World Skills als Karriere-Booster: Zwei Ostschweizer, zwei Erfolgsgeschichten
Bald ist es wieder so weit: Vom 22. bis zum 27. September finden die World Skills zum 48. Mal statt. Austragungsort ist diesmal Shanghai. Bei den Berufsweltmeisterschaften treten junge Fachkräfte aus der ganzen Welt in ihren Berufen gegeneinander an. Rund 1400 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus mehr als 60 Ländern werden erwartet. Die Schweiz ist mit 42 Talenten vertreten, fünf davon kommen aus der Ostschweiz.
Was es braucht, um es bis an die World Skills zu schaffen, wissen zwei ehemalige Ostschweizer Teilnehmer. Der heute 20-jährige Engelburger Maurin Schickli und der 22-jährige Sven Zängerle aus Felben-Wellhausen traten 2024 bei den World Skills in Lyon an. Schickli, der bei der Bühler Group in Uzwil eine Lehre als Informatiker EFZ abgeschlossen hat, erreichte in der Disziplin Industry 4.0 gemeinsam mit seinem Teampartner den zweiten Platz. Zängerle belegte in Graphic Design Technology den fünften Rang und war damit der bestplatzierte Polygraf Europas.

Der Weg dorthin führte über die SwissSkills, die Schweizer Berufsmeisterschaften in Bern. Dort muss der erste Platz erreicht werden, um sich für die World Skills zu qualifizieren. Für die Weltmeisterschaft trainierten Zängerle und Schickli anschliessend rund zehn Monate. «Ich habe mich entschieden, in dieser Zeit 110 Prozent zu geben», sagt Zängerle. Beide arbeiteten Vollzeit und trainierten zusätzlich am Feierabend und am Wochenende. Auch ihre jeweiligen Lehrbetriebe stellten ihnen dafür Zeit zur Verfügung.
Kühlen Kopf bewahren
Nicht nur fachlich, sondern auch mental waren die beiden gefordert. «Vor dem Wettkampf ist die Nervosität gross, da man nicht genau weiss, was auf einen zukommt und man sich fragt, ob man genug trainiert hat», sagt Schickli. Sobald der Wettkampf begonnen habe, sei er jedoch voll fokussiert gewesen. Für Zängerle war die Situation zwiespältig: «Man verspürt einen enormen Druck, gleichzeitig aber auch Stolz, dass man es überhaupt schon so weit geschafft hat.»

Schicklis Tipp an die diesjährigen Teilnehmenden: sich von einem schlechten Moment nicht herunterziehen zu lassen. «Wenn etwas nicht ideal läuft, darf man sich nicht darauf konzentrieren. Sonst ist die Gefahr gross, dass man nicht mehr sein Bestes geben kann.» Zängerle sieht es ähnlich: Ein schlechter Wettkampftag bedeute noch lange nicht, dass alles entschieden sei. Da sich die verschiedenen Aufgaben über vier Tage erstrecken, gebe es an den weiteren Tagen noch Möglichkeiten, das Gesamtergebnis zu beeinflussen.
Am Ende sei die Platzierung aber ohnehin nicht das Entscheidende: «Das Resultat am Schluss ist sekundär. Was bleibt, ist der Weg dorthin und die Vorbereitung, die einen fachlich und persönlich geformt hat», sagt Zängerle.
Ein Ticket für neue Chancen
Für beide hat sich die Teilnahme auch über die World Skills hinaus ausgezahlt. Heute ist Zängerle als Fotograf und Filmemacher selbstständig und produziert visuelle Auftritte für Marken und Unternehmen. «Durch die Teilnahme an den Swiss und World Skills kann man sich einen Namen machen», sagt er.
Schickli konnte nach seiner Teilnahme Universitäten und Firmen in Japan besuchen und wurde zu einer Konferenz nach San Francisco eingeladen. Dieses Jahr reist er erneut an die World Skills, allerdings nicht mehr als Teilnehmer. Er wird das diesjährige Talent aus seiner Firma unterstützen und gleichzeitig Mitarbeitende des chinesischen Standorts seines Arbeitgebers in die World Skills einführen. Für beide haben die Meisterschaften damit längst über den eigentlichen Wettkampf hinaus Wirkung.

