Amaudruz will Bundesrätin werden – und ist empört über die Mutter-Frage
Vor elf Jahren half Céline Amaudruz ihrem Parteikollegen Guy Parmelin als Wahlkampfleiterin in den Bundesrat. Nun will die Genfer SVP-Nationalrätin selbst seine Nachfolge antreten. Am Donnerstagmorgen erklärte die 47-Jährige in Genf offiziell ihre Kandidatur – als erste Bewerberin der SVP für den frei werdenden Sitz.
Ihren eigenen Entscheid habe sie gut abgewogen und sich dafür mit ihrem Mann, ihrem Umfeld und Verantwortlichen der Partei ausgetauscht. «Ich bin mir der Anforderungen dieser Position und des damit verbundenen Engagements bewusst», sagte sie. Die Kandidatur sei eine Herzensangelegenheit: «Man muss das Land lieben, um diesen Posten zu übernehmen.
«Wir vertreten dieselben Werte»
In der anschliessenden Fragerunde ging es rasch um ihren Rückhalt innerhalb der SVP. In der Deutschschweiz wird Amaudruz teilweise skeptischer beurteilt als in der Romandie. Parteipräsident Marcel Dettling habe sich über ihre Kandidatur gefreut, sagte Amaudruz. Auch mit Fraktionschef Thomas Aeschi habe sie gesprochen.
«Ich möchte meine Partei daran erinnern, dass wir dieselben Werte vertreten.» Dass sie bei einzelnen Themen von der Parteilinie abweiche, sieht sie nicht als Schwäche. Auf die scharfe Kritik des früheren SVP-Nationalrats und «Weltwoche»-Verlegers Roger Köppel, der sie als politisches Leichtgewicht bezeichnet hatte, wollte Amaudruz nicht näher eingehen.
Empört über Mutter-Frage
Besonders deutlich wurde Amaudruz bei der Frage, ob sich das Bundesratsamt mit ihrer Rolle als Mutter vereinbaren lasse. Die Diskussion darüber bezeichnete sie als erschütternd. «Ganz ehrlich: Welche Botschaft sendet die Schweiz damit an die Bevölkerung? Welche Botschaft senden wir den Frauen?» Dass überhaupt noch darüber diskutiert werde, empöre sie. Sollte sie gewählt werden, wäre sie stolz darauf, ein Vorbild für Frauen sein zu können.
Auch ihre Sprachkenntnisse wurden an der Medienkonferenz zum Thema. Auf Deutsch erklärte Amaudruz: «Ja, ich kann Deutsch sprechen. Aber heute findet die Medienkonferenz in Genf statt, deshalb spreche ich Französisch.» Während ihres Auftritts wechselte die Genferin zudem kurz ins Italienische und Englische.
EU-Verträge, Armee und Landwirtschaft
Inhaltlich machte Amaudruz deutlich, dass sie bei zentralen Themen auf der Linie ihrer Partei steht. Zu den grössten Herausforderungen der kommenden Jahre zählt sie die neuen Verträge mit der Europäischen Union. Solange sie noch Parteivertreterin sei, werde sie sich gegen die Verträge einsetzen. Sobald man aber Bundesrätin sei, müsse man die Position des Gremiums engagieren – und das würde sie tun.
Die Armee werde in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen, so Amaudruz weiter. Eine starke und glaubwürdige Armee trage dazu bei, die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf die Schweiz weiter zu senken. Zudem hob Amaudruz die Bedeutung der Landwirtschaft hervor: Diese dürfe nach Krisenzeiten nicht wieder in den Hintergrund geraten und müsse genügend Unterstützung erhalten.
Auch auf ihre Nähe zum Finanzplatz wurde Amaudruz angesprochen. Die Genferin arbeitete lange im Bankensektor und verliess im Juli die Genfer Privatbank Reyl. Sie kenne deshalb die Schwierigkeiten und Herausforderungen der Branche, sagte sie. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Finanzplatzes wolle sie sich auch künftig für diesen einsetzen.
Den Eindruck, sie vertrete dabei die Interessen von UBS-Chef Sergio Ermotti, wies sie jedoch deutlich zurück: «Nein, ich bin nicht die Lobbyistin von Ermotti.» Und weiter: «Ich bin die Lobbyistin von niemandem. Das soll ganz klar sein.»
