Identifikation und Behandlung der Opfer von Crans-Montana ist schwierig
Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana hat die Identifikation der Opfer Priorität, damit Angehörige der am Unglücksort Anwesenden so rasch wie möglich Gewissheit erhalten. Der Prozess gestaltet sich aber schwierig und wird laut der Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud noch «längere Zeit» andauern. Dies, obwohl man «erhebliche» Mittel dafür einsetze, wie Pilloud an der Medienkonferenz am Donnerstagabend sagte.

Mehrere Umstände erschweren die Identifikation und sorgen für eine längere Wartezeit, wie unter anderem der Tages-Anzeiger berichtet:
- Die Brandverletzungen von vielen Opfern sind derart schlimm, dass diese nicht mehr erkennbar sind. Selbst zuverlässige Identifikationsmerkmale wie Fingerabdrücke sind nicht mehr verwertbar. Deshalb müssen in vielen Fällen DNA-Proben genommen und mit potenziellen Angehörigen abgeglichen werden – das nimmt Zeit in Anspruch und kann für Angehörige sehr belastend sein.
- Erschwert wird der DNA-Abgleich noch, wenn Opfer aus dem Ausland stammen. Dies ist in Crans-Montana der Fall. Wie die Behörden bestätigten, sind auch zahlreiche ausländische Gäste unter den Betroffenen, bestätigt sind Opfer aus Frankreich und Italien. Der Transport von Proben nimmt Zeit in Anspruch, zudem verwenden nicht alle Länder die gleichen Methoden, was ebenfalls zu Verzögerungen führen kann.
- Im Vergleich zu anderen Katastrophen, wie beispielsweise Flugzeugabstürzen, existieren bei einer frei zugänglichen Bar wie dem betroffenen Lokal in Crans-Montana keine Listen mit den Anwesenden. Es ist nicht klar, wer sich dort wann genau aufgehalten hat. Das führt dazu, dass sich mehr besorgte Angehörige melden, was wiederum zu mehr Arbeit für die Ermittelnden führt.
- Ebenfalls erschwerend wirkten auch die Umstände im zwar international bekannten, aber vergleichsweise abgelegenen Alpenort Crans-Montana. Obwohl die Rettungskräfte in grosser Anzahl anrückten und zahlreiche Helikopter im Einsatz standen, waren und sind Transport und Triage der Opfer zeitintensiv. Betroffene wurden unter anderem nach Zürich und in die Ostschweiz, aber auch nach Frankreich, Italien und Deutschland zur Behandlung gebracht.
Die Identifikation von Opfern ist ein äusserst sensibler Prozess. Weil Verwechslungen mit hundertprozentiger Gewissheit ausgeschlossen werden müssen, ist das Unterfangen – gerade unter erschwerten Bedingungen wie in Crans-Montana – langwierig.
Doch nicht nur die Identifikation der Todesopfer ist schwierig, auch die Behandlung der Verletzten ist heikel. 80 Opfer befinden sich Stand Donnerstagabend in kritischem Zustand, sie haben teilweise erhebliche Brandverletzungen erlitten.
Der Chefarzt des Krankenhauses in Morges und Spezialist für Brandverletzungen, Wassim Raffoul, erklärte gegenüber RTS, dass einige Opfer Verbrennungen erlitten hatten, die 60 Prozent der Körperoberfläche betreffen.
Gemäss Raffoul hat das Universitätsspital in Lausanne, das unter anderem auf Brandverletzungen spezialisiert ist, «etwa dreizehn erwachsene und acht minderjährige Brandverletzte aufgenommen», bei denen die Verbrennungen fast zwei Drittel des Körpers beträfen. Bereits ab zehn bis zwanzig Prozent betroffener Körperoberfläche gelten Brandopfer als schwer verletzt, eine langfristige Behandlung ist notwendig.
Die Behandlung von Brandverletzungen nimmt laut Raffoul grundsätzlich viel Zeit in Anspruch, wegen der Wundreinigung, da ein hohes Infektionsrisiko besteht, aber auch, weil in vielen Fällen Hauttransplantationen nötig sind. Diese erfordern eine Behandlungszeit von mehreren Wochen oder gar Monaten.

Auch der Personal- und Zeitaufwand für die Behandlung von schweren Brandverletzungen ist immens, wie Marcel Schlatter, Sprecher des Unispitals Zürich, gegenüber RTS erklärt. Beispielsweise muss bereits bei einem Verbandswechsel eine Vollnarkose vorgenommen werden, wofür jeweils ein ganzes Team mobilisiert werden muss.
Im Fall von Crans-Montana erschweren die Umstände am Unglücksort, unter denen die Betroffenen litten, die Genesung zusätzlich. Weil in dem Raum wegen der enormen Hitze auch Kunststoffe verbrannten, enstanden hochgiftige Dämpfe, die die Opfer einatmeten. Darüber hinaus kam es aufgrund der Panik im Keller der Bar bei einigen Opfern zu Quetschungen, Knochenbrüchen und Blutungen.
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