Mit Braunwald verschwindet das 169. Skigebiet der Schweiz
Jahrelange Verluste und mehrere schneearme Winter haben die Sportbahnen Braunwald AG in eine finanzielle Schieflage getrieben. Zuletzt lagen die jährlichen Defizite bei bis zu 1,5 Millionen Franken, wiederholt retteten Aktionäre den Betrieb mit frischem Kapital – zuletzt 2024 mit 1,7 Millionen Franken. Diesmal reicht es nicht mehr: «Wir sind nicht grundsätzlich gegen Skisport, aber wir können ihn uns nicht mehr leisten», schreibt der Verwaltungsrat in einer Mitteilung an die Aktionäre.
Nullgradgrenze wird weiter steigen
Der Fall Braunwald zeigt exemplarisch, vor welchen Herausforderungen der Schweizer Wintertourismus steht: Die Temperaturen steigen, die Winter werden kürzer, vielerorts fehlt zunehmend der Schnee. ETH-Klimaforscher Reto Knutti brachte es im Dezember 2024 an einem Mediengespräch von Schweiz Tourismus und dem Seilbahnverband auf den Punkt: Bis 2050 dürfte die Nullgradgrenze um weitere 300 Meter steigen, unterhalb von 1500 Metern werde es für Skigebiete eng. Bereits heute beginnt die Schneesaison im Schnitt 12 Tage später und endet rund 25 Tage früher als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Dass Skigebiete (Definition siehe Infobox) ihren Betrieb aufgeben, ist jedoch kein neues Phänomen. 169 Anlagen machten seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu. Viele davon in den Jahren um die Jahrtausendwende. Zuletzt erklärten 2024 die Betreiber der Skilifte Horben und Flühli in den Kantonen Aargau und Luzern, dass sich der Betrieb nicht mehr lohne und dieser deshalb eingestellt werden müsse.
Als Skigebiet haben wir immer einen eigenständigen Bereich definiert, der nicht mit anderen (Teil-)Gebieten via Lift, Sesselbahn oder Gondel zusammenhängt. Einzelne Dorflifte gelten also auch als Skigebiet. In einer grossen Destination wie dem Hoch-Ybrig werden das Hauptskigebiet und die Anlagen unten im Dorf als zwei Skigebiete gezählt.
Aber auch grössere Skigebiete bekundeten zuletzt Mühe: In Sattel-Hochstuckli SZ hat seit der Saison 2023/24 den Winterbetrieb stark zurückgefahren. Zwei von drei Liften sind geschlossen, um Kosten zu sparen. Ein reduziertes Winterangebot gibt es seit 2024 auch in Sörenberg LU. Die Skilifte Rischli und Brunnenboden werden nicht mehr betrieben.
Noch 333 Skigebiete in Betrieb
Die pessimistischen Prognosen bedeuten allerdings nicht, dass Skigebiete jetzt reihenweise schliessen müssen, doch die Grundvoraussetzungen für einen geregelten Betrieb werden definitiv nicht besser. Aktuell sind in der Schweiz noch 333 Skigebiete in Betrieb. 169 mussten den Betrieb einstellen, 150 davon wurden bereits komplett abgebaut.
Rund jedes dritte Skigebiet der Schweiz ist also verschwunden. Natürlich sind das vor allem kleinere Gebiete oder einzelne Lifte, doch es sind auch grössere Skigebiete wie Lungern-Schönbüel darunter. Dabei war der Klimawandel und als Folge davon Schneemangel nicht immer der Hauptgrund. Teilweise schwand auch das Interesse am Skisport oder die erhofften Gewinne konnten nicht mehr realisiert werden.

Die kleineren Skigebiete sind für die Nachwuchsbeschaffung aber enorm wichtig. «Dass sich Skifahren in der Schweiz als Breitensport durchsetzte, hing entscheidend mit dem Angebot von Skiliften – auch vielen Talliften in tieferen Lagen – zusammen», erklärte Simon Engel von Swiss Sports History an der Universität Luzern bereits 2022 gegenüber der «Solothurner Zeitung». Den Höhepunkt erreichte der Skiboom hierzulande in den 1960er- und 1970er-Jahren.
Seither nehmen die Skitage der Schweizer kontinuierlich ab. Insbesondere Skigebiete mit wenig modernen Anlagen, ohne grosse Höhendifferenz, ohne Beschneiungsanlagen und solche, die mit anderen Skigebieten um Besucherinnen und Besucher buhlen mussten, zogen (und ziehen) immer öfter den Kürzeren. Als Ausweg bleibt oft nur der Transfer zum Sommertourismus, doch dieser braucht Zeit und ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.
Daten und Quellen Die Daten zu den stillgelegten und abgebauten Anlagen stammen von Bergbahnen.org. Angaben zur Betriebsdauer kommen ebenfalls von dort, die Höhenlage der Skigebiete stammt teilweise auch von Bergfex.ch oder direkt von den Betreiber-Websites. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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