«Werde für Platz auf dem Ticket kämpfen»
Zum Schluss machte Amaudruz klar, dass ihr nun zunächst ein parteiinterner Kampf bevorsteht. Sollte sie nicht auf das offizielle SVP-Ticket kommen, müsste sie diesen Entscheid zwar akzeptieren. Für die Romandie wäre ein Ausschluss aus ihrer Sicht jedoch ein schlechtes Signal – vor allem so kurz vor den eidgenössischen Wahlen. «Ich bin Kandidatin der SVP und werde dafür kämpfen, auf das Ticket zu kommen.»
Auch der Präsident der SVP Genf, Lionel Dugerdil, machte klar: Sollte Frau Amaudruz vom Ticket ausgeschlossen werden, wäre eine Reaktion aus der Westschweiz garantiert. Wie genau man vorgehen werde, habe man noch nicht entschieden.
Hier gibt es die Medienkonferenz zum Nachlesen:
10:57 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Ende der Medienkonferenz
Die Fragerunde ist abgeschlossen, damit endet auch die Medienkonferenz. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.
10:51 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Amaudruz kämpft für Platz auf dem Ticket
Amaudruz spricht zur Möglichkeit, dass sie nicht aufs Ticket genommen werden könnte. «Ich müsste eine solche Entscheidung zwar akzeptieren, aber ich glaube, dass diese eine verheerende Botschaft für die Westschweizerinnen und Westschweizer sowie die gewählten Vertreter aus der Romandie wäre.» Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen wäre dies nicht förderlich. «Ich bin Kandidatin der SVP und werde dafür kämpfen, auf das Ticket zu kommen.»
Lionel Dugerdil, Präsident der SVP Genf, ergänzt: «Sollte Frau Amaudruz vom Ticket ausgeschlossen werden, wäre sie ganz sicher nicht die Einzige, die darauf reagieren würde.» Die betroffenen Westschweizer Kantone würden sich wohl gemeinsam zu Wort melden. Wie genau man vorgehen werde, habe man noch nicht entschieden.
10:45 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
«Bin nicht die Lobbyistin von Ermotti»
Hier wird Amaudruz deutlich: «Nein, ich bin nicht die Lobbyistin von Ermotti.»
Sie arbeite im Bereich des Schweizer Finanzplatzes und war lange im Bankensektor tätig. Im Juli habe sie die letzte Bank verlassen. «Ich kenne die Schwierigkeiten und Herausforderungen, vor denen die Banken stehen.» Das sei wichtig, sie sei nah dran am Finanzplatz, der mehr als neun Prozent des BIP ausmache. Sie werde sich für diesen Bereich einsetzen. Man müsse wissen, dass andere Länder deregulieren, während die Schweiz reguliere. Sei sie also die Lobbyistin von UBS-Chef Sergio Ermotti? «Nein. Ich bin die Lobbyistin von niemandem. Das soll ganz klar sein. Aber ich setze mich mit den Schwierigkeiten und ihren Folgen auseinander.»
10:41 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Amaudruz ist empört über Mutter-Diskussion
Die Diskussionen, ob eine Mutter eines Kleinkinds Bundesrätin sein kann, bezeichnet Amaudruz als erschütternd. «Ganz ehrlich: Welche Botschaft sendet die Schweiz damit an die Bevölkerung? Welche Botschaft senden wir den Frauen?»
Diese laute, dass eine Frau oder eine Mutter keine Position mit Verantwortung übernehmen könne. «Ich bin erschüttert, dass wir darüber überhaupt noch diskutieren.» Sie habe nicht einmal Lust, die banale Antwort zu geben, dass man diese Fragen einem Mann nicht stellen würde. Sollte sie aufs Ticket kommen und gewählt werden, wäre sie stolz darauf, ein Vorbild für Frauen sein zu können.
10:39 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
«Ja, ich kann Deutsch sprechen»
Ein Journalist will die Deutschkenntnisse von Amaudruz prüfen. Sie antwortet auf Deutsch: «Ja, ich kann Deutsch sprechen. Aber heute findet die Medienkonferenz in Genf statt, deshalb spreche ich Französisch.» Sie habe aber kein Problem damit, Deutsch zu verstehen.
