte», sagt die Berner Stadtplanerin Jeanette Beck.
Auf die Dürre war die Schweiz gar nicht vorbereitet
Auch mit dem Wassermangel hat keiner gerechnet. Stellt sich die Frage: Wer hat den Vorrang, wenn das Wasser plötzlich nicht mehr für alle reicht? Nach diesem Hitzesommer, der weite Teile des Landes austrocknete, muss sie beantwortet werden. Hydrologe Tobias Wechsler nimmt in der «SonntagsZeitung» vor allem die Kantone in die Pflicht, die die Hoheit über die Ressource Wasser haben: Sie müssten dringend Wasserstrategien ausarbeiten.

«Peak Gletscher ist erreicht»: Wasserabfluss versiegt, Experten fordern Staudämme
Während der letzten Jahrzehnte waren die Gletscher noch die zuverlässigen Wasserlieferanten, ihr Abfliessen nahm wegen steigender Temperaturen sogar noch zu. Auch in diesem Sommer führen Flüsse aus Gletscherregionen trotz Hitze und Dürre verhältnismässig noch viel Wasser. Doch nun beginnt auch diese Quelle zu versiegen. «Der Peak ist erreicht», sagt Matthias Huss, Glaziologe an der ETH Zürich und Leiter des Schweizer Gletschermessnetzes, in der «NZZ am Sonntag». «Für die kommenden Hitzesommer können wir nicht mehr mit so viel Schmelzwasser rechnen wie dieses Jahr», sagt er.

Bis 2100 werde es nur noch Reste oder gar keine Gletscher mehr geben – dann sei das Wasserreservoir für den Sommer leer. Fachleute wollen deshalb den Bau von zusätzlichen Stauseen in den Bergen forcieren, um das Wasser in den Bergen zurückzuhalten. «Man sollte das Schmelzwasser nicht einfach abfliessen lassen», sagt der emeritierte ETH-Professor für Systemökologie Andreas Fischlin, der über dreissig Jahre beim Weltklimarat mitgearbeitet hat, in der «NZZ am Sonntag». Und: «Stauseen können einen Beitrag leisten, um den vom Klimawandel verursachten Wassermangel im Sommer abzufedern.» Allerdings zeichnen sich hier Konflikte zwischen Naturschutz, Stromproduktion und Wassernutzung ab, schreibt die Zeitung. (has)
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