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AKW brauchen mehr Wasser als die Schweizer Landwirtschaft

Die Schweiz leidet unter massiver Trockenheit. Während sich das Parlament mit den Folgen des Hitzesommers beschäftigt, nimmt Greenpeace die Atomkraftwerke ins Visier.
Die beiden AKW Gösgen und Leibstadt verbrauchen durch Verdungstung jährlich etwa 35 Millionen Kubikmeter Wasser. (Bild: Bruno Kissling)

Der Sommer ist vorbei, die politische Debatte über seine Folgen hat erst begonnen. Besonders die Dürre beschäftigt weiterhin: Flüsse und Seen führen teils historisch wenig Wasser, während die Böden weiter austrocknen. Dutzende Vorstösse wurden in der laufenden Session zum Thema eingereicht – Politiker und Politikerinnen von links bis rechts sorgen sich um das Wasserschloss Schweiz.

In diese Diskussion schaltet sich nun die Umweltorganisation Greenpeace ein – und lenkt den Blick auf die Atomkraft. Laut einem neuen Bericht der Umweltorganisation benötigen die beiden Atomkraftwerke (AKW) Gösgen und Leibstadt jährlich zusammen fast 140 Millionen Kubikmeter Wasser aus Aare und Rhein. Rund ein Viertel davon, mehr als 35 Millionen Kubikmeter, verdunstet in den Kühltürmen und gelangt damit nicht zurück in die Flüsse.

Gleichauf mit der Landwirtschaft

Greenpeace vergleicht diese Menge mit der Landwirtschaft. Für die Bewässerung benötige diese schätzungsweise 10 Millionen Kubikmeter in einem nassen und bis zu 40 Millionen in einem trockenen Jahr. Gösgen und Leibstadt verbrauchten durch Verdunstung zusammen also ungefähr so viel Wasser wie die gesamte Landwirtschaft in einem trockenen Jahr.

Dass AKW den Wasserverbrauch stark beeinflussen können, zeigen Zahlen aus Deutschland. Dort sank der Verbrauch der Wirtschaft zwischen 2019 und 2022 um fast 17 Prozent oder 2,56 Milliarden Kubikmeter. Massgeblich verantwortlich dafür waren laut dem Statistischen Bundesamt die Energieversorger: Zwischen den beiden Erhebungen wurden drei Kernkraftwerke vorübergehend vom Netz genommen.

FDP-Nationalrat spricht von «Empörungsstudie»

FDP-Nationalrat und Energiepolitiker Christian Wasserfallen spricht von einer «Empörungsstudie». Die Zahlen seien für die Debatte über neue AKW nur beschränkt aussagekräftig, denn mögliche neue AKW wären deutlich effizienter. «Man wird sicher kein Kernkraftwerk mit Flusskühlung bauen und die Verwendung der Abwärme sollte diskutiert werden.» Und ein Grossteil der Stromproduktion finde im Winter statt, wo die Kühlung wenig problematisch sei. Im Sommer habe sich gezeigt, dass die AKW zuverlässig Strom produzieren.

Wie hoch der Wasserverbrauch neuer AKW wäre, hinge von Bauart und Kühlsystem ab. Den Hitzesommer in Erinnerung, dürfte die Wasserfrage im anstehenden Abstimmungskampf  dennoch Thema werden. Das Parlament hat im Juni das Verbot für neue AKW aufgehoben, dagegen wurde das Referendum ergriffen. Frühestens im Februar 2027 kommt die Vorlage vors Volk.

 
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