Werbung für die Berufslehre
Für die Ostschweizer Berufsverbände sind die World Skills mehr als ein internationaler Wettkampf. «Die Ostschweiz ist bekannt für eine starke Berufsbildung. Mit solchen Wettbewerben bietet sich die Gelegenheit, das zu bestätigen und sich ins Rampenlicht zu rücken», sagt Felix Keller, Geschäftsführer des Kantonalen Gewerbeverbandes St.Gallen. Die World Skills seien eine wichtige Werbeplattform für das duale Bildungssystem und zeigten, welche beruflichen Perspektiven eine Lehre bieten könne.
Auch Marc Widler, Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbandes, sieht darin eine Chance: «Solche Wettbewerbe tragen sehr viel zur Attraktivität einer Berufslehre bei.» Junge Menschen könnten sehen, mit welcher Begeisterung andere Berufsleute ihren Beruf auf höchstem Niveau ausüben.
Dass Ausbildungsbetriebe solche Leistungen ermöglichen, sei entscheidend. «Damit man bei World Skills antreten kann, muss extrem viel zusammenpassen. Talent allein reicht nicht», sagt Keller. Es brauche Betriebe, die Ressourcen zur Verfügung stellten und bei Trainings und Abwesenheiten flexibel seien. Davon können auch die Unternehmen profitieren. Laut Widler gibt es weiterhin Lehrstellen, die nicht besetzt werden können. Die Unterstützung von World-Skills-Talenten könne deshalb ein Weg sein, sich als attraktiver Lehrbetrieb zu positionieren und sich von der Konkurrenz abzuheben.
Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare geschrieben









Kleines Vademecum für Kommentarschreiber
Wie ein Kommentar veröffentlicht wird – und warum nicht.
Wir halten dafür: Wer sich an den gedeckten Tisch setzt, hat sich zu benehmen. Selbstverständlich darf an der gebotenen Kost gemäkelt und rumgestochert werden. Aber keinesfalls gerülpst oder gefurzt.
Der Gastgeber bestimmt, was für ihn die Anstandsregeln sind, und ab wo sie überschritten werden. Das hat überhaupt nichts mit Zensur zu tun; jedem Kommentarschreiber ist es freigestellt, seine Meinung auf seinem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Jeder Artikel, der auf vaterland.li erscheint, ist namentlich gezeichnet. Deshalb werden wir zukünftig die Verwendung von Pseudonymen – ausser, es liegen triftige Gründe vor – nicht mehr dulden.
Kommentare, die sich nicht an diese Regeln halten, werden gelöscht. Darüber wird keine Korrespondenz geführt. Wiederholungstäter werden auf die Blacklist gesetzt; weitere Kommentare von ihnen wandern direkt in den Papierkorb.
Es ist vor allem im Internet so, dass zu grosse Freiheit und der Schutz durch Anonymität leider nicht allen guttut. Deshalb müssen Massnahmen ergriffen werden, um diejenigen zu schützen, die an einem Austausch von Argumenten oder Meinungen ernsthaft interessiert sind.
Bei der Veröffentlichung hilft ungemein, wenn sich der Kommentar auf den Inhalt des Artikels bezieht, im besten Fall sogar Argumente anführt. Unqualifizierte und allgemeine Pöbeleien werden nicht geduldet. Infights zwischen Kommentarschreibern nur sehr begrenzt.
Damit verhindern wir, dass sich seriöse Kommentatoren abwenden, weil sie nicht im Umfeld einer lautstarken Stammtischrauferei auftauchen möchten.
Wir teilen manchmal hart aus, wir stecken auch problemlos ein. Aber unser Austeilen ist immer argumentativ abgestützt. Das ist auch bei Repliken zu beachten.
Wenn Sie dieses Vademecum nicht beachten, ist das die letzte Warnung. Sollte auch Ihr nächster Kommentar nicht diesen Regeln entsprechen, kommen Sie auf die Blacklist.
Redaktion Vaterland.li
Diese Regeln haben wir mit freundlicher Genehmigung von www.zackbum.ch übernommen.