­
­
­
­

World Skills als Karriere-Booster: Zwei Ostschweizer, zwei Erfolgsgeschichten

Im September kämpfen junge Berufsleute aus aller Welt in Shanghai um den Weltmeistertitel. Doch die World Skills sind mehr als ein Wettbewerb. Zwei ehemalige Absolventen sagen, was ihnen die Teilnahme gebracht hat, und geben ihren Nachfolgern Tipps.
von Lynn Wolf
Maurin Schickli (rechts) mit seinem Teampartner nach der Preisverleihung bei den World Skills. (Bild: zvg)
Sven Zängerle behauptete sich gegen die besten Nachwuchsfachkräfte der Welt. (Bild: zvg)
Sven Zängerle hochkonzentriert während seines Wettkampfs in Lyon. (Bild: zvg)
Maurin Schickli kehrt in neuer Rolle an die Weltmeisterschaft zurück. (Bild: zvg)

Bald ist es wieder so weit: Vom 22. bis zum 27. September finden die World Skills zum 48. Mal statt. Austragungsort ist diesmal Shanghai. Bei den Berufsweltmeisterschaften treten junge Fachkräfte aus der ganzen Welt in ihren Berufen gegeneinander an. Rund 1400 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus mehr als 60 Ländern werden erwartet. Die Schweiz ist mit 42 Talenten vertreten, fünf davon kommen aus der Ostschweiz.

Was es braucht, um es bis an die World Skills zu schaffen, wissen zwei ehemalige Ostschweizer Teilnehmer. Der heute 20-jährige Engelburger Maurin Schickli und der 22-jährige Sven Zängerle aus Felben-Wellhausen traten 2024 bei den World Skills in Lyon an. Schickli, der bei der Bühler Group in Uzwil eine Lehre als Informatiker EFZ abgeschlossen hat, erreichte in der Disziplin Industry 4.0 gemeinsam mit seinem Teampartner den zweiten Platz. Zängerle belegte in Graphic Design Technology den fünften Rang und war damit der bestplatzierte Polygraf Europas.

Sven Zängerle behauptete sich gegen die besten Nachwuchsfachkräfte der Welt. (Bild: zvg)

Der Weg dorthin führte über die SwissSkills, die Schweizer Berufsmeisterschaften in Bern. Dort muss der erste Platz erreicht werden, um sich für die World Skills zu qualifizieren. Für die Weltmeisterschaft trainierten Zängerle und Schickli anschliessend rund zehn Monate. «Ich habe mich entschieden, in dieser Zeit 110 Prozent zu geben», sagt Zängerle. Beide arbeiteten Vollzeit und trainierten zusätzlich am Feierabend und am Wochenende. Auch ihre jeweiligen Lehrbetriebe stellten ihnen dafür Zeit zur Verfügung.

Kühlen Kopf bewahren

Nicht nur fachlich, sondern auch mental waren die beiden gefordert. «Vor dem Wettkampf ist die Nervosität gross, da man nicht genau weiss, was auf einen zukommt und man sich fragt, ob man genug trainiert hat», sagt Schickli. Sobald der Wettkampf begonnen habe, sei er jedoch voll fokussiert gewesen. Für Zängerle war die Situation zwiespältig: «Man verspürt einen enormen Druck, gleichzeitig aber auch Stolz, dass man es überhaupt schon so weit geschafft hat.»

Sven Zängerle hochkonzentriert während seines Wettkampfs in Lyon. (Bild: zvg)

Schicklis Tipp an die diesjährigen Teilnehmenden: sich von einem schlechten Moment nicht herunterziehen zu lassen. «Wenn etwas nicht ideal läuft, darf man sich nicht darauf konzentrieren. Sonst ist die Gefahr gross, dass man nicht mehr sein Bestes geben kann.» Zängerle sieht es ähnlich: Ein schlechter Wettkampftag bedeute noch lange nicht, dass alles entschieden sei. Da sich die verschiedenen Aufgaben über vier Tage erstrecken, gebe es an den weiteren Tagen noch Möglichkeiten, das Gesamtergebnis zu beeinflussen.

Am Ende sei die Platzierung aber ohnehin nicht das Entscheidende: «Das Resultat am Schluss ist sekundär. Was bleibt, ist der Weg dorthin und die Vorbereitung, die einen fachlich und persönlich geformt hat», sagt Zängerle.

Ein Ticket für neue Chancen

Für beide hat sich die Teilnahme auch über die World Skills hinaus ausgezahlt. Heute ist Zängerle als Fotograf und Filmemacher selbstständig und produziert visuelle Auftritte für Marken und Unternehmen. «Durch die Teilnahme an den Swiss und World Skills kann man sich einen Namen machen», sagt er.

Schickli konnte nach seiner Teilnahme Universitäten und Firmen in Japan besuchen und wurde zu einer Konferenz nach San Francisco eingeladen. Dieses Jahr reist er erneut an die World Skills, allerdings nicht mehr als Teilnehmer. Er wird das diesjährige Talent aus seiner Firma unterstützen und gleichzeitig Mitarbeitende des chinesischen Standorts seines Arbeitgebers in die World Skills einführen. Für beide haben die Meisterschaften damit längst über den eigentlichen Wettkampf hinaus Wirkung.

Maurin Schickli kehrt in neuer Rolle an die Weltmeisterschaft zurück. (Bild: zvg)

Werbung für die Berufslehre

Für die Ostschweizer Berufsverbände sind die World Skills mehr als ein internationaler Wettkampf. «Die Ostschweiz ist bekannt für eine starke Berufsbildung. Mit solchen Wettbewerben bietet sich die Gelegenheit, das zu bestätigen und sich ins Rampenlicht zu rücken», sagt Felix Keller, Geschäftsführer des Kantonalen Gewerbeverbandes St.Gallen. Die World Skills seien eine wichtige Werbeplattform für das duale Bildungssystem und zeigten, welche beruflichen Perspektiven eine Lehre bieten könne.

Auch Marc Widler, Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbandes, sieht darin eine Chance: «Solche Wettbewerbe tragen sehr viel zur Attraktivität einer Berufslehre bei.» Junge Menschen könnten sehen, mit welcher Begeisterung andere Berufsleute ihren Beruf auf höchstem Niveau ausüben.

Dass Ausbildungsbetriebe solche Leistungen ermöglichen, sei entscheidend. «Damit man bei World Skills antreten kann, muss extrem viel zusammenpassen. Talent allein reicht nicht», sagt Keller. Es brauche Betriebe, die Ressourcen zur Verfügung stellten und bei Trainings und Abwesenheiten flexibel seien. Davon können auch die Unternehmen profitieren. Laut Widler gibt es weiterhin Lehrstellen, die nicht besetzt werden können. Die Unterstützung von World-Skills-Talenten könne deshalb ein Weg sein, sich als attraktiver Lehrbetrieb zu positionieren und sich von der Konkurrenz abzuheben.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/world-skills-wie-der-wettkampf-die-berufsbildung-staerkt-art-759744

Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.

­
­