«Hitzesommer bestärkt uns in unserem Vorhaben»: Kanton hält an Uferbreite fest, sieht aber Spielraum
Der Kanton St.Gallen hat die Interpellation «Zwei Jahre warten sind genug: Endlich die Kosten der Thursanierung Wattwil auf den Tisch» der drei Kantonsräte Christian Vogel, Ruben Schuler und Adrian Gmür beantwortet. In ihrer Interpellation erkundigten sich die Kantonsräte nach dem Stand der Kostenwirksamkeit (Prüfauftrag 6) des Sanierungsprojekts sowie zu den finanziellen Optimierungsmöglichkeiten.
In seiner Antwort schreibt der Kanton: «Die Regierung teilt das Anliegen der Interpellanten, das Generationenprojekt Thursanierung Wattwil sowohl finanziell als auch bezüglich des Verbrauchs von Kulturland maximal zu optimieren.» Das Projekt sei deshalb in den vergangenen Monaten einer tiefgreifenden Überprüfung unterzogen worden. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass das vorliegende Konzept mit Gesamtkosten von 129 Millionen Franken die notwendige materielle und rechtliche Basis darstelle. Dies hätten Abklärungen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) ergeben.
In seiner Stellungnahme vom Juni 2026 halte das Bafu fest, dass die Projektbreite in den Abschnitten Rickenbach und Schomatten nicht weiter reduziert werden könne, ohne die bundesrechtlichen Mindesanforderungen zu unterschreiten.
«Auf Minimum reduzieren, um Kulturland zu schonen»
Die Regierung teilt jedoch mit, dass im untersten Projektabschnitt entlang der Umfahrungsstrasse noch Spielraum besteht, um den Kulturlandverbrauch weiter zu reduzieren. Jürg Marthy vom kantonalen Amt für Wasser und Energie sagt: «Der Kanton hat sich infolge dessen entschieden, auch die Breite des Abschnitts Umfahrung auf das absolute Minimum zu reduzieren, um auch in diesem Abschnitt möglichst viel Kulturland zu schonen.»

Die Regierung hält jedoch an der gesamten Projektlänge fest. Bei einem verkürzten Projekt könne das notwendige Schutzziel des Hochwasserschutzes nicht erreicht werden, so die Regierung in ihrer Antwort. Die Abschnitte Schomatten und Umfahrung hätten direkten Einfluss auf den Hochwasserschutz im Siedlungsgebiet von Wattwil. Auch ausserhalb des Siedlungsgebiets müssten die bestehenden Uferverbauungen aufgrund ihres schlechten Zustands erneuert werden.
Widerstandsfähiger bei künftigen Hitzeperioden
Ebenfalls hält der Kanton an den geplanten Uferbreiten fest. Auch wenn kritische Stimmen wie die Interessengemeinschaft Vernünftige Thursanierung hinsichtlich des aktuellen Hitzesommers eine ausgetrocknete Thur befürchten. Jürg Marthy sagt sogar: «Der aktuelle Hitzesommer bestärkt uns in unserem Vorhaben.» Die Klimaveränderung sei eine grosse Herausforderung für die Thur. Durch die Verbreiterung werde der Fluss als Lebensraum widerstandsfähiger gegenüber künftigen Hitzeperioden.
Jürg Marthy gibt hingegen zu, dass die bei einem verbreiterten Flussbett entstehenden Kiesbänke an sonnigen Tagen etwas stärker Wärme abstrahlen werden. Und durch die Bäume, die entlang der Thur gefällt werden müssen, werde es kurzzeitig etwas weniger Schatten haben. Durch den Erhalt von rund 60 Prozent der Bäume könne dieser Effekt aber merklich gedämpft werden.
Marthy sagt: «Gesamthaft wird die Thur im Vergleich zu heute eine dichtere Uferbepflanzung haben, die stärker abkühlt.» Erfahrungen hätten gezeigt, dass sich erste Tier- und Pflanzenarten direkt nach Abschluss der Bauarbeiten ansiedeln. Je nach Art der Bepflanzung und Witterrungsbedingungen sei eine dichtere Bestockung innert weniger Jahre möglich.

Der aktuelle Kostenvoranschlag für das Gesamtprojekt beläuft sich auf 129 Millionen Franken. Das sind nochmals 17 Millionen Franken mehr seit der Kostenschätzung aus dem Jahr 2019. Gemäss Jürg Marthy mache der Grossteil dieser Mehrkosten die Materialteuerung, Mehraufwände bei den Altlasten, die mittlerweile umgesetzten Musterstrecken sowie Mehraufwände zum bestmöglichen Erhalt der Alleebäume aus.
Ob sich die Kosten bis zu einem möglichen Baustart in einigen Jahren nochmals verändern, kann Jürg Marthy nicht beurteilen. Er sagt: «Wir machen keine Prognosen, wie sich die künftige Teuerung auf die effektiven Kosten auswirkt, das wäre Glaskugellesen.»
Projekt könnte im Herbst 2028 im Kantonsrat landen
Das Bau- und Umweltdepartement arbeitet die Anpassung nun in das Gesamtprojekt ein und aktualisiert gleichzeitig den Kostenvoranschlag. Die Kosteneinsparungen bei der Umfahrungsstrasse dürften gemäss Schätzungen des Kantons wenige hunderttausend Franken betragen.
Das überarbeitete Projekt sowie die Ergebnisse des Prüfauftrags 6 «Kostenwirksamkeit» sollen im Frühjahr 2027 vorliegen. Anschliessend wir das Gesamtprojekt den Fachstellen von Kanton und Bund zur Vernehmlassung unterbreitet und die Gemeinde zu einer Anhörung eingeladen. Jürg Marthy sagt: «Wir rechnen damit, dass das Projekt im Herbst 2028 im Regierungsrat behandelt und danach dem Kantonsrat zugeleitet wird.»
Parallel verhandelt der Kanton mit den Eigentümerinnen und Eigentümern der betroffenen landwirtschaftlichen Grundstücke. Es gilt zu klären, ob die Betroffenen eine finanzielle Entschädigung oder, soweit verfügbar, Realersatz bevorzugen.
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