Schütze von Rave-Party in Aarau ist gefasst: Was wir wissen – und was nicht
Was ist passiert?
Im Gebiet Schachen in Aarau sind in der Nacht auf Sonntag bei einer Rave-Party kurz nach 2 Uhr Schüsse gefallen. Dabei ist eine 22-jährige italienische Staatsbürgerin ums Leben gekommen, die in der Schweiz lebte. Fünf weitere Personen, vier Männer und eine Frau aus Deutschland im Alter zwischen 24 und 31 Jahren, wurden teils schwer verletzt. Sie befinden sich nicht in Lebensgefahr. Zum Zeitpunkt als die Schüsse fielen, war der Rave vorbei. Noch etwa 100 Personen befanden sich vor Ort.
Die Polizei stand mit einem Grossaufgebot im Einsatz, es waren zahlreiche Rettungskräfte vor Ort.
Ist die Situation geklärt?
Nicht während der ersten Medienkonferenz am Sonntagabend. Die Aargauer Polizei und die Staatsanwaltschaft informierten über den Stand der Dinge. Die kurze Antwort: Die Täterschaft war weiterhin flüchtig, das Motiv unklar. Eine Gefahr bestand laut Polizei für die Bevölkerung in Aarau, im Aargau und in der Schweiz deshalb nicht. Und dies trotz der tödlichen Schüsse mit einer Toten und fünf verletzten Personen. Ein Restrisiko bleibe.

Was ist über den Täter bekannt?
Die Kantonspolizei informiert am Montagmittag per Mail, dass sie in der Nacht auf Montag um 1 Uhr einen 43-jährigen Schweizer festgenommen hat. Er soll der Schütze von Aarau sein. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Sie will erst am Mittwoch informieren.
Offen bleiben Fragen: Wer ist der Mann? Was ist sein Motiv? Wo wurde der Mann gefasst? Von wem? Was hat die Ermittler auf die richtige Spur gebracht?
Was ist über die Opfer bekannt?
Die Kantonspolizei hat am Sonntag ein Todesopfer vermeldet. Es handelt sich um eine 22-jährige Frau, welche noch vor Ort ihren Verletzungen erlag. Sie wohnte in der Schweiz und war italienische Staatsbürgerin. Ein Augenzeuge berichtet, dass Besucher noch versucht haben, sie zu reanimieren. Überall sei Blut gewesen.
Weitere fünf Personen wurden ins Spital gebracht. Dabei handelt es sich um vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 31 Jahren. Sie sind gemäss Polizei leicht bis schwer verletzt.
Auf Social Media wurde berichtet, beim Todesopfer handle es sich um eine Freundin des DJs. Diese Information stammt offenbar vom DJ selber, welcher einen entsprechenden Post abgesetzt hat.

Welche Spuren gibt es?
Die Polizei hat Hülsen von zwei verschiedenen Waffen gefunden. Einmal vor dem Rave-Ort und einmal beim Standplatz der Fahrenden in der Nähe. Die Hülsen des Kalibers 9 Millimeter stammen von einer Pistole, möglicherweise von einer Maschinenpistole. Zudem wurden ein Dutzend Hülsen von einem Gewehr des Kalibers 5,45 x 39 Millimeter gefunden, wohl ein Sturmgewehr der AK 74-Familie. Auf Videos, die auf Social Media kursieren, sind viele Schüsse zu hören, auch solche in kurzer Kadenz.
Weiter ist gemäss Polizei von zwei Tatorten auf dem Areal zu auszugehen.
Was ist das Motiv?
Die Polizei sprach am Sonntag von drei Hypothesen, die im Raum stünden, die alle gleich wahrscheinlich seien:
- Ein Terroranschlag.
- Ein Amoklauf.
- Eine Abrechnung unter Kriminellen, wobei auch hier das Motiv unklar ist.
Welches Motiv der gefasste Täter hatte, ist nicht bekannt.