10:36 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Köppel bezeichnete Amaudruz als politisches Leichtgewicht
Amaudruz wird nochmal darauf angesprochen, dass sie von einflussreichen Persönlichkeiten als politisches Leichtgewicht bezeichnet wurde. Dies wurde in der Weltwoche geschrieben. «Ich respektiere jeden Kandidaten und möchte mich nicht weiter mit den Aussagen von Herrn Köppel beschäftigen.» Man wachse nicht, indem man andere Mitbewerber schlechtmache.
10:32 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Landwirtschaft, EU-Verträge und Armee
Amaudruz spricht zu verschiedenen politischen Themen. Zum Beispiel sei für sie die Unterstützung der Landwirtschaft sehr wichtig. «Wenn die Krise vorbei ist, gerät die Landwirtschaft häufig wieder in den Hintergrund.» Das sehe man etwa bei den Winzern.
Zu den neuen EU-Verträgen sagt sie, dass dies «unsere Unabhängigkeit und Souveränität» betreffe. Solange sie noch in der Partei sei, werde sie der Bevölkerung erklären, wieso man die neuen Verträge nicht unterstützen solle.
Auch zur Armee spricht Amaudruz. Sie zähle diese zu den grossen Herausforderungen der Zukunft. Auch wenn viele sagen, es sei unwahrscheinlich, dass die Schweiz angegriffen werde, sei diese Wahrscheinlichkeit noch geringer, wenn man über eine starke und glaubwürdige Armee verfüge.
10:29 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Aufruf an die SVP
Man habe den Eindruck, dass Amaudruz in der Deutschschweiz weniger unterstützt werde als in der Westschweiz. «Ich werde jetzt nicht meine Qualitäten und Kompetenzen aufzählen», sagt sie. «Ich möchte meine Partei aber daran erinnern, dass wir dieselben Werte vertreten.» Ihr werde manchmal vorgeworfen, sich bei bestimmten Themen von der Parteilinie zu distanzieren. «Ich glaube jedoch, dass das eine Stärke für meine Partei ist.»
10:24 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Fussfessel gegen häusliche Gewalt
Amaudruz spricht nun zu häuslicher Gewalt. «Gewalt ist inakzeptabel, egal woher sie kommt.» Die Statistiken würden allerdings zeigen, dass es in bestimmten kulturellen Kreisen, die nicht aus unserem Land kommen, mehr häusliche Gewalt gebe.
Sie habe sich für das Tragen einer elektronischen Fussfessel starkgemacht. Sie hatte dazu eine parlamentarische Initiative eingereicht, die inzwischen Fortschritte gemacht habe.

10:18 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Segen von Dettling
Die parteiinternen Beziehungen in der SVP geben nun zu reden. Nicht alle stünden hinter Amaudruz, sagt ein Journalist.
Amaudruz stellt klar, dass ihre Kandidatur von der Parteileitung abgesegnet sei. «Ich hatte ein Telefongespräch mit dem Parteipräsidenten, Herrn Dettling. Er hat sich darüber gefreut, dass ich die erste offizielle Kandidatur bin.» Auch mit dem Fraktionschef Thomas Aeschi habe sie telefoniert und die Parteileitung per Mail informiert.
Viele dieser Äusserungen seien bereits gefallen, bevor sie ihre Kandidatur überhaupt angekündigt habe. Amaudruz spricht hier über den Angriff von Roger Köppel in der Weltwoche. «Da fragt man sich natürlich, was einen noch erwartet.» Sie habe nicht vor, auf solche Äusserungen zu antworten.
10:13 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
«Wir sind ein modernes Paar»
Amaudruz beantwortet eine Frage zu ihrem Mann Michael Andersen. «Ich habe meinen Namen behalten und meine Töchter tragen denselben Namen wie mein Mann», sagt sie. Sie seien ein modernes Paar. Ihr Mann sei Schweizer und habe norwegische Wurzeln, ihre Kinder würden norwegische Namen tragen.
10:11 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Entscheid unabhängig von Friedli
Jetzt stellt sich Amaudruz den Fragen aus dem Publikum. In den letzten Tagen habe sich das Kandidatenfeld gelichtet. Zum Beispiel hat die St. Galler Ständerätin Esther Friedli abgesagt. Habe dies zu ihrem Entscheid beigetragen? Sie wäre eine ausgezeichnete Kandidatin gewesen, habe sich aber «nicht deshalb für eine Kandidatur entschieden, weil sie verzichtet hat.»
