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Adolf Ogi zum Auftakt: St.Galler Seniorenuni startet mit Freude-herrscht-Bundesrat

Das neue St.Galler Bildungsangebot für Menschen ab 60 umfasst im ersten Zyklus ab November sechs Vorträge bekannter Schweizer Persönlichkeiten.
von Marcel Elsener
Er verbreitet Freude: Adolf Ogi mit Paola Felix, als er 2016 an der HSG den Erich-Walser-Generationenpreis erhielt. (Bild: Urs Bucher)

Was die meisten Schweizer Städte längst haben, erhält diesen Herbst auch St.Gallen: ein Bildungsangebot für den dritten Lebensabschnitt. Im März erstmals angekündigt, ist das Programm der St.Galler Senior:innen-Uni ist seit dieser Woche aufgeschaltet und ein Flyer für die Teilnahme und Mitgliederwerbung in Umlauf gebracht worden.

Der Veranstaltungszyklus startet mit einem Paukenschlag: Mit Altbundesrat Adolf Ogi gastiert am Dienstag, 3. November, einer der bekanntesten und populärsten Schweizer Politiker in St.Gallen. Die Premiere mit dem prominenten Redner findet denn auch im Pfalzkeller statt, weil der Verein viel Publikum erwartet. Ansonsten gastiert die Senior:innen-Uni im Katharinensaal, der rund 100 Plätze bietet.

Jean-Claude Killy lehrte ihn den Kopfstand

Adolf Ogi erzählt unter dem Titel «Von Kandersteg über Bern nach New York und zurück» aus seinem aussergewöhnlichen Leben. Der frühere Skiverbands-Direktor und Sportmanager gehörte von 1987 bis 2000 dem Bundesrat an, wo er als Verkehrs- und Energieminister sowie als Verteidigungs- und Sportminister wirkte und zweimal Bundespräsident war. Von 2001 bis 2007 weilte er als Sonderberater des UNO-Generalsekretärs für Sport regelmässig in New York. Sein Optimismus und seine Bürgernähe halfen ihm auch auf dem internationalen Parkett, und sein Ausspruch «Freude herrscht!» 1992 zur Begrüssung des Astronauten Claude Nicollier ist zum geflügelten Wort geworden.

Besucherinnen und Besucher dürften sich auf die «bekannt lebendige Erzählweise und ausgeprägte Rhetorik» des Altbundesrats freuen, verheissen die Veranstalter. Publikumsfragen sind in der «Uni drei», wie sich die Senior:innen-Uni auch nennt, ausdrücklich erwünscht. Bei Ogi dürfte die halbe Stunde, die dafür eingeräumt wird, aufgrund seiner spannenden Wirkungsfelder rasch gefüllt sein. Nebst seinem Verhältnis zur Uno, zur EU oder zu seiner Partei (SVP) interessieren wohl speziell seine Begegnungen mit den Mächtigen der Welt und seine Fitness im Alter. So erzählte er 2022 der NZZ, wie er sich nach dem Nachtessen mit Hillary und Bill Clinton («Dolfi, stay!») «im Interesse der Schweiz etwas betrunken» habe. Und dass er noch mit achtzig täglich fünf Minuten in den Kopfstand gehe, um das Gehirn zu durchbluten und sein Elefantengedächtnis zu trainieren: «Das hat mir vor über 50 Jahren der Skistar Jean-Claude Killy beigebracht.»

Von Appenzeller Gebetsheilen bis zur SBB-Verkehrswende

Die weiteren fünf Referate werden ebenfalls von bekannten Persönlichkeiten bestritten. Am 10. November erläutert der Volkskundler, ehemalige Appenzeller Museumsleiter und Innerrhoder Landammann Roland Inauen das traditionelle Gebetsheilen in seinem Kanton. Am 24. November spricht Frank Urbaniok, forensischer Psychiater, über die fehleranfällige Technik bei der Begutachtung von Straftätern.

Die St.Galler SRF-Journalistin Luzia Tschirky, bekannt durch ihre Fronteinsätze im Ukrainekrieg, schildert am 8. Dezember ihre Erfahrungen als Berichterstatterin in Kriegsgebieten. Am 12. Januar erklärt der Theologe Heinz Rüegger die «Lebenskunst des Alter(n)s». Schliesslich setzt sich am 26. Januar der ehemalige CEO der SBB, Benedikt Weibel, kritisch mit der offiziellen Bahnpolitik und der Verkehrswende auseinander.

Alle Veranstaltungen beginnen um 14.30 Uhr und bieten nach einem 45-minütigen Referat und einer Pause die Möglichkeit zu Fragen und Diskussion. Das Bildungsangebot richtet sich bewusst niederschwellig an alle Menschen im dritten Lebensabschnitt – entsprechend günstig ist der Eintrittspreis von jeweils 12 Franken. Tickets sind online über die Website der St.Galler Senior:innen-Uni (www.uni-drei-sg.ch) oder in beschränkter Anzahl an der Tageskasse erhältlich. Detaillierte Informationen zum Programm sowie aktuelle Statusmeldungen zur Anzahl frei verfügbarer Tickets sind auf der Website und auf Social-Media-Kanälen verfügbar.

Die Reaktionen auf die Ankündigung seien «begeistert und überwältigend» gewesen, sagt Vereinspräsidentin Edith Vetsch. Nun beginnt mit dem Ticketverkauf auch die Mitgliederwerbung des gemeinnützigen Vereins: Gefragt sind Mitglieder (50 Fr.) sowie Gönnerinnen und Gönner (ab 100 Fr.). Unterstützt wird die Senior:innen-Uni bislang von Kanton und Stadt St.Gallen, Ortsbürgergemeinde St.Gallen, Ortsgemeinde Tablat, St.Galler Kantonalbank, Arnold Billwiller Stiftung sowie Privatpersonen. Weitere Sponsoren sind willkommen, insbesondere solche, die der «Generation 60+ einen Mehrwert bieten», wie es heisst.

Artikel: http://www.vaterland.li/regional/ostschweiz/stgallen-erhaelt-endlich-eine-seniorenuni-start-im-november-mit-adolf-ogi-art-755929

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