Wie ist die aktuelle Situation in Aarau?
Ein dringend Tatverdächtiger ist gefasst. Da die Polizei von einem Einzeltäter ausgeht, dürfte für die Allgemeinheit keine Gefahr mehr bestehen.
Die Polizei hatte das Gelände um die Pferderennbahn im Schachen am Sonntag grossräumig gesperrt. Somit war auch das dortige Schwimmbad geschlossen. Die Bevölkerung sollte dem Gebiet fernbleiben. Die Polizeipräsenz war insbesondere am Morgen über Aarau hinaus erhöht und ein Helikopter stand im Einsatz. Sie blieb es auch bis Montag. Derzeit ist das Gebiet nur noch zur Spurensicherung abgesperrt und nicht aus Sicherheitsgründen.
Wer über Informationen oder Bildmaterial zur Tat verfügt, soll das mit der Polizei teilen.

Was weiss man über die betroffene Veranstaltung?
Auf der Rennbahn hat in der Nacht auf Sonntag der «Aarau Rave VOL. 7» stattgefunden. Die Veranstaltenden im Aarauer Schachen erwarteten rund 3500 Personen an dem Anlass, wie es auf deren Website hiess. Zum Zeitpunkt der Schiesserei waren gemäss Polizei noch etwa 100 Personen auf dem Gelände.
In einem Statement meldeten sich die Verantwortlichen der Zürcher Urban Agency Events AG, der Veranstalterfirma des Aarauer Raves, zu Wort. Sie seien «schockiert. Und erschüttert. Und traurig.» Denn: «Der hinterhältige Anschlag auf die Gäste des Aarauer Raves hat unsere Herzen gebrochen.» Ein Rave solle immer ein Ort der Freude und der Liebe sein. «Niemals ein Ort, an dem Menschen getötet, verletzt und in Angst versetzt werden.»

Die Veranstalter betonten, sie seien in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden: «Wir sprechen Ihnen unsere aufrichtige Anteilnahme aus.» Ihr Dank gelte zudem der Polizei und den Rettungskräften: «Als Veranstalter werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um die Polizei bei ihrer Arbeit zu unterstützen.»
«Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen und ihren Angehörigen, die sich in dieser schwierigen und belastenden Situation befinden», schreibt der Aargauische Rennverein, der die Pferderennbahn betreibt. Dort finden regelmässig Events wie der Rave statt. «Unser Dank gilt den Einsatzkräften sowie allen weiteren Beteiligten, die vor Ort professionell und engagiert im Einsatz standen,» heisst es in der Mitteilung.
Gibt es weitere Reaktionen?
Politik und Veranstalter zeigen sich sehr betroffen.
Auch der Aarauer Stadtrat zeigte sich von den Ereignissen tief betroffen. So sagte Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker: «Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des Todesopfers und bei den verletzten Personen.» Die Kommunikationshoheit lag bei der Kantonspolizei, deshalb verwies Hilfiker für inhaltliche Angaben an die Kapo. Die Stadt sei aber auch involviert: «Wir sind im Einsatzdispositiv der Kantonspolizei und stellen da natürlich unsere städtischen Ressourcen zur Verfügung.» Seitens Stadt waren, wie die Kapo bereits mitgeteilt hat, die Stadtpolizei und die Feuerwehr im Einsatz.
«Ausgefuxt», ein bekanntes Elektronik-Musik-Label und Veranstaltungskollektiv aus der Region, war schockiert und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Auch wenn «Ausgefuxt» selbst nicht diese Veranstaltung organisiert hatte, sei sie Teil der Szene und deshalb betroffen, von dem, was in der Nacht in Aarau passiert war.
Das Stadtfest in Brugg hat auf die Ereignisse in Aarau reagiert und die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Unter anderem wurden an den Ein- und Ausgängen zusätzliche Gitter und Absperrungen aufgestellt. Zudem sind mehr Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr vor Ort. Die Polizei ist unter anderem auch mit Hunden präsent. Der Oldtimer-Corso wurde abgesagt. «Die zusätzlichen Vorkehrungen in Brugg sollen insbesondere dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucherinnen und Besucher zu stärken», so OK-Präsident Reto Wettstein.
Der Aargauer Regierungsrat zeigte sich gemäss einem Beitrag auf der Kurznachrichtenplattform X «tief betroffen über die Gewalttat in Aarau». Er verurteilte diese. Seine Gedanken seien bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen Menschen, die dieses schreckliche Ereignis hätten miterleben müssen. Der Aargauer Regierungsrat dankte «den Einsatzkräften und allen Beteiligten», wie es im am Sonntagmittag veröffentlichten Beitrag weiter hiess.
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