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Kanton Wallis begünstigt Unternehmen bei Autobahnausbau «systematisch»

Seit 1999 wird gebaut, fertig ist die Autobahn A9 erst 2037. Der Bund zahlt fast alles, doch der Kanton Wallis führt das Projekt. Das sorgt weiter für Streit und Mehrkosten.
Im August 2023 wurde bei Gampel-Steg im Oberwallis ein weiterer Abschnitt der A9 eröffnet. Bis zur vollständigen Fertigstellung der Nationalstrasse dürfte es jedoch noch Jahre dauern. (Bild: Keystone)
Wegen der Rechnungen zum Riedbergtunnel laufen derzeit Verhandlungen mit den Bauunternehmen. (Bild: Keystone)

Der Bau der A9 im Oberwallis entwickelt sich zunehmend zum Milliardenprojekt. Obwohl die Nationalstrasse zwischen Siders und Brig bereits 1975 beschlossen wurde und seit 1999 gebaut wird, ist sie bis heute nicht fertiggestellt.

Gleichzeitig steigen die Kosten kontinuierlich: Aus den ursprünglich geplanten 2,1 Milliarden Franken wurden bis 2023 rund 4,4 Milliarden. Inzwischen geht die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) von Gesamtkosten von mindestens 5,1 Milliarden Franken aus.

Ein internes Revisionsmemo des Bundesamts für Strassen (ASTRA), das dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, zeigt nun, weshalb die Aufsicht des Bundes über das Projekt offenbar nur eingeschränkt funktionierte. Der Bund zahlt den Autobahnbau im Wallis zu 96 Prozent, wodurch ihm die Oberaufsicht zuteilwird. Für den Bau verantwortlich ist jedoch der Kanton Wallis.

Astra: Wallis stellt sich systematisch auf Seite der Unternehmer

Besonders kritisch beurteilt das ASTRA laut dem «Tages-Anzeiger» das Tunnelprojekt Riedberg bei Gampel-Steg. Dort hätten Revisoren 11,81 Millionen Franken an mutmasslich überhöhten Rechnungen der Bauunternehmen festgestellt. Insgesamt könnten zwischen 10 und 20 Millionen Franken zu viel bezahlt worden sein. Zudem bestehe laut des Berichts ein «sehr hohes Risiko» weiterer, bisher unentdeckter Zahlungen.

Das ASTRA kritisiert gemäss der Zeitung auch die kantonale Bauleitung deutlich. Diese habe sich ab 2011 «systematisch auf die Seite der Unternehmer» gestellt, was zu Rechtsstreitigkeiten und «zu erheblichen unnötigen Ausgaben öffentlicher Gelder» geführt habe. Mehrere Verfahren rund um Nachforderungen bei Projekten befinden sich laut «Tages-Anzeiger» weiterhin in Verhandlungen – etwa beim Tunnel Riedberg oder bei den Tunneln Visp und Eyholz.

Wegen der Rechnungen zum Riedbergtunnel laufen derzeit Verhandlungen mit den Bauunternehmen. (Bild: Keystone)

EFK verweist auf Fortschritte bei Zusammenarbeit

Auch die EFK bestätigt in ihrem jüngsten Bericht von Ende Februar 2026 die Probleme beim Oberwalliser Autobahnbau. Sie schätzt die finanziellen Risiken für den Bund auf 59,5 Millionen Franken. Gleichzeitig verweist sie auf Fortschritte: Das ASTRA sei heute enger in die Planung des Kantons eingebunden, Projekte würden strenger kontrolliert und externe Gutachten häufiger beigezogen.

Sowohl der Bund als auch der Kanton Wallis sprechen gegenüber dem «Tages-Anzeiger» von einer verbesserten und konstruktiven Zusammenarbeit. Altlasten würden nun koordiniert und dokumentiert bearbeitet.

Trotz dessen bleibt die Fertigstellung der A9 ein Langzeitprojekt: Der letzte Abschnitt zwischen Siders und Leuk soll erst 2037 eröffnet werden. Allein dafür rechnet die EFK nochmals mit Kosten von rund 1,477 Milliarden Franken. (watson, hkl)

 
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