Musikalischer Brückenschlag von der Provence ins Toggenburg
Das Toggenburger Orchester hat sich einen Namen gemacht – mit Konzerten an ungewöhnlichen Orten, etwa in einem Tunnel, auf dem Chäserrugg oder in Werkhallen. Beim einstündigen Konzert am Samstag war mit der katholischen Kirche Wattwil nicht der Ort ungewöhnlich, dafür aber das Programm und die Mitwirkenden.
Das Orchester unter der Leitung von Ernst Hüberli hatte sich mit den Jodlerklubs von Ebnat-Kappel und Teufen, der bekannten Alphornistin Lisa Stoll und dem Hackbrettspieler Hansueli Herrsche zusammengetan. Und der Erfolg gab den Initianten des Projekts recht: Am Samstagnachmittag waren schon eine halbe Stunde vor Konzertbeginn in der katholischen Kirche Wattwil fast alle Sitzplätze besetzt.
Von lustigen Kälbern und einem brüllenden Stier
Das Konzert begann getragen, mit Georges Bizets «Pastorale», in der Hansueli Herrsche mit dem Hackbrett den Part der Harfe übernahm und so eine Brücke zwischen der Provence und dem Toggenburg schlug. Das Toggenburg kam anschliessend mit Peter Roths erst sennischer und dann beschwingter Komposition über das Leben auf der Alp zu Ehren. Es folgte ein erster Höhepunkt, die «Jodelphonie» des Innerschweizer Komponisten Emil Wallimann, Namensgeberin des Konzerts. Den Einzug der Jodelchöre begleitete Händels Melodie «Einzug der Königin von Sabah».
Einen weiteren Höhepunkt bildete die erste Darbietung von Lisa Stoll, die als berühmteste Alphornistin der Schweiz angekündigt wurde. Zur Melodie eines alten Betrufs wurden die lustigen Kälber, die Rinder, der traurige Ochse, die friedlich wiederkäuenden Kühe und zum Schluss der brüllende Stier musikalisch porträtiert, wobei die Schaffhauserin die erstaunliche Vielseitigkeit ihres Instruments unter Beweis stellte. Für «Rund um de Säntis» spannten dann die beiden Jodlerchöre und das Toggenburger Orchester zusammen.
Am meisten Applaus gibt's für Carlo Brunner
Das Programm war geschickt zusammengestellt. Den klar stärksten – und stehenden – Applaus gab es beim letzten Stück, mit dem erneut Lisa Stoll am Alphorn brillierte. Es handelt sich um Carlo Brunners beschwingten «Tanz der Kühe», mit dem sie unter dem alten Titel «Rösti-Polka» im «Musikanten-Stadel» reüssiert hatte.
Für humorvolle Ansagen zwischen den einzelnen Stücken sorgte Hüberli. Beispiel gefällig? Bei «Rund um de Säntis» erklang auch die «Appenzeller Nationalhymne», also das Landsgemeindelied. «Appenzeller dürfen sitzenbleiben», stellte Hüberli klar.

Eine Zugabe durfte nicht fehlen: Das Lied «Gang rüef de Bruune», mit Schellen und Schalen, in denen Taler kreisten. Den Reaktionen des Publikums war zu entnehmen, dass es gerne noch eine zweite Zugabe gehört hätte. Am Sonntag wurde das Konzert am gleichen Ort wiederholt.
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