Migranten als Druckmittel: Ceuta zeigt, wie erpressbar Europa ist
Ausgestanden ist die Krise nicht. Einige tausend Menschen halten sich noch in Ceuta auf, darunter viele Minderjährige. Familien suchen nach Angehörigen. Mehr als 100 Menschen sind beim Versuch, in die spanische Exklave zu gelangen, gestorben. Trotzdem ist in Europa Erleichterung zu spüren. Der Grossteil der 70'000 Marokkaner ist zurückgekehrt; der «Migrantenansturm» unter Kontrolle.
Dabei hat die Krise gezeigt, wie verwundbar Europa ist. Vor wenig fürchten sich westliche Regierungen mehr als vor den Bildern einer unkontrollierten Massenflucht. Das Thema Migration polarisiert wie kein anderes. Die EU-Staaten gerieten sich denn auch erst einmal in die Haare. Italien setzte Schengen gegenüber Spanien aus, Frankreich schickte zusätzliche Zolleinheiten in die Pyrenäen. Und auch die SVP forderte systematische Grenzkontrollen.
Vieles deutet darauf hin, dass die marokkanische Regierung die Massenmigration zumindest geschehen liess. Und genau jene Reaktionen provozierte, die folgten. Denn Massenmigration ist ein altes und zynisches Mittel, um andere Staaten zu erpressen. Der libysche Ex-Diktator Gaddafi spielte erfolgreich mit dieser Drohung, genauso wie der türkische Präsident Erdogan – und schon viel früher Fidel Castro. Eine wissenschaftliche Untersuchung identifizierte zwischen 1951 und 2006 56 eindeutige Fälle, in denen Massenmigration als Druckmittel eingesetzt worden ist. Und das äusserst wirksam.
Im Fall von Ceuta mögen das Europas Regierungen nicht aussprechen. Auch Justizminister Beat Jans vollführte im Interview mit «Schweiz heute» einen regelrechten Eiertanz. Er lobte Marokko für die Zusammenarbeit bei der Bewältigung der Krise und betonte die Bedeutung des partnerschaftlichen Dialogs. Gleichzeitig räumte er ein: Wer im Migrationsbereich Lösungen mit Drittstaaten suche, müsse sich bewusst sein, dass dadurch Abhängigkeiten entstehen können.
Etwas weniger diplomatisch heisst das: Marokko besitzt mit der Migration einen mächtigen politischen Hebel. Europa ist darauf angewiesen, dass Rabat Menschen an der Weiterreise hindert. Marokko weiss deshalb auch, was geschieht, wenn es das nicht mehr tut. Ceuta hat Europa gerade wieder daran erinnert.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben






Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.