Zudem kandidiere sie für den Bundesrat und nicht für ein spezifisches Departement, stellt Amaudruz klar. «Natürlich habe ich vielleicht meine Präferenzen.»
10:09 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Kaufkraft und Sicherheit der Frauen
Nun spricht Lionel Dugerdil, der Präsident der SVP Genf. Die Erfahrungen aus Genf können dazu beitragen, Lösungen zu finden, die der gesamten Schweiz zugutekommen. Céline Amaudruz könne die Verantwortung eines Bundesratsamts übernehmen. «Sie hat es gesagt: Sie trägt die Schweizerinnen und Schweizer im Herzen.»
Dies zeige sie seit vielen Jahren ganz konkret durch ihr Engagement für die Kaufkraft und Sicherheit der Frauen.
10:06 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
«Muss das Land lieben»
Sollte ihr die Bundesversammlung das Vertrauen aussprechen, werde sie das Amt mit Respekt vor den Institutionen und im Geiste der Kollegialität ausüben. Sie betont die Wichtigkeit der Kollegialität: «Ich werde meine Überzeugungen in die Diskussionen einbringen und die gemeinsam getroffenen Entscheidungen mittragen und nach aussen vertreten.» Das Engagement komme von Herzen. «Man muss das Land lieben, um diesen Posten zu übernehmen.»
10:04 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Amaudruz spricht sogar Englisch
Die Genferin spricht neben Französisch und Deutsch auch Italienisch und schlussendlich sogar Englisch vor den Medien. Sie stünde zur Verfügung, mit einer starken Überzeugung zu führen und mit einem Willen zum Dialog.

10:02 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
«Bin mir der Anforderungen bewusst»
Zunächst möchte sie Bundesrat Guy Parmelin für seinen vorbildlichen Einsatz für das Land danken. Ihre Entscheidung sei gut durchdacht gewesen, sie habe sich mit ihrem Mann, ihren Nächsten und den Verantwortlichen in der Partei abgesprochen. «Ich bin mir der Anforderungen dieser Position und des damit verbundenen Engagements bewusst», so Amaudruz.
10:00 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Céline Amaudruz will Bundesrätin werden
Die Medienkonferenz beginnt. Vor versammelten Medien verkündet Amaudruz: Sie will Bundesrätin werden.
10.00 Uhr
Donnerstag, 15. Oktoberrenz beginnt
Alliance F fordert Frauenticket
Die Spannung steigt: Will sie oder nicht? Die Medienkonferenz hat begonnen. Gleich dürfte Amaudruz ihren Entscheid bekanntgeben.
Nur Minuten zuvor verschickte Alliance F, der Bund der schweizerischen Frauenorganisationen, eine Medienmitteilung. Darin fordert er ein reines Frauenticket der SVP. «Damit wären künftig wieder drei Frauen im Bundesrat vertreten.»
09:30 Uhr
Donnerstag, 15. Oktober
Genfer Nationalrätin gilt als Favoritin aus der Romandie
Einst verhalf Céline Amaudruz dem abtretenden Guy Parmelin als Wahlkampfleiterin zum Einzug in den Bundesrat. Nun könnte die Genfer SVP-Nationalrätin ihren langjährigen Freund in der Landesregierung beerben. Um 10 Uhr hält die SVP Genf eine Medienkonferenz im Hotel Warwick in Genf ab. Dort wird Amaudruz über ihren Entscheid für oder gegen eine Kandidatur informieren.

Sollte sie antreten, wäre Amaudruz die erste offizielle Kandidatin der SVP für Parmelins Nachfolge. Bisher haben zwar diverse Politiker bekanntgegeben, dass sie sich eine Kandidatur überlegen. Offiziell den Hut in den Ring geworfen hat allerdings noch niemand. Hier der Überblick über das Kandidatenfeld.
Unter den Westschweizer SVP-Vertretern ist Amaudruz in der Poleposition. In der Romandie ist sie das Aushängeschild der Partei. Zudem ist sie Vizepräsidentin der SVP Schweiz und führte zuvor sechs Jahre lang die Kantonalpartei. Seit 15 Jahren politisiert sie im Nationalrat.
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