Fachstelle Spielgruppen schliesst sich Ostschweizer Kinderärzten an: Sprachtest reicht nicht
Mit der Frühen Förderung sollen Entwicklungsdefizite bei Kindern erkannt und so teure Therapien verhindert werden. Die St.Galler Regierung wollte deshalb einen eine obligatorische Untersuchung einführen. Das war dem Kantonsrat zu teuer, auch die vorberatende Kommission findet den Aufwand unverhältnismässig, wie sie vergangene Woche mitteilte.
Ihr Vorschlag: Eltern sollen einen Fragebogen zum Sprachstand ihrer Kinder ausfüllen. Der Verein Ostschweizer Kinderärzte (VOK) kritisierte in einem offenen Brief an den Kantonsrat, dass dies zu kurz greife. Es brauche einen ganzheitlichen Erstkontakt. Nun schaltet sich auch die Fachstelle Spielgruppen St.Gallen-Appenzell in die Diskussion ein.
Fragebogen sei «erster Schritt»
Die Fachstelle Spielgruppen begrüsse den politischen Schritt grundsätzlich. Eine ausschliessliche Fokussierung auf die Sprache sei zu wenig weitsichtig. «Ein persönlicher Kontakt mit den Familien hätte ermöglicht, nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern das Kind und seine Entwicklung als Ganzes wahrzunehmen», schreibt die Fachstelle in ihrer Mitteilung.
Genau wie der VOK, hätte man sich tiefere Abklärungen gewünscht: Frühe Förderung bedeute mehr als Sprachförderung. Kinder entwickelten sich in vielen Bereichen gleichzeitig, sprachlich, sozial, emotional und motorisch. «Ein persönlicher Erstkontakt hätte die Chance geboten, diese Entwicklung ganzheitlich wahrzunehmen und die Eltern von Beginn an einzubeziehen.»
Dennoch werde die vorgeschlagene obligatorische Sprachstandserhebung als «erster Schritt in die Richtung frühe Förderung» betrachtet. Entscheidend sei, dass bei festgestelltem Unterstützungsbedarf geeignete und niederschwellige Förderangebote zur Verfügung stehen.
Spielgruppen nehmen wichtige Rolle ein
Die Spielgruppen im Kanton St. Gallen verfügten bereits heute über ein breit abgestütztes, lokal verankertes und familiennahes Angebot, heisst es weiter. Sie erreichen Kinder und Eltern niederschwellig und können dadurch eine wichtige Rolle innerhalb der Frühen Förderung übernehmen. Spielgruppen fördern Kinder bereits ganzheitlich und ermöglichten einen frühen und unkomplizierten Kontakt zu den Eltern.
«Die Angebote der Spielgruppen sind niederschwellig und im Vergleich zu später notwendigen Förder- und Unterstützungsmassnahmen kostengünstig», schreibt die Fachstelle. Dadurch könnten spätere und deutlich aufwendigere Massnahmen im Kindergarten reduziert oder zumindest gemildert werden. Langfristiges Ziel müsse deshalb eine Lösung sein, welche das Kind ganzheitlich betrachtet, Eltern frühzeitig einbezieht und bestehende, bewährte Strukturen konsequent nutzt. (ddm)
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