St.Galler SP möchte 50 Millionen Franken gegen Fachkräftemangel einsetzen
«Der Fachkräftemangel lässt sich nicht mit einer einzelnen Massnahme lösen. Wir müssen mehr Menschen eine Aus- oder Weiterbildung ermöglichen und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie langfristig im Beruf bleiben», lässt sich Noam Leiser, Präsident der SP Kanton St.Gallen, in der Medienmitteilung zitieren.
Nun soll es eine Volksinitiative richten. Die SP hat am Dienstag an der Ostschweizer Fachhochschule in St.Gallen den Startschuss dazu gegeben. Finanzieren soll die Weiterbildungsoffensive der Kanton. Kostenpunkt: 50 Millionen Franken.
Ausbildungskosten abfedern
Dieser Betrag soll zwei Fördergefässen zugute kommen: Einerseits sollen Personen finanziell unterstützt werden, die eine anerkannte Aus- oder Weiterbildung, Nachqualifikation oder Zweitausbildung in einem Bereich mit ausgewiesenem Fachkräftemangel absolvieren. Die staatlichen Beiträge sollen insbesondere Ausbildungs- und Betreuungskosten decken sowie den Wegfall von Erwerbseinkommen abfedern.
Andererseits sollen Pilotprojekte von Arbeitgebenden finanziell gefördert werden, die zum Ziel haben, die Arbeitsbedingungen in vom Fachkräftemangel betroffenen Branchen zu verbessern. Damit soll sichergestellt werden, dass ausgebildete Fachpersonen auch im Beruf verbleiben.
Die SP nennt in ihrer Mitteilung mehrere Bereiche, die von einem Fachkräftemangel betroffen seien: das Spital, die Polizei, die Schulen sowie das Bauwesen. Werde hier nicht mehr in die Bildung investiert, verschärfe sich die Situation in Zukunft weiter.
Florian Kobler, SP-Kantonsrat und Präsident des Gewerkschaftsbundes St.Gallen-Appenzell sagt dazu: «Die beste Antwort auf Fachkräftemangel und Stellenabbau sind Investitionen in die Menschen. Wer Fachkräfte will, muss Fachkräfte fördern! Wer Fachkräfte halten will, muss anständige Arbeitsbedingungen bieten! Genau dafür steht diese Initiative.»
Armut bekämpfen und Frauen fördern
Die SP sieht in der Initiative auch ein wirkungsvolles Instrument zur Bekämpfung der Armut. Zweitausbildungen, Nachqualifikationen und Quereinstiege ermöglichen den Menschen ein besser abgesichertes Leben und mildern nachweislich auch den Fachkräftemangel, schreibt die Partei.
SP-Nationalrätin Barbara Gysi sagt dazu: «Gerade auch aus sozialen und sozialpolitischen Gründen ist es wichtig, dass der Kanton zusätzliche finanzielle Mittel bereitstellt. Aus- und Weiterbildung und Nachqualifikation dürfen nicht nur Menschen mit einem guten finanziellen Hintergrund offenstehen, sondern müssen allen zugänglich sein.»
SP-Kantonsrätin Karin Hasler streicht derweil die Vorteile für berufstätige Mütter hervor. «Bildungskosten sowie indirekte Kosten wie fehlender Lohn oder Kosten für die Kinderbetreuung während der Ausbildung sind für Frauen oft schwerer zu tragen.»
Frauen seien zudem überproportional häufig in Teilzeit- oder Tieflohnbranchen beschäftigt. «Durch anerkannte Abschlüsse und Weiterbildungen steigen ihre Chancen auf existenzsichernde Arbeit.»
Damit die St.Galler Stimmbevölkerung über die Ideen der SP abstimmen kann, muss die Partei in den nächsten fünf Monaten 4000 Unterschriften sammeln. In diesem Zusammenhang kommt es übrigens zu einer Premiere: Zum ersten Mal kann eine Initiative auch online unterzeichnet werden. Die SP hat die Initiative auf der E-Collecting-Plattform des Kantons aufgeschaltet.
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