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Plötzlich ploppen Behörden-News auf dem Smartphone auf: Das steckt dahinter

Wer via Google auf dem Laufenden bleiben will, erhält zunehmend Behördeninfos angezeigt. Warum das so ist – und der Bundesrat für 3,5 Millionen nun gar eine eigene News-App entwickeln lässt.
Wer die Google-App öffnet, hat auch Zugriff auf den Newsdienst des US-Konzerns. (Bild: Jens Büttner/Keystone)

Der Bund dringt auf unsere Handys vor. Wer via Google Nachrichten konsumiert, konnte in den vergangenen Wochen feststellen: Zwischen Newsbeiträgen von Schweizer und internationalen Medien finden sich plötzlich auch Mitteilungen der Bundesverwaltung.

Sonderlich knackig sind die News nicht. «Bericht zeigt steuerpolitischen Handlungsbedarf der Schweiz», lautet eine Schlagzeile aus den Amtsstuben der Steuerverwaltung. «2. Sitzung der Kommission für historisch belastetes Kulturerbe», titelt seinerseits das Aussendepartement.

Die Zunahme von Inhalten der Bundesverwaltung auf Google Discover, wie der News-Dienst heisst, ist auch der Bundeskanzlei aufgefallen. Das bestätigt sie auf Anfrage.

Durch das Erscheinen im Google-Feed erreichen die Meldungen ein potenziell riesiges Publikum. Laut Angaben des US-Konzerns nutzten bereits 2018 monatlich weltweit über 800 Millionen Menschen seinen Nachrichtenservice. Neuere Zahlen veröffentlicht er nicht. In der Google-App, die auf Android-Handys vorinstalliert ist, erscheinen die Beiträge gleich unter der Suchleiste.

Kontakte zu Google gab es keine

Entsprechend attraktiv ist der Platz. In Medienhäusern zerbricht man sich den Kopf darüber, auf welchen Algorithmus sich Google bei der Auswahl stützt. Umso mehr, weil der Boom von KI-Chats wie ChatGPT und die KI-Zusammenfassungen in der Google-Suche zur Folge haben, dass viele Menschen gar nicht mehr auf die Websites der Medien gelangen. Auch der Bund merkt dies. Gewisse Websites verzeichnen dem Vernehmen nach bis zu zwei Drittel weniger Zugriffe. Offizielle Zahlen dazu kann die Bundeskanzlei nicht liefern. Es gebe keine systematische Erhebung.

Dass die Verwaltung nun auf Google Discover erscheint, ist aber keine Reaktion auf diese Entwicklung. Der Grundstein wurde bereits vor dem Aufkommen von KI gelegt: mit der Umstellung auf eine neue Web-Infrastruktur. Diese wurde vor vier Jahren angekündigt. Ziel war es, der Bevölkerung mit einer einheitlichen Software «einen übersichtlicheren und zeitgemässeren Zugang zu Informationen des Bundes» zu bieten. Seither wurden die Auftritte der Verwaltung schrittweise überarbeitet. Die Inhalte seien nun technisch besser präsentiert, so die Bundeskanzlei.

Um die Chancen auf eine Platzierung bei Google Discover zu erhöhen, empfiehlt der US-Konzern, von reisserischen Methoden abzusehen und unter anderem auf aussagekräftige Überschriften, qualitativ hochwertige Bilder und eine gute Strukturierung zu setzen. Der Bund halte sich an solche «Best Practices», bestätigt die Bundeskanzlei. Kontakte mit Google habe es nicht gegeben. Vielmehr werde die Auffindbarkeit der Inhalte im Internet ganz allgemein verbessert.

Neue App steht in den Startlöchern

Dass Bundesbern verstärkt den Weg auf die Smartphones von Herr und Frau Schweizer sucht, zeigt sich auch bei der geplanten Bundesrats-App. Ab Sommer 2027 möchte die Regierung auf diesem Weg über ihre Entscheide und über Mitteilungen aus der Verwaltung informieren. Den Zuschlag für die Entwicklung erhielt Ende Mai der Berner Softwareentwickler «Apps with love». Gemäss Offerte kostet das Projekt rund 3,5 Millionen Franken.

SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann kritisiert die App im «Blick» als «Propaganda-Instrument». In einer Demokratie sollten nicht die Behörden selbst informieren, weil sie nicht unabhängig seien, sondern die Medien, sagt der Solothurner. Der Bundesrat hält dagegen, dass die App gerade «vor dem Hintergrund von Beeinflussungs- und Desinformationskampagnen und der Kommunikation im Krisenfall» wichtig sei.

Klar ist nur: Zumindest in den nächsten Wochen dürften auf Google Discover wieder weniger amtliche Mitteilungen zu sehen sein. Die Sommerpause drosselt den Informationsfluss aus Bundesbern.

 
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