Wespen, Hornissen & Co. halten Ostschweizer Schädlingsbekämpfer auf Trab
Zehn Wespennester an einem einzigen Tag – und danach noch drei weitere Aufträge: An diesen Arbeitstag Mitte Juli erinnert sich Schädlingsbekämpfer Christian Brander von der Firma Anticimex, die unter anderem in der Region St.Gallen tätig ist, besonders gut. Während der Sommerferien sei wegen Wespen deutlich mehr los gewesen als in den Vorjahren.
Brander ist damit nicht allein. Drei befragte Schädlingsbekämpfer berichten von einem aussergewöhnlich arbeitsreichen Wespen-Sommer, zwei von deutlich längeren Wartezeiten.
Einer der stärksten Sommer seit 30 Jahren
Rolf Thomann führt seit rund 30 Jahren die Firma Parasitstopp in Hefenhausen und zählt die diesjährige Saison zu den stärksten seiner Tätigkeit. Seine Aufträge seien um rund 30 Prozent gestiegen, seit etwa zwei Monaten seien Wespen das Hauptthema. Statt der üblichen zwei bis drei Tage mussten Kunden zeitweise bis zu einer Woche warten. Manche hätten sich deshalb anderweitig umgesehen.
Noch stärker fällt die Zunahme bei Schädlingsbekämpfer Daniel Kreienbühl aus St.Gallen aus. Er schätzt, dass seine Aufträge gegenüber dem Vorjahr um rund 50 Prozent gestiegen sind. Im Juli und Anfang August betrug die Wartezeit bei ihm zeitweise bis zu zwei Wochen – normalerweise seien es lediglich zwei bis drei Tage.

Ein Problem sei, dass sich viele Betroffene erst spät meldeten. «Die Leute warten viel zu lange, bis das Nest gross ist – und dann pressierts», sagt Kreienbühl. Kleine Nester könne er im Juni und Juli teilweise noch umsiedeln. Später seien sie dafür oft bereits zu gross oder schwer zugänglich und müssten mit Gift bekämpft werden.
Nicht überall lange Wartezeiten
Lange warten mussten Christian Branders Kunden dagegen nicht. Anticimex könne bestehende Kontrolltermine bei Vertragskunden flexibel verschieben und so kurzfristig auf neue Aufträge reagieren. Von Kunden habe er allerdings gehört, dass andere Anbieter zeitweise stark ausgelastet gewesen seien. Inzwischen ist es aber bei allen drei befragten Schädlingsbekämpfer wieder ruhiger geworden.
Vorsicht vor Abzockern und Sprays
Schädlingsbekämpfer Rolf Thomann warnt vor unseriösen Anbietern, die sich etwa über Google-Anzeigen prominent platzieren. Er empfiehlt, Impressum, Firmensitz und Bewertungen zu prüfen und bei Unsicherheit einen Anbieter über den Verband Schweizerischer Schädlingsbekämpfer zu suchen. Dieser führt ein Verzeichnis seiner Mitgliedsfirmen. Besonders skeptisch sollte man laut Thomann werden, wenn hohe Barzahlungen im Voraus verlangt werden.
Wer keinen schnellen Termin bekommt, sollte laut Thomann dennoch nicht selbst zum Insektenspray greifen. Bei den Mitteln handle es sich um Chemikalien, deren Risiken Laien häufig unterschätzten. (sae)
Brander führt die vielen Wespen auf mehrere günstige Wetterbedingungen zurück: Der Winter sei relativ trocken und nicht allzu kalt gewesen, auch der Frühling habe günstige Bedingungen geboten.
Feuerwehr oder Schädlingsbekämpfer? Wer bei einem Wespennest hilft
Doch nicht überall führt der Weg bei einem Wespennest zwingend zum privaten Schädlingsbekämpfer: Je nach Wohnort kann auch die Feuerwehr eine Anlaufstelle sein. Wie unterschiedlich die Regelungen in der Ostschweiz sind, zeigen diese Beispiele:
Frauenfeld - Feuerwehr kommt auf Anfrage: Hier kann die Feuerwehr für die Beseitigung eines Wespennests aufgeboten werden. Der Einsatz koste im Normalfall rund 100 Franken, sagt Feuerwehrkommandant Sandro Heinzmann. Die Feuerwehr behandelt Wespennester mit einem Biozid; für Umsiedlungen verweist sie an Fachpersonen.
St.Gallen – Feuerwehr nur bei Gefährdung: Hier gibt ein politischer Entscheid den Rahmen vor. Das Stadtparlament beschloss 2021 mit Verweis auf die Biodiversität, dass Wespennester grundsätzlich belassen und nur im Ausnahmefall vernichtet werden sollen. Die Feuerwehr prüft deshalb jeden Fall einzeln. Von den rund 120 Anfragen bis zum 25. August führten 40 zu einer Beseitigung, weil eine konkrete Beeinträchtigung oder Gefährdung vorlag.
Herisau - Fachfirma muss ran: Nur wenige Kilometer entfernt gilt ein anderes Modell. In Herisau hält die Feuerwehr auf ihrer Website ausdrücklich fest, dass die Beseitigung von Wespen- und Hornissennestern nicht zu ihren Aufgaben gehört. Bei gefährlichen Nestern sollen Fachfirmen beigezogen werden. Die Feuerwehr kann diese bei Bedarf etwa mit einer Leiter unterstützen.
So finden Sie heraus, wer hilft
Am einfachsten informieren sich Betroffene auf der Website der Gemeinde oder der örtlichen Feuerwehr. Ist dort nichts zu finden, empfiehlt sich ein Anruf bei der Gemeindeverwaltung oder der Feuerwehr. Für solche Abklärungen nicht die Notrufnummer 118 wählen. (sae)
Warum die Feuerwehr vielerorts nicht mehr kommt
Dass Feuerwehren Wespennester nicht überall beseitigen, hat mehrere Gründe. Die Feuerwehr Koordination Schweiz – das Koordinationsorgan der kantonalen Feuerwehrinstanzen – zählt die Insektenbekämpfung in ihrer «Feuerwehr-Konzeption 2030» zu den zweckfremden Aufgaben, von denen Feuerwehren entlastet werden sollen. Ob solche Einsätze dennoch angeboten werden, können die jeweiligen Trägergemeinden entscheiden, berichtet SRF.
Hinzu kommen fachliche Anforderungen. In Arbon etwa war früher die Feuerwehr für Wespen, Bienen und Co. zuständig. Als dafür eine spezielle Ausbildung notwendig wurde, verfügte laut der Stadt niemand bei der Feuerwehr über die nötige Qualifikation. Heute verweist Arbon auf zwei lizenzierte, selbstständig tätige Fachpersonen. Betroffene können sich deshalb an einen anderen Schädlingsbekämpfer wenden.
Copyright © 2026 by Vaduzer Medienhaus
Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung.


