Der Reformer, der das Kloster stärkte: St.Gallen, Wil und Rorschach feiern Fürstabt Rösch
Es erinnert an eine Tellerwäscherkarriere: Ulrich Rösch kam am 4. Juli 1426 als Bäckerssohn in Wangen im Allgäu zur Welt und arbeitete sich zum Fürstabt von St.Gallen hoch. Damit war er der erste nichtadelige Abt des Klosters. Weil Rösch den damaligen Niedergang stoppte, gilt er als «zweiter Gründer» des Klosters St.Gallen. Den grössten Teil seines Wirkens verbrachte er allerdings in Wil. Und auch in Rorschach erinnert ein berühmtes Bauwerk an seine Zeit: das Lehrerseminar Mariaberg.
Er hatte drei Kinder und legte 42 Fischweiher an
Nun wird der ehemalige St.Galler Fürstabt, der 1491 verstarb, von den drei Städten, in denen er wirkte, gefeiert. Wenn Ruedi Schär, Ortsbürgerrat und Stadtführer in Wil, von Ulrich Rösch erzählt, spricht er nicht nur von einem ehemaligen Bäckerssohn aus Wangen im Allgäu. Sondern er erzählt auch von einem Kirchenmann, der drei Kinder hatte und zwischen Wil und St.Gallen um die 42 Fischweiher anlegen liess. Der Grund: Rösch schätzte Fisch und musste zugleich den Bedarf für die zahlreichen Fastentage jener Zeit decken. «Auch der Fakt mit den Kindern stösst bei den Stadtführungen immer auf breites Interesse», so Schär. «Dass katholische Priester Kinder hatten, war bis zur Reformation nichts Aussergewöhnliches.»
Am 4. Juli 2026 jährt sich der Geburtstag von Abt Ulrich Rösch zum 600. Mal. Obschon zwischen dem heiligen Otmar und ihm um die 60 weitere Äbte ihre Dienste taten, gilt Ulrich Rösch als zweiter Gründer des Klosters St.Gallen. «Er war ein Reformer auf allen Linien», bringt es der stellvertretende Stiftsarchivar Jakob Kuratli auf den Punkt. «Rösch brachte die Finanzen des Klosters wieder ins Lot, vergrösserte das Territorium und machte Verträge seines Vorgängers rückgängig, der wesentliche Rechte des Klosters an die Stadt St.Gallen verkaufen wollte.»
Wil und Rorschach als zentrale Stationen
Wer sich mit dem Leben Abt Ulrichs beschäftigt, wähnt sich fast in einem Krimi. Politische Konflikte und tiefgreifende Umbrüche prägten seine Zeit. Dabei spielten auch Wil und Rorschach eine zentrale Rolle. Wie Schär und Kuratli ausführen, teilte der Abt die weltliche Verwaltung in verschiedene Zuständigkeiten auf. Im Hof zu Wil, der nach umfassender Renovation exakt am 4. Juli seine Türen wieder öffnet, richtete der Fürstabt das Verwaltungszentrum für den westlichen Teil der Fürstabtei ein. Dazu zählte ab 1468 auch die Grafschaft Toggenburg. Der Abt selbst lebte sodann mehrheitlich in Wil. Auch die dortige Stadtkirche St.Nikolaus wurde während seiner Amtszeit fertiggestellt.
Rorschach rückte in den Fokus, als sich Rösch in St.Gallen nicht mehr sicher fühlte und das Kloster an den Bodensee verlegen wollte. Diese Pläne passten den Stadt St.Gallern und Appenzellern überhaupt nicht und sie zerstörten die im Bau befindliche Klosteranlage Mariaberg - der Überfall ging als «Rorschacher Klosterbruch» in die Geschichte ein. Die Stadt St.Gallen widersetzte sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, die Appenzeller befürchteten handelstechnische und politische Nachteile. Nach einem Schiedsspruch wurde die Anlage dennoch fertig gebaut. Jakob Kuratli nennt das heutige Bauwerk ein «Bijoux spätgotischer Bautätigkeit».
Festgottesdienste und fachkundige Führungen
Aus Anlass des 600. Geburtstags von Abt Ulrich Rösch finden am kommenden Wochenende diverse Veranstaltungen statt. In Wil wird – nebst den Feierlichkeiten aus Anlass der Wiedereröffnung des sanierten Hofs zu Wil – am 5. Juli um 11 Uhr zu einem Festgottesdienst in der Kirche St.Nikolaus geladen, zelebriert von Generalvikar Sebastian Wetter. Um 15 Uhr unterzeichnen Vertreter von Wangen im Allgäu, dem Geburtsort Röschs, und Wil, seinem späteren Wirkungsort, eine Städtepartnerschaft. «Damit lebt eine uralte Partnerschaft neu auf», sagt Ruedi Schär.
In St.Gallen, wo Abt Ulrich Rösch nach seinem Tod die letzte Ruhestätte im Kreuzgang der Kathedrale fand, existiert über seinem einstigen Grab ein Wandgemälde. Das Grabmal kann am Sonntag, 5. Juli, nach den Gottesdiensten um 8.30 Uhr und 10.30 Uhr unter fachkundiger Führung von Katrin Roth-Rubi, Spezialistin für Forschung in Spätantike und Mittelalter, besichtigt werden. Zudem ist der Kreuzgang frei zugänglich bis um 16 Uhr. Zusätzlich öffnet das Kloster Mariaberg in Rorschach von 10 bis 16 Uhr seine Türen; um 10 Uhr und 14 Uhr werden Führungen angeboten.
Was wir von Rösch lernen können
Ulrich Rösch stammte nicht aus dem Adel. Dennoch gelang ihm der Aufstieg bis an die Spitze der Fürstabtei St.Gallen. Für Jakob Kuratli liegt darin eine Botschaft, die heute noch aktuell ist: «Wer sich Mühe gibt und anstrengt, kann etwas erreichen.» So sei es Rösch gelungen, auch als Immigrant in der Fürstabtei St.Gallen Karriere zu machen. Grund genug, diese Persönlichkeit ein Wochenende lang zu feiern.
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