Toni Brunner: Kilchberger Schwinget – eine Ostschweizer Chilbi
Unsere Schweiz mag einzigartig sein. Für viele auch eigenartig. Aber auf jeden Fall einmalig. So findet nur alle sechs Jahre das Kilchberger Schwinget in Kilchberg, Zürich statt. Der Schweizer Nationalsport Nummer 1 zelebrierte am letzten Samstag vor 10'000 Zuschauern hoch über dem Zürichsee den Saisonhöhepunkt.
Alle sechs Jahre treten lediglich die 60 besten Schwinger des Landes gegeneinander an und erküren in jeweils sechs Paarungen den stärksten unter den Starken. Ein Kilchsberg-Sieg ist für einen Schwinger statistisch gesehen schwieriger zu erringen, als Schwingerkönig an einem Eidgenössischen zu werden. Dieses findet alle drei Jahre statt und dies mit 200 Schwingern.
Die Brisanz an einem Schwingfest mit nationalem Charakter ist, dass nicht nur der stärkste Einzelathlet erkürt wird, sondern mindestens gleich stark die Frage wiegt, aus welchem Teilverband der Sieger kommen wird. Ist es ein Berner, ein Innerschweizer, ein Nordostschweizer, ein Nordwestscheizer oder ein Südwestschweizer? Der Konkurrenzgedanke ist unter den Teilverbänden darum derart gross, weil ein Festsieger unter Umständen nur siegen kann, wenn ein Teamkollege einem gefährlichen Mitfavoriten Punkte (einen Gestellten) abringen kann.
Die Ausgangslage vor dem diesjährigen Kilchberger Schwinget ist schnell erzählt. Der Festsieg wird zwingend über den aktuell stärksten Teilverband gehen.
Demzufolge wird mindestens ein Berner im Schlussgang um den Sieg mitschwingen müssen. Ich selber hätte wohl mein ganzes «Heimetli» verspielt, so sicher war ich mir, dass ein Berner im Schlussgang stehen wird.
Es ist alles anders gekommen.
Im Schlussgang standen sich der Nordostschweizer Giger Samuel (Schwingclub Ottenberg aus dem Thurgau) und der Innerschweizer Bieri Marcel (Schwingclub Aegerital) gegenüber. Giger gewann bekanntlich den Schlussgang in eindrücklicher Manier nach 2:05 Minuten mit einem Kurzschwung. Die Ostschweizer überstrahlen dank Samuel Giger einmal mehr alle anderen Teilverbände.
Giger war vor dem Fest – nebst dem angeschlagenen Toggenburger Schlegel Werner – wohl die grösste Blackbox. Er war mehrere Monate verletzungshalber in keinem Ernstkampf. Niemand wusste so recht, ob Giger gleich beim ersten Ernsteinsatz abliefern kann.
Seinen Erfolg kann man nicht genug hoch einschätzen. Er wurde indes nur möglich, weil auch die übrigen Ostschweizer ihren Beitrag dazu geleistet haben. Ohne Orlik, die Gebrüder Schneider (Clubkollegen von Giger) und den Toggenburger Schlegel und Ott wäre ein solcher Sieg nicht möglich geworden. Herausragend wichtig sind an so einem Schwingfest aber auch jene Schwinger, die es nur selten ganz nach vorne schaffen können. Zu wenig gross, mit zu wenig Masse, aber überragend in dem, was sie mit ihrer Postur zu leisten imstande sind. Einer der unverzichtbarsten und attraktivsten dieser Kategorie ist Signer Andy vom Schwingclub St. Gallen und Umgebung. In der Tabelle im Mittelfeld, auf dem Schwingplatz jedoch ein Feuerwerk: Er versprühte so viel Kampfeslust, dass man nach diesem Wochenende einfach Andy-Signer-Fan sein muss.
Toni Brunner, der ehemalige Präsident der SVP Schweiz, ist Gastwirt und Bergbauer im Toggenburg. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer, Jérôme Müggler sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.
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Schweizerische Volkspartei
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