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Toni Brunner: Die Ostschweiz im Wallis – Kampfkühe mit Flausen im Kopf

Tagblatt-Kolumnist Toni Brunner war am Wochenende mit zwei Eringer-Kühen für einen Wettkampf im Wallis: ein Projekt zur Völkerverständigung, wie er schreibt.
Tagblatt-Kolumnist Toni Brunner. (Bild: Michel Canonica)

An diesem Wochenende war ich mit meinen zwei Eringer-Kühen – Vicky und Tatjana – als Ostschweizer zu Gast im Wallis. Genauer genommen auf der Alpe Tschorr, 1800 Meter über Meer, oberhalb von Ergisch/Eischoll. Das ist im Raum Turtmann/Raron im Oberwallis. Es ging um nichts weniger als um die neue Alpkönigin.

Ich verstehe dieses Projekt als eine Art Völkerverständigung. Die Ostschweizer und die Walliser haben etwa so viel gemeinsam wie ein Schwinger und eine Synchronschwimmerin. Und doch ist es wichtig, dass man im gegenseitigen Austausch bleibt. Interkultureller Austausch kann eben nicht nur über die Landesgrenzen hinaus stattfinden, sondern auch innerhalb unserer kleinräumigen, aber kulturell äusserst vielfältigen Schweiz.

Spricht beispielsweise der Alpvogt von Ergisch, Oswald Andres, mit mir in seinem breiten Oberwalliser oder vielleicht eher Ergischer Dialekt, so muss ich ganz genau hinhören, um ihm recht zu geben.

Begleitet wurde ich von rund zwanzig Toggenburgerinnen und Toggenburgern, die mir den nötigen Support und die Kraft für diese prestigeträchtige Alp gegeben haben.

Man muss wissen, als St.Galler ist man im Wallis sozusagen ein «Grüezeni», also ein «Üsserschwiizer» und höchstens geduldet. Als ich mit der Zucht von Walliser Eringer Kampfkühen begonnen habe, wurde ich im Wallis natürlich zuerst belächelt, nachher beobachtet, und unterdessen zittern sie nur noch, wenn ich mit meinen Tieren anreise.

Nun, eins vorneweg: Ich wurde auch dieses Mal beobachtet, aber zittern mussten die Walliser keinen Moment. Meine Tiere, obwohl schon vier Wochen akklimatisiert, interessierten sich mehr für die ungewohnten Bergkräuter, die Festwirtschaft und damit einhergehend das Ambiente. Vicky und Tatjana haben schlicht vergessen, dass sie Ruhm und Ehr' mit viel Kampfeslust hätten repräsentieren sollen.

Eringer-Kühe machen ganz natürlich in den ersten Tagen auf einer Alp ihre Hierarchie in der Herde aus. Sie strecken die Köpfe zusammen und es kommt zu einem Kampf. Der dauert jeweils zwischen drei Sekunden und 30 Minuten. Alpkönigin und damit Chefin in der Herde ist, wer am letzten Alptag alle dominiert. Der Besitzer der Alpkönigin bekommt am Schluss des Alpsommers eine «Trychle».

In den letzten Jahren durfte ich doch einige Male die Alpkönigin auf der Alpe Tschorr stellen, aber heuer war alles anders. Meine zwei Tiere, jung, neugierig und neu auf dieser Alp, hatten mehr Flausen im Kopf als Kampfeslust.

Bin ich nun enttäuscht? Bin ich nun traurig? Ich hätte allen Grund dazu, aber es ist nicht so. Tiere sind eigenwillige Lebewesen und meine Kühe sind ein bisschen wie ich. Sie nehmen sich und das Leben nicht zu ernst.

Toni Brunner, der ehemalige Präsident der SVP Schweiz, ist Gastwirt und Bergbauer im Toggenburg. Er schreibt diese Kolumne wöchentlich im Turnus mit Paul Rechsteiner, Carla Maurer, Jérôme Müggler sowie Reena Krishnaraja und Marta Ulreich, die ihre Kolumnen gemeinsam verfassen.

 

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