Drama um vermissten 5-Jährigen im Aargau: Das müssen Sie beim Gummibötlen beachten
Seit Samstag sucht die Kantonspolizei Aargau nach einem fünfjährigen Buben. Er war mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester im Gummiboot auf der Reuss unterwegs. Kurz nach 14 Uhr kenterte das Boot bei Mühlau AG. Seither wird der Bub vermisst.
Bereits am Samstag suchten Rettungskräfte während Stunden im Wasser, vom Ufer aus und aus der Luft nach dem Kind. Die Suche ging am Montag weiter, wie die Kantonspolizei Aargau gegenüber dieser Zeitung erklärt.
Risiken lassen sich beim Baden und Bötlen auf dem Fluss nicht komplett ausmerzen. Strömung und Stromschnellen machen das Abenteuer unberechenbar. Darum gibt es klare Vorschriften und hilfreiche Tipps, um die Risiken zu minimieren.
Sind Schwimmwesten im Gummiboot obligatorisch?
Ja. Das ist die erste und wichtigste Regel für Gummibootfahrer: Sie müssen mit einer Rettungsweste ausgerüstet sein. Das Tragen ist zwar nicht obligatorisch, aber jede Person muss eine eigene Weste im Boot dabei haben. Wobei natürlich empfohlen wird, die Weste auch zu tragen. Selbst geübte Schwimmer könnten bei einem Sturz ins Wasser den Kopf anschlagen und das Bewusstsein verlieren oder von einer Strömung überrascht werden, sagt Christoph Merki. Der Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG empfiehlt zertifizierte Rettungswesten, welche den nötigen Auftrieb für Erwachsene haben.

Gibt es bei Kindern andere Regeln?
Nein. Aber bei Kindern ist die Wahl einer Rettungsweste ungleich schwieriger. Zunächst muss die Weste auf das Gewicht des Kindes abgestimmt sein. Weiter wird zwischen Schwimmhilfen und Rettungswesten unterschieden. Beim Schwimmen im Fluss reichen einfache Schwimmhilfen oder Schwimmflügel nicht. Die SLRG empfiehlt eine Rettungsweste mit Kragen, damit das Kind in richtiger Position schwimmt und auch bei Bewusstlosigkeit atmen kann. Weiter muss die Weste im Schritt festgemacht sein, damit sie nicht wegrutscht.
Wird grundsätzlich von Flussfahrten mit Kindern im Gummiboot abgeraten?
Nein. Auch die SLRG findet, die Menschen sollen das Wasser und die Schönheit der Natur geniessen, sofern die nötige Wasserkompetenz vorhanden ist. Christoph Merki von der SLRG empfiehlt indes eine gute Vorbereitung: «Die Eltern müssen die Fliessgeschwindigkeit berücksichtigen und mögliche Hindernisse kennen.» Wichtig sei auch, stets aufmerksam die Umgebung zu beobachten, einen Blick nach hinten und vorne zu werfen. «Das Risiko für Unfälle lässt sich mit diesen Tipps minimieren. Ganz ausschalten lässt es sich aber nicht.»

Gibt es Strecken auf Schweizer Flüssen, die nicht für Gummiboote geeignet sind?
Die Aare nach Thun reisst stärker als die Limmat nach Zürich. Die Fliessgeschwindigkeit und die Hindernisse unterscheiden sich je nach Flussabschnitt stark. Christoph Merki sagt: «Die Risikoabschätzung sollten alle Personen jeweils vor dem Einstieg in den Fluss vornehmen.» Und wenn ein Kind noch nicht gut schwimmen kann, sei es sinnvoller, zuerst mit dem Boot auf einen See zu gehen, wo es keine Strömungen hat.
Im aktuellen Fall von Mühlau AG ist das Boot offenbar mit einem Baum kollidiert, der infolge eines Sturms ins Wasser gestürzt war. Dazu sagt Merki: «Nach Gewittern und Stürmen sollte man sich bewusst sein, dass sich Äste, Bäume oder andere Gegenstände im Wasser befinden können. Oft liegen sie unter der Wasseroberfläche und werden so zu unsichtbaren Hindernissen.»
Nehmen die Menschen heute höhere Risiken in Kauf?
Die Zahl der ertrunkenen Personen sinkt. 1931 starben deutlich mehr als 200 Personen in Seen oder in Flüssen. Unterdessen liegt die Zahl der Ertrunkenen zwischen 30 und 50 Personen pro Jahr. Männer ertrinken fünf Mal häufiger als Frauen. Kinder trifft es noch seltener. Besonders hoch sind die Opferzahlen bei den 15- bis 35-Jährigen sowie bei Personen ab 65. Die SLRG empfiehlt, eine Boje oder eine Weste zum Schwimmen mitzunehmen. Wer plötzlich müde wird oder einen Krampf hat, kann sich ausruhen.
Wo ertrinken die meisten Menschen?
2025 ertranken 22 Personen in einem See, 14 in einem Fluss, eine Person im Schwimmbad und zwei beim Tauchen. Tatsächlich sterben mehr Menschen beim Baden im See als im Fluss. Der See ist als Badeort aber auch deutlich populärer und zieht mehr Personen